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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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Tauglichkeit: Wenn der BMI über 29 steigt, wird es eng




Immer mehr Deutsche kennen das: Die Hose geht nicht mehr richtig zu, das Hemd liegt eng am Leib und der Bauch quillt über den Gürtel. Fettleibigkeit ist zu einer Volkskrankheit geworden und wird als Life-Style-Erkrankung selten ernst genommen. Die Bundeswehr hat seit September 2010 neue Begutachtungsregeln in der Zentralen Dienstvorschrift ZDv 46/1 festgelegt. Danach gilt der als Übergewichtig, bei dem der Body-Mass-Index (BMI) die 30 erreicht. Ab BMI 35 gelten Soldaten als untauglich.

Bei der Deutschen Reservistenmeisterschaft (DRM) im September dieses Jahres ging deshalb ein Gespenst unter den Reservisten um: die Einstellungsuntersuchung. Der Grund: Einige Reservisten wurden wegen ihres BMI ausgemustert und nach Hause geschickt. Viele Reservisten hatten dafür wenig Verständnis, weil sie selbst immer wieder auf aktive Soldaten treffen, die ebenfalls ganz augenscheinlich einen zu hohen BMI aufweisen. Dabei sollen doch gemäß der ZDv 46/1 keine Unterschiede für aktive Soldaten und Reservisten gemacht werden. Das ist auch so, denn bei Einstellung, Dienstzeitverlängerung und Statuswechsel werden von den Truppenärzten tatsächlich dieselben Maßstäbe angesetzt. Doch jeder weiß auch: Ein Reservist wird öfter eingestellt – nämlich bei jeder Wehrübung aufs Neue. Und jedes Mal hat er so fit zu sein wie ein 25-jähriger Bewerber für die Übernahme zum Berufssoldat.

Für Reservisten gibt es die neue Signierziffer sechs
Das weiß auch die Bundeswehr. Deshalb sieht die ZDv 46/1 ausdrücklich Einzelfallentscheidungen vor. Ausnahmegenehmigungen sind grundsätzlich möglich. Dabei wird für die Entscheidung vor allem die vorgesehene Verwendung berücksichtigt. Beispiel: Wer in einem Stab an einem Computer sitzt, kann sicherlich eher eine Ausnahmegenehmigung wegen eines zu hohen BMI erhalten als ein Infanterist für den Geländedienst. Wer jedoch schlecht sieht, wird die Ausnahmegenehmigung auch für den PC-Arbeitsplatz nicht erhalten. Die Truppenärzte haben dafür ein Instrument an die Hand bekommen: die neue Signierziffer – früher Tauglichkeitsgrad genannt – sechs. Sie ist speziell für Reservisten eingeführt worden. Diese Einstufung bietet die Möglichkeiten der Ausnahmegenehmigungen für viele Verwendungen. Grundsätzlich gilt als Faustregel: Wer bei der Bundeswehr ähnlich oder gleich wie in seinem Zivilberuf eingesetzt werden soll, wird meist die Ausnahmegenehmigung erhalten. Auslandsverwendungen sind jedoch dann meist nicht mehr möglich. Allerdings ist die Signierziffer sechs auf vielen Vordrucken der Truppenärzte noch gar nicht vorgesehen, weil die Vordrucke für ungediente Bewerber erstellt worden sind – deshalb wird manchmal vorschnell die Ziffer vier oder fünf vergeben.

Vertrauensvoll an das Kreiswehrersatzamt wenden
Um die Signierziffer sechs zu erhalten, sollte sich ein betroffener Reservist möglichst selbst vertrauensvoll bei seinem zuständigen Kreiswehrersatzamt melden, bevor es zu einer Wehrübung geht. Der Arzt des Kreiswehrersatzamtes wird alles festschreiben und in der Gesundheitsakte vermerken. Dann gibt es bei der Einstellungsuntersuchung im Übungstruppenteil eigentlich keine Probleme. Offenheit und Ehrlichkeit ist von Seiten des Reservisten angesagt. Und letztlich dienen die Untersuchungen auch dem Eigenschutz. Denn Fettleibigkeit zum Beispiel ist die Ursache Nummer eins für Schlaganfälle und Herzinfarkt. Damit wird jede Einstellungsuntersuchung bei der Bundeswehr quasi zu einer kostenlosen Vorsorgeuntersuchung. Und Vorsorge ist besser als Nachsorge. Dazu ein motivierender Appell: "Die beste Vorsorge ist, Sport zu treiben und etwas für die eigene Fitness zu tun. Dabei kann die örtliche Reservistenkameradschaft helfen. Warum eigentlich immer nur Schießen gehen oder sicherheitspolitische Vorträge organisieren? Gemeinsamer Sport macht Spaß, fördert die Gemeinschaft und hilft den inneren Schweinehund zu überwinden. Und letztlich sind die Untersuchungen beim Truppenarzt dann auch kein Schreckgespenst mehr", sagt Michael Sauer, Vizepräsident des Reservistenverbandes, der selbst Sportler mit A-Trainerlizenz des Deutschen Leichtathletikverbandes ist.

Auszug aus der ZDv 46/1 – Signierziffern

Online-Berechnung des Body-Mass-Index (BMI)

Beitrag in der Loyal-Wettkampfzeitung zur DRM vom 17. September 2011


Detlef Struckhof

Symbolbild oben: Soldaten mit wahrscheinlich
zu hohem BMI bei einem Antreten
(Foto: Jürgen Kunze)

2. Bild: Ein Teilnehmer der Deutschen
Reservistenmeisterschaft (DRM)
im September 2011 in Daaden bei
der Einstellungsuntersuchung (Foto: spe).

3. Bild: Vizepräsident Michael Sauer rät auch
Reservisten dazu, Sport in der Reservistenkameradschaft
zu treiben (Foto: Archiv VdRBw)

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