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Vom Cockpit in die Botschaft




Sein Beruf bringt ihn um die Welt: Malte Hinz ist Flugkapitän. Er fliegt für ein Cargo-Unternehmen. Wenn er seine Fluguniform gegen die der Bundeswehr tauscht, übernimmt der Oberstleutnant d.R. eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sein jüngster Reservistendienst führte ihn nach Afrika.

 

Es ist schwülheiß, träge drehen sich die Ventilatoren unter der Decke. Die Fenster sind verdunkelt. Schnell geht Oberstleutnant d.R. Malte Hinz noch mal ins Büro zu seinem Kameraden, Oberstleutnant i.G. Oliver Wunder, um das Besuchsprogramm mit Generalleutnant Ludwig Leinhos zu besprechen. Der Inspekteur des Kommandos Cyber- und Informationsraum kommt am nächsten Tag in die malische Hauptstadt Bamako. Erste Anlaufstelle ist die deutsche Botschaft. Dort soll der General ein erstes Briefing beim Militärattachéstab erhalten.

Wunder ist Verteidigungsattaché, Hinz auch – aber nur zeitweise: Der 41-jährige Reserveoffizier gehört seit zwei Jahren zur Militärattachéreserve und ist zur Einweisung für drei Wochen nach Mali gekommen. Hinz trägt Tropenflecktarnuniform. "Das ist eine Verwendung, die ich mir immer gewünscht habe", sagt Hinz, der aus dem militärischen Nachrichtenwesen kommt; eine Voraussetzung für die Verwendung bei der Militärattachéreserve. Besuche in Krankenhäusern, bei Behörden und Dienststellen der malischen Armee, aber auch bei den internationalen Missionen der EU-Trainingsmission und Minusma. Immer wieder Besprechungen, Konferenzen, ein schnelles Abschlussfoto. Schnell hat sich der Frankfurter eingelebt. Der Verteidigungsattaché zeigt sich zufrieden. "Oberstleutnant d. R. Hinz konnte sich aufgrund seiner vielfältigen Reservistenerfahrungen von Beginn an produktiv im Militärattachéstab einbringen", sagt Oliver Wunder. "Besonders wertvoll war für mich seine zivile Erfahrung als Pilot, aus der wir für unsere vielfältigen Aufgaben bei der Unterstützung militärischer Flüge viel Hintergrundwissen schöpfen konnten."

Szenenwechsel: Malte Hinz sitzt in kurzärmeliger Uniform an seinem Arbeitsplatz sechs Meter über dem Boden und bespricht sich mit seinem Kollegen. Es ist früher Abend am Flughafen Frankfurt. Malte Hinz ist Flugkapitän bei Lufthansa Cargo auf der dreistrahligen Boeing MD-11, gemeinsam mit seinem Ersten Offizier Dennis Hak wird er gleich 255 Tonnen in die Luft bringen und nach Dakar in den Senegal fliegen. Flugdauer: rund sechs Stunden. Ladung: Chemikalien. Über dem Taunus brauen sich schwarze Wolken zusammen, ein Gewitter zieht auf. Die Beladung muss abgebrochen werden. Schließlich geht es doch halbwegs pünktlich los. Kurz nach acht schiebt Hinz die drei Schubhebel nach vorne, langsam beschleunigt der Riese auf der Startbahn Null Sieben Center Richtung Osten, hebt ab und dreht dann in einer Rechtskurve nach Südwesten.

Nach zwanzig Minuten haben wir die Reiseflughöhe – etwa 10.000 Meter – erreicht. Die Checklisten sind abgearbeitet, Hinz schnallt sich ab und kocht sich einen Kaffee. Am Himmel werden die ersten Sterne sichtbar. Oben endet der Tag später als unten auf der Erde. Der Catering-Service serviert frischen Spargel. Zeit für ein kurzes Gespräch mit Malte Hinz über seine Maschine: "Die ist, wenn wir bestimmte Flughäfen anfliegen und sehr schwer sind, ein bisschen zickig", erklärt Hinz. "Sie neigt auch manchmal dazu, zu 'bouncen', also beim Aufsetzen wieder in die Luft zu springen." Dennoch liebt der Wahlfrankfurter seinen Job bei der Kranichlinie: "Mit der MD-11 haben wir ein extrem abwechslungsreiches Streckennetz. Wir verreisen sozusagen. Wir fliegen nicht im Ping-Pong wie bei der Passage, sondern machen kleinere Hüpfer mit maximal acht Stunden. Dann haben wir ein bisschen frei und Zeit, die Städte zu erkunden."

Eine halbe Stunde vor dem