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Verband setzt AG „PTBS und Familienbetreuung“ ein




Am 13. Dezember 2010 tagt in Bonn zum ersten Mal eine neu gegründete Arbeitsgruppe, die sich künftig mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und Familienbetreuung befassen wird.

Bei einem aktuellen Höchststand von Soldaten, die psychisch geschädigt von ihren Auslandseinsätzen zurückkehren, lautet die Leitfrage der Tagung: "Wie kann der Reservistenverband seine Fähigkeiten im Bereich der Familienbetreuung einbringen?"

Psychosoziales Netzwerk geplant
Leiter der Arbeitsgruppe ist Horst Schuh, Oberst der Reserve und ehemaliger Truppenpsychologe. Er sagt: "Wir streben eine psychosoziale Betreuung der Betroffenen und ihrer Angehörigen an. Soldaten, die Schaden genommen haben, sollen sich nicht alleine gelassen fühlen und nicht noch um Versorgungsansprüche kämpfen müssen." Der bundesweit organisierte Reservistenverband wolle auch an Standorten für die Bundeswehr in die Bresche springen, wo diese nicht mehr mit einem Standort vertreten ist. "Oft stehen administrative Schwierigkeiten im Wege, wenn es um die Versorgung geht – diese wollen wir überwinden." Dabei ist in erster Linie nicht die Bereitstellung von Psychotherapeuten vorgesehen, sondern eine sogenannte niederschwellige Betreuung, eine psychologische Kameradenhilfe. "Wir wollen ein psychosoziales Netzwerk für Reservisten durch Reservisten schaffen", so Horst Schuh.

So viele Geschädigte wie noch nie
Der Reservistenverband reagiert mit der neuen Arbeitsgruppe unter anderem auf die Tatsache, dass sich in Folge des Afghanistaneinsatzes in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 397 Soldaten, darunter auch zahlreiche Reservisten, als PTBS-Betroffene gemeldet haben: so viele wie noch nie. Die Betreuung durch die Bundeswehr erweist sich aber insbesondere jetzt als schwierig, da von den 42 Dienststellen für Psychologen und Psychiater der Bundeswehr zurzeit nur 24 besetzt sind, wie Spiegel online aktuell meldet.

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass PTBS-Therapien aufwendig sind. Für sie muss eine Dauer von zehn bis 60 Tagen angesetzt werden und fast die Hälfe der Soldaten muss dabei stationär behandelt werden. Dies setzt entsprechende personelle und örtliche Strukturen voraus, die der Reservistenverband entlastend ergänzen will.

Traumatische Folgen der Einsätze
Als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) gilt ein schädigendes Ereignis, beziehungsweise ein schreckliches Erlebnis, das mit dem Verlust von Kontrolle einhergeht. Beispiele dafür sind: Kriegserfahrungen, Vergewaltigung, Folter, sexueller Missbrauch oder Gewalterfahrungen in der Kindheit, schwere Unfälle, lebensbedrohende Erkrankungen oder Todesfälle in näherem Umfeld. Solche Erfahrungen machen nicht nur Soldaten sondern auch Feuerwehrleute, Sanitäter, Polizisten sowie Unfall- und Verbrechensopfer. Die Opfer können darauf mit vielfältigen Symptomen reagieren: mit sogenannten Flashbacks, Albträumen, einem andauerndem Gefühl von Betäubtsein, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Freudlosigkeit, Nervosität, Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen, Angst, Depressionen, einem wiederholten Erleben der belastenden Situation und sogar Selbstmordgedanken.

Die PTBS ist in der Öffentlichkeit in letzter Zeit speziell im Zusammenhang mit den Afghanistan-Einsätzen thematisiert worden. Schwierig ist dabei, dass sie häufig erst um Monate verzögert auf das belastende Ereignis auftritt. Oft schränkt sie das soziale Erleben massiv ein und kann sogar arbeitsunfähig machen.

 

Eva Jakubowski

Bild: Symbolbild PTBS (Bild: Eva Jakubowski)


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