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Streitkräftebasis: Kein „Wir“ ohne jedes einzelne „Ich“




Zu Beginn des Monats hat das Kommando Streitkräftebasis seine Arbeit aufgenommen – wir berichteten. Zeitgleich wurde eine Imagekampagne gestartet unter dem Motto "Ich war’s". Damit will der Organisationsbereich unter Kommandeur Vizeadmiral Manfred Nielson auf die Vielfalt und Wichtigkeit der Aufgaben für die gesamte Bundeswehr aufmerksam machen. Die Kampagne soll etwa sechs Monate laufen und vor allem nach innen wirken, um den Stolz auf die eigene Truppenzugehörigkeit zu steigern. Über die Kampagne an sich und über aufkeimende Kritik sprach der Reservistenverband mit Hauptmann Jan O. Portugall, Leiter Onlinemedien im Presse- und Informationszentrum der Streitkräftebasis.

reservistenverband.de: Welche Intention steckt dahinter?
Hauptmann Jan. O. Portugall: "Mit der Kampagne "Ich war’s – Streitkräftebasis" sollen hauptsächlich zwei Dinge erreicht werden: bei den Angehörigen der Streitkräftebasis ein "Wir"-Gefühl, bei allen anderen ein "Ihr"-Gefühl. Was meinen wir damit? Den Angehörigen der Streitkräftebasis wollen wir vermitteln, wer alles zu ihrer Familie gehört, wie leistungsfähig wir gemeinsam sind und das er/sie selbst Teil der Streitkräftebasis ist. Bei allen anderen, außerhalb der Streitkräftebasis, wollen wir als leistungsfähiger, kompetenter und unverzichtbarer Organistationsbereich der Bundeswehr wahrgenommen werden."

reservistenverband.de: Wer ist Zielgruppe?
Portugall: "Zielgruppen sind für ein "Wir"-Gefühl alle Angehörigen der Streitkräftebasis. Für ein "Ihr"-Gefühl sind das alle Angehörigen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums, der parlamentarische Raum und die an der Bundeswehr interessierte Öffentlichkeit. Wir werden nicht sämtliche Produkte in allen Zielgruppen nutzen. Auch die gesteckten Ziele sind natürlich an die Zielgruppen angepasst. Die reine Wahrnehmung der Wortmarke "Ich war’s – Streitkräftebasis" und somit die Bezeichnung bzw. Existenz unseres Organisationsbereiches neben Heer, Luftwaffe und Marine ist in der Zielgruppe Öffentlichkeit dabei ein Schritt in die richtige Richtung."

reservistenverband.de: Kritik kam auf an der Wortwahl "Ich". Was sagen Sie dazu?
Portugall: "Die Kritik an "Ich" kam von Anfang an, auch bei hausinternen Vorträgen zur Kampagne. Nichtsdestotrotz sind wir bei der Wortmarke geblieben, weil wir sie für richtig und gut halten. Die Bundeswehr funktioniert nur im Team, aber das Team besteht aus Individuen. Also, kein "Wir" ohne jedes einzelne "Ich". Jeder Einzelne soll für seinen Job – seine Leistung im Team – Verantwortung übernehmen und diese nicht an einen anderen wegschieben.

Ich habe mal bei "Quarks & Co" im WDR-Fernsehen eine Sendung gesehen zum Thema Verantwortung. Versuchsaufbau: Unfall auf offener Strecke. Wer hält an, wer fährt weiter? Warum handeln diejenigen so und gibt es so etwas wie Gesetzmäßigkeiten? Man hat festgestellt, dass die meisten Autofahrer weitergefahren sind, wenn ein anderes Auto hinter ihnen war: Blick in den Rückspiegel, Verantwortung an den Hintermann unbewusst weitergegeben. Wenn die Menschen in ihrem Auto alleine auf der Landstraße waren und ihnen dort niemand die Verantwortung abnehmen konnte, dann haben sie in der Regel angehalten, geholfen und somit Verantwortung übernommen.  Genau dort setzen wir "intern" mit der Kampagne an: Ich übernehme Verantwortung in meinem Team, für mein Team und meine Partner in der Bundeswehr."

reservistenverband.de: Können Sie die Kritik verstehen, die Kampagne sei unprofessionell?
Portugall: "Nein. Was bedeutet in diesem Zusammenhang unprofessionell bzw. was wäre der Meinung der Kritiker nach eine professionelle Kampagne? Das, was wir machen, ist unsere Profession, unser Beruf. Aus den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln holen wir das Maximum heraus. Nur der Einsatz einer Agentur, mit entsprechenden Honoraren, macht eine Kampagne nicht besser, nicht wirkungsvoller und schon gar nicht glaubwürdiger! Die Kampagne kommt in der Truppe, in der Streitkräftebasis gut an, das ist uns professionell genug."

reservistenverband.de: Haben Sie denn mit einer Agentur gearbeitet?
Portugall: "Jein. Auf privater Ebene haben wir uns im Bekannten- und Freundesbereich kostenloses Feedback im Anfangsstadium der Kampagnenkonzeption geben lassen."

reservistenverband.de: Warum die Farbe Orange?
Portugall: "Wir haben nach einer Farbe gesucht, der man die folgenden Eigenschaften zusprechen kann:

– warme Wohlfühlfarbe
– modern, jung
– sonnig
– erregt positiv Aufmerksamkeit
– ist keine Warnfarbe
– Außerhalb der Corporate-Design-Farben der Bundeswehr
– unerwartet für die Bundeswehr.“

reservistenverband.de: Welche weiteren Maßnahmen sind im Rahmen der Kampagne noch geplant?
Portugall: "Auf www.ichwars.de trudeln die ersten, durch die Truppe selbst gemachten "Ich war’s"-Bilder ein. Die drucken wir den Protagonisten als erstes Dankeschön aus und verschicken diese. Hier sind auch die Reservisten der Streitkräftebasis eingeladen, mit ihren Fähigkeiten Teil der Kampagne zu werden.

Mitte November kommt die nächste Posterserie in die Truppe, die die Fähigkeit hinter dem ersten Motiv aufgreift und darstellt. Wir produzieren gerade die üblichen Streuartikel: Tassen, T-Shirts, Schlüsselbänder und vieles mehr, die wir als Preise für die Einsendungen ausloben werden. Es lohnt sich also, in der Streitkräftebasis Verantwortung zu übernehmen und mitzumachen."


Das Interview führte Sören Peters,
Redakteur Neue Medien

Bild oben:
Diensthund Luca ist ausgebildete Schnüfflerin.
Sie hilft beim Auffinden von unterschiedlichen Sprengstoffen,
die dann durch die Kampfmittelbeseitiger entschärft werden können.
(Foto: PIZ SKB)

Bild unten:
Beim Aufstellungsappell des Kommandos Streitkräftebasis übergab
General Volker Wieker (vorne) dem Kommandeur Vizeadmiral
Manfred Nielson (hinten) die neue Fahne.
(Foto: Ralf Wittern)

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