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So gut passen die Gespräche zu Königsbronn




Die Enttäuschung war groß im Rathaus Königsbronn. Bürgermeister Michael Stütz und seine Mitarbeiter steckten mitten in den Vorbereitungen für das Sicherheitspolitische Forum Süd. Die sechste Auflage der Veranstaltung – zuvor unter dem Namen Königsbronner Gespräche bekannt – sollte vom 17. bis 18. März erneut in der örtlichen Hammerschmiede stattfinden. Doch im Februar musste Gemeindeoberhaupt Stütz seinen Angestellten mitteilen, dass ihre bisherigen Mühen vergebens waren. Das Sicherheitspolitische Forum Süd wurde aus organisatorischen Gründen abgesagt. Der Reservistenverband hatte sich schweren Herzens zu diesem Schritt entschieden.

Die Gegner der Königsbronner Gespräche lachten sich ins Fäustchen. Nicht wenige Friedensaktivisten werteten die Absage als Erfolg der Proteste und Gegenveranstaltungen in den vergangenen Jahren. Kritiker stänkerten über die Gespräche. Sie seien zu einseitig, militärorientiert und ein Profilierungspodium für zweitklassige Sicherheitspolitikerinnen und -politiker, zitiert die Heidenheimer Zeitung einen Gegner der Veranstaltung. Bei solchen Äußerungen schüttelt Michael Stütz mit dem Kopf. Die große Mehrheit der 7.200 Einwohner starken Gemeinde sei stets stolz darauf gewesen, Gastgeber einer so hochkarätigen Veranstaltung wie den Königsbronner Gesprächen sein zu dürfen. "Es ist Kokolores, was manche Politiker und Aktivisten sagen, die ein Problem mit der Bundeswehr haben", sagt der Bürgermeister. Die Soldaten der Bundeswehr haben in Königsbronn sehr viel Vertrauen genossen. Ein Beispiel sei eine Hilfsaktion für eine Armenküche im bosnischen Mostar gewesen. Die Einwohner spendeten drei Lkw-Ladungen an Kleidung, Schuhen, Schreibmaterial und Spielzeug. Damals seien die Menschen so hilfsbereit gewesen, weil sie wussten, dass die Bundeswehr die Spenden vor Ort sofort an Bedürftige verteilt hat, sagt Michael Stütz.

Nicht die Aktivisten haben es geschafft
Zum Sicherheitspolitischen Forum Süd kamen bisher politische Schwergewichte wie Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen, der heutige Innenminister Thomas de Maizière sowie der Kanzleramtschef Peter Altmaier in die beschauliche Gemeinde bei Heidenheim. Holger Klöpfer, Organisationsleiter der Kreisgruppe Ostwürttemberg/Alb-Donau des Reservistenverbandes, stoßen manche Behauptungen der Friedensaktivisten ebenfalls sauer auf. Jetzt komme der Tenor rüber, die Aktivisten hätten es geschafft, den Reservistenverband aus Königsbronn zu vertreiben. "Das ist falsch und nicht der Fall", stellt Klöpfer klar. Bei der Absage sei vieles zusammengekommen. Eine Rolle spiele die Bundestagswahl im September. Die Parteien befinden sich im Wahlkampf und Politiker stellten sich eher nicht sicherheitspolitischen Themen – auch weil Ereignisse wie der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt die Sicht aufs Thema innere Sicherheit verändert habe, argumentiert Klöpfer.

Gemeinderat steht hinter der Veranstaltung
Dabei genossen die Königsbronner Gespräche stets das Interesse der regionalen und überregionalen Medien. Die Veranstaltung sei ein Aushängeschild, nicht nur für die Region, sagt Michael Stütz. Das Sicherheitspolitische Forum Süd, einst vom damaligen Präsidenten des Reservistenverbandes, Roderich Kiesewetter, ins Leben gerufen, hat sich als kleine Schwester zur Münchener Sicherheitskonferenz etabliert – bewusst bürgernah ausgerichtet, Sicherheitspolitik zum Anfassen und Mitmachen. Aus diesem Grund setzte sich auch der Gemeinderat für die hochkarätige Veranstaltung ein. Fast einstimmig sicherten die Gemeinderatsmitglieder in einem Beschluss Unterstützung zu.

