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Reservistenverband holt jungen Afghanen ins IT-Team




Feroz Ahmad Ahmadyar lächelt. Er sitzt vor dem Laufwerk eines Computers. Das Gehäuse ist aufgeschraubt. Ein Wirrwarr von Kabeln und grünen Platinen ist zu sehen. Feroz' Augen blitzen auf. Eine neue Netzwerk- oder Grafikkarte in einen Computer installieren, Software konfigurieren und den Kollegen bei Computerproblemen helfen, das wird in Zukunft zu seinen Aufgaben gehören. Feroz Ahmad Ahmadyar arbeitet seit Mitte Oktober in der IT-Abteilung des Reservistenverbandes. Dort absolviert er eine Umschulung als Fachinformatiker Systemintegration. Der Reservistenverband gibt dem jungen Afghanen mit der zweijährigen Ausbildung eine Chance, sich beruflich weiterzubilden. "Ich bin jetzt da und fühle mich wie im siebten Himmel", schwärmt Feroz an seinem ersten Arbeitstag.

Schon als Kind träumt der 27-Jährige von einem Beruf im IT-Bereich. Ahmadyar wächst in Ghazni auf, einer Stadt in Zentralafghanistan südlich von Kabul. In der afghanischen Hauptstadt geht er zur Schule, als sich die Taliban immer weiter im Land ausbreiten. Nachdem Feroz die erste Klasse abschließt, wird die Gefahr zu groß. Er flieht 1995 mit seiner Familie vor der radikalislamischen Miliz nach Pakistan. Nach einigen Jahren kehrt die Familie Ahmadyar wieder zurück. Der junge Afghane beendet die zehnte Klasse mit guten Noten und bekommt einen Platz auf der Habibia-High-School in Kabul. Es ist eine der besten Schulen des Landes. Einer der prominentesten Absolventen heißt Hamid Karzai, ehemaliger Präsident Afghanistans.

Odyssee mit Aushilfsjobs
Feroz beendet die High-School erfolgreich und startet 2009 ins Berufsleben. Sein erster Job: Er arbeitet als Computerassistent für eine bulgarische Import-Export-Firma. Der junge Mann will den nächsten Schritt machen, das bedeutet eine Ausbildung als IT-Fachmann. Doch in seinem Heimatland gibt es weder entsprechende Jobs noch Lehrstellen. Ihm sei klar gewesen, dass er in Europa sein Glück versuchen müsse, beschreibt Feroz seine Motivation, einen A1-Deutschkurs im Goetheinstitut Kabul zu besuchen.

Der Weg nach Deutschland
Durch Bekannte lernt der junge Afghane seine zukünftige Frau kennen. Sie lebt schon seit 13 Jahren in Deutschland und arbeitet dort als medizinische Fachangestellte. "Wir haben telefoniert und uns gegenseitig besucht", sagt Feroz. Er heiratet seine Angebetete und beantragt ein Visum. Im Jahr 2010 darf er nach Deutschland einreisen, muss aber für seinen Aufenthaltsstatus sofort einen Arbeitsplatz nachweisen. Der junge Afghane nimmt eine Stelle bei einem Bonner Lebensmittelhersteller an. Dort ist er zwei Jahre als Produktionshelfer tätig. Zeit für eine IT-Ausbildung oder ein Studium bleibt nicht. Es folgen Jobs als Staplerfahrer in einem großen Supermarkt-Lager und als Küchenkraft in einem Bonner Restaurant.

Große Motivation beim Reservistenverband
Feroz ist inzwischen Vater dreier Kinder. Seine älteste Tochter ist fünf, sein Sohn zwei Jahre und seine jüngste Tochter neun Monate alt. Eine weitere gute Nachricht: Vergangenes Jahr erhält seine Frau einen deutschen Pass. Feroz braucht für ein Visum nicht mehr nachweisen, dass er einen Arbeitsplatz hat und für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen kann. Damit ist der Weg für eine IT-Ausbildung frei. Über die Berufsweiterbildungsgesellschaft Tertia nimmt der junge Afghane Kontakt mit dem Reservistenverband auf und bekommt eine Ausbildungsstelle. "Wir bilden gern aus, weil wir glauben, dass es eine unserer Verpflichtungen ist, jungen Menschen eine Chance zu geben. In diesem Fall widmet sich der Verband der Ausbildung mit großer Motivation", sagt Dierk-Joachim Fell, Bundesgeschäftsführer des Reservistenverbandes zur Einstellung des neuen IT-Azubis.

bv

Bild oben: Das IT-Team des Reservistenverbandes:
Julian Viel, Lukas Schwarz, Neuzugang Feroz Ahmad Ahmadyar
und Manfred Albert (von links nach rechts)
(Foto: Benjamin Vorhölter).
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