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Trauriges Ende einer großen Hilfsaktion




Im Februar 2014 starteten die Reservisten der Kreisgruppe Südwestfalen zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS)  eine  große Hilfsaktion, bei der ein Spender für die an Leukämie erkrankte Grit Bauer gesucht wurde – wir berichteten.

440 Personen ließen sich seinerzeit typisieren. Mit mehr als 20.000 Euro Spendengeld war die Aktion fast voll finanziert. Schließlich fand sich gar ein geeigneter Stammzellenspender. Nach anfänglichen Erfolgen kam im Jahr 2015 die niederschmetternde Diagnose, dass die Leukämie bei Grit wieder ausgebrochen war. Unzählige Krankenhausaufenthalte und Arztbesuche folgten, die leider nicht die gewünschten Erfolge brachten. Grit verstarb schließlich Ende Februar 2016. Jetzt hat reservistenverband.de mit Witwer Stephan Bauer gesprochen.

reservistenverband.de: Wie lange zog sich der Leidensweg Ihrer Frau Grit nach der Knochenmarktransplantation hin?

Stephan Bauer: Nachdem meine Frau am 5. März 2014 die Stammzellenspende bekommen hatte, ging es ihr nach ein paar Tagen besser. In den vergangen zwei Jahren gab es immer wieder viele Hochs und Tiefs.

reservistenverband.de: Was war für Sie und Ihre beiden Söhne das Schlimmste an dem Leidensweg?

Bauer: Das Schlimmste an der ganzen Krankheit war, zusehen zu müssen, wie meine Frau immer mehr abbaute. Sie war so eine starke Frau und liebevolle Mutter, wie man keine bessere hätte finden können. Der ältere Sohn bekam es hautnah mit, wie sich seine Mutter stets veränderte. Schlimm waren auch die immer wiederkehrenden Krankenhausaufenthalte, die sich über mehrere Wochen hinzogen.

reservistenverband.de: Wie sehr wurden Sie selbst finanziell belastet?

Bauer: Dadurch, dass meine Frau immer wieder in der Uniklinik Marburg behandelt werden musste, war es natürlich jedes Mal ein hoher finanzieller Aufwand um sie zu besuchen. Wir haben wirklich jeden Cent für die Fahrtkosten – 130 Kilometer einfache Richtung – gespart, damit sie den Kleinen sehen konnte, der ihr immer wieder Kraft gab, weiterzukämpfen. Auch waren die Medikamente nicht billig. Im Januar 2016 alleine waren es mehr als 250 Euro, die wir aufbringen mussten. Dann galt es, die sogenannte 24-Stunden-Regel einzuhalten. Das heißt: Alle Lebensmittel, die länger als 24 Stunden geöffnet waren, durfte meine Frau nicht mehr essen. Das hieß, jeden Tag frisch einkaufen gehen.

reservistenverband.de: Können Sie wieder arbeiten?

Bauer: Durch den Tod meiner Frau am 21. Februar dieses Jahres ist die Familie psychisch angeschlagen. Ich gehe noch nicht arbeiten, da ich erst einmal alles verarbeiten und das weitere Leben auf die Reihe kriegen muss.

reservistenverband.de: Wer kümmert sich um Ihre beiden Söhne?

Bauer: Der große Sohn – aus erster Ehe meiner Frau – redet und verbringt sehr viel Zeit mit seiner Freundin. Sie wohnt allerdings 500 Kilometer entfernt. Daher sehen sie sich sehr selten. Das meiste geht über das Internet. Um den Kleinen kümmere ich mich, soweit es geht. Allerdings habe ich auch Hilfe seitens meiner Familie, auf die ich sehr stolz bin.

reservistenverband.de: Obwohl die Behandlung bei Ihrer Frau misslungen ist, würden Sie den Weg über die DKMS wieder wählen bzw. anderen empfehlen?

Bauer: Ich denke, dass es der richtige Weg war, mit der DKMS zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, dass wir durch diesen Artikel noch mehr Leute erreichen, die sich als freiwillige Spender zur Verfügung stellen. Es ist wirklich nicht schwer, ein Lebensretter zu sein. Wie in der Werbung schon beschrieben: Stäbchen rein, Spender sein. Man sollte immer daran denken: Der Krebs kann jeden erwischen.

reservistenverband.de: Was wünschen Sie sich, wie andere Sie persönlich oder die DKMS unterstützen können?

Bauer: Jeder, der sich testen lässt, unterstützt die DKMS. Allerdings kostet die DKMS die Auswertung der Blutspenden rund 50 Euro. Wenn man also neben der Blutspende auch noch etwa 50 Euro auf das Konto der DKMS überweist, hilft es natürlich doppelt. Als Betroffener wünscht man sich gute Freunde, die einem zuhören und nicht nur gute Ratschläge geben. Davon habe ich zum Glück ein paar.

reservistenverband.de: Wie werden Sie Ihr Leben nun mit Ihren beiden Söhnen ohne Grit gestalten?

Bauer: Das weitere Leben ohne Grit ist sehr schwierig. Auch wenn sie in der letzten Zeit nicht mehr viel machen konnte, war sie aber da, und das hat uns Kraft gegeben. Ich habe ihr am Grab versprochen, das ich den Großen bei seinem Umzug zur Freundin, bei der Arbeitssuche unterstützen werde. Selbstverständlich hat er hier bei mir auch immer ein Zuhause. Der Kleine muss das jetzt erst einmal verkraften, dass er ohne Mama groß wird. Ich werde sehr wahrscheinlich meine Arbeitsstelle aufgeben und nur noch einen Halbtagsjob annehmen können, damit ich – so gut es geht – für ihn da sein kann. Wir fahren jeden Tag ans Grab und der Kleine erzählt ihr immer, was er zum Beispiel im Kindergarten erlebt hat. Wir waren immer eine Familie und werden es auch bleiben. Grit lebt in unseren Herzen weiter und begleitet uns auf jedem Weg.

reservistenverband.de: Gibt es eventuell einen Wunsch, den Grit Ihnen gegenüber geäußert hat, bevor sie starb, den Sie ihr postum erfüllen wollen?

Bauer: Grit hat mir mal verraten, dass sie insgesamt drei Wünsche habe: Der erste war, dass sie in meinem Arm einschläft, und diesen Wunsch konnte ich ihr erfüllen. Der zweite Wunsch war ein Liebesschloss am Brückengitter in Köln – unserer Lieblingsstadt. Und der Letzte war, dass wir bei der Sendung "Zuhause im Glück" angenommen werden, da sie das Haus renovieren wollte. Da ich durch meine vier Bandscheibenvorfälle dazu nicht in der Lage bin, wäre das zum Beispiel eine echte Hilfe.

reservistenverband.de: Danke für die vielen offenen Worte, die bewegen. Vielleicht erfährt "Zuhause im Glück" auf diesem Weg von Grits letztem Wusch. Alles Gute für Sie und Ihre Söhne.


Das Interview führte Detlef Struckhof

Bild oben: Grit Bauer ist tot. Eine Stammzellenspende konnte
ihr nicht helfen (Archivfoto: privat / Familie Bauer).

Bild Mitte: Große Hilfsbereitschaft im Frühjahr 2014 nach einem Aufruf
des Reservistenverbandes: 440 Menschen ließen sich typisieren
(Archivfoto: Kajo Jung).

Bild unten: Glücklicher Tag: Grit und Stephan Bauer am
Tag der Hochzeit (Archivbild: privat / Familie Bauer).

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