Beitrag für eine friedliche Welt
Michael Stütz sieht das Sicherheitspolitische Forum Süd im Einklang mit den Werten Georg Elsers. Königsbronn war die Heimat des Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, der 1939 ein Bombenattentat auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller verübte. Der Anschlag scheiterte knapp. "Georg Elser wollte den Krieg verhindern und hat sich aktiv dafür eingesetzt", schildert Bürgermeister Stütz. Die Königsbronner Gespräche leisten seiner Meinung nach ebenfalls einen Beitrag für eine friedlichere Welt. Sie geben den Teilnehmern ein Verständnis dafür, wie breit und wie umfassend der Sicherheitsbegriff ist. Sicherheit reduziere sich nicht nur auf die Aufgaben der Polizei und das Engagement der Bundeswehr in Auslandseinsätzen. Sicherheit bedeute auch, kritische Infrastruktur vor Cyberattacken zu schützen und eine stabile Energieversorgung. Für letztere sei auch ein stabiles Russland sehr wichtig. Komplexe außenpolitische Zusammenhänge und ihre Bedeutung für jeden Einzelnen zu vermitteln, das sei ein Verdienst der Königsbronner Gespräche, sagt Michael Stütz. Wie lehrreich die Veranstaltung sein kann, wissen die Gymnasien im Umland zu schätzen. Bisher nutzten ihre Schüler sehr gern die Gespräche, um sich über Sicherheitspolitik zu informieren und mit hochkarätigen Politikern ins Gespräch zu kommen. Ministerin von der Leyen stellte sich den Fragen für die Schülerzeitung. "Die Akzeptanz ist hervorragend", sagt Holger Klöpfer.

Lebendige Patenschaft mit Bundeswehr
Er teilt mit Bürgermeister Stütz die Ansicht, dass das Sicherheitspolitische Forum Süd sehr gut zu Königsbronn passt – in die Gemeinde, die seit 1999 eine lebendige Patenschaft zur Panzergrenadierbrigade 30 pflegte, bis diese 2008 aufgelöst wurde. "Wir wollten damals sagen, die Soldaten sind gern gesehen. Sie sind fest in die Gesellschaft eingebunden und wir sind froh, dass sie da sind", sagt Stütz. Der 56-Jährige wäre gern als Wehrdienstleistender zur Bundeswehr gegangen. Drei Leistenbrüche verhinderten dies. Er wurde ausgemustert. Dennoch fühlt sich Michael Stütz der Bundeswehr verbunden. Wie sehr, stellten seine Mitarbeiter eines Tages fest.

Warten auf die nächste Veranstaltung
Die Bundeswehr veranstaltete einen Marsch von Ulm nach Ellwangen. Die Strecke sollte durch Königsbronn führen. In dem Ort wollten die Organisatoren des Marsches eine Turnhalle für eine Zwischenstation nutzen. Die offizielle Anfrage erreichte Michael Stütz jedoch zunächst nicht. Er war nicht im Rathaus. Seine Mitarbeiter trauten sich nicht, eine Entscheidung zu fällen. Die Bundeswehr suchte sich schließlich einen anderen Standort für den Marsch. Dabei hätte Michael Stütz sehr gern die Bundeswehrsoldaten als Gäste in seiner Gemeinde aufgenommen. Durch dieses Ereignis hat sich Königsbronn der Bundeswehr angenähert. Dies war der Beginn der Patenschaft mit der Panzergrenadierbrigade 30 an. Die Soldaten organisierten zusammen mit den örtlichen Reservisten ein Ferienprogramm für Kinder. Die Einwohner feierten am Standort zahlreiche Feste. "Die Bundeswehr war bis zur Auflösung des Standortes in Ellwangen ein fester Bestandteil im Gemeindeleben. Roderich Kiesewetter hat damals offene Türen bei mir eingerannt", sagt Michael Stütz. Er hofft, dass seine Gemeinde wieder mit dem Reservistenverband zusammenarbeiten kann. Königsbronn steht Gewehr bei Fuß.


Benjamin Vorhölter

Bild oben: Bürgermeister Michael Stütz spricht über
die Bedeutung der sicherheitspolitischen
Königsbronner Gespräche (Foto: Sören Peters).

Archivbild Mitte: In diesem Jahr blieb die historische
Hammerschmiede in Königsbronn leer. Die diesjährige
sicherheitspolitische Veranstaltung des Reservistenverbandes
fiel aus (Foto: Ralf Wittern).

Bild unten: Das Gästebuch der Stadt Königsbronn zeigt
durchgängig positive Einträge zur Veranstaltung
im Jahr 2016 (Foto: Sören Peters).

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