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Reservistenverband will Marcel Gleffe – den Retter von Utoya – auszeichnen




Das Massaker auf der norwegischen Insel Utoya hat die Menschen in Norwegen und auf der ganzen Welt erschüttert. Das skandinavische Land trauert um die 77 Toten der beiden Anschläge, die Anders Behring Breivik (32) am 22. Juli dieses Jahres begangen hat. Während Breivik auf der Ferieninsel 69 meist jugendliche Norweger brutal ermordete, half ein Gleichaltriger Leben zu retten. Der Deutsche Marcel Gleffe fuhr mehrmals in einem kleinen roten Angelboot mit 10-PS-Außenborder auf den Fjord hinaus und holte unter Beschuss mindestens 20 junge Menschen aus dem Wasser. Dafür soll der Reservist Marcel Gleffe nun das Ehrenabzeichen des Reservistenverbandes in Gold erhalten.

"Wir sind ganz besonders stolz auf Ihre mutige Tat, da Sie zur Gemeinschaft der Reservisten der Bundeswehr gehören. Als gedienter, ehemaliger Soldat mit Auslandserfahrung haben Sie das Ansehen der Reservisten, der Bundeswehr – und somit auch Deutschlands – durch Ihre entschlossene Hilfe bei der Rettung und Evakuierung nachhaltig gesteigert", schreibt Gerd Höfer, Präsident des Reservistenverbandes, in einem persönlichen Brief an den Hauptgefreiten der Reserve.

Seit drei Jahren lebt Marcel Gleffe inzwischen in der Nähe von Oslo. Er ist wegen der Arbeit nach Norwegen ausgewandert. Der Dachdecker machte an dem Wochenende Urlaub auf dem Campingplatz von Utvika. Dieser liegt etwa 500 Meter entfernt gegenüber der Insel Utoya. Gleffes Eltern waren zu Besuch. Die Familie war gerade mit anderen Urlaubern wegen des Bombenanschlags in Oslo im Gespräch, als es auf der Insel knallte. "Wir gingen erst von einem Feuerwerk aus", sagt Marcel Gleffe. Dann stieg Rauch auf. "Das waren vermutlich Rauchgranaten. Mädchen sprangen von der Insel ins Wasser. Deshalb dachten wir an einen sportlichen Wettkampf mit Startschuss. Doch dann sah ich mit einem Fernglas hinüber und mir war klar, da passiert etwas Schreckliches. Ich musste helfen."

Auslandsvorbereitung war für Rettungsaktion hilfreich
Von März 1999 bis Ende Juli 2000 absolvierte Gleffe seinen Grundwehrdienst bei der Heeresflugabwehrtruppe. Um an einem Auslandseinsatz im Kosovo teilnehmen zu können, verlängerte der Mann, der damals bei Rostock wohnte, seinen Wehrdienst. In seiner Auslandsvorbereitung hatte der heute 32-Jährige vieles gelernt, was ihm nun half. "Ich handelte ruhig und überlegt, stieg in das kleine Boot und fuhr auf den Fjord hinaus. Mehrmals lud ich es mit jungen Menschen voll, die ich aus dem Wasser zog. Dabei bemerkte ich gar nicht, dass der Täter auch auf mich geschossen hat", sagt der 1,75-Meter-Mann rückblickend.

Das schreckliche Erlebnis hat den kräftigen Dachdecker mental mitgenommen. Sein dänischer Chef gewährte ihm eine Auszeit. Mit Freunden fuhr er Anfang Juli für ein paar Tage in die Berge bei Trondheim. Seinen Vollbart, den er zum Zeitpunkt des Urlaubs auf dem Campingplatz trug, hat er abrasiert. Er wirkt nun mehrere Jahre jünger. Seine Mobilfunknummer hat er gewechselt, weil "der Rummel um meine Person nicht abreißen wollte", sagt Gleffe. Sein Vater Walter sortiert die Presseanfragen. Über ihn kam der Reservistenverband mit dem Sohn in Kontakt. Im September plant Marcel Gleffe einen Deutschlandaufenthalt. Ihm soll in Berlin von der Zeitschrift Super Illu der Medienpreis Goldene Henne überreicht werden. In diesem Zeitraum ist dann auch die Ehrung durch den Reservistenverband geplant. Gleffe sagt: "Die Auszeichnung will ich sehr gerne annehmen. Das macht mich stolz." Und das kann er auch sein.

Detlef Struckhof

Bilder: Auszeit in den norwegischen Bergen bei Trondheim.
Marcel Gleffe sucht Anfang Juli 2011 Abstand von dem Erlebten
(Fotos: privat).

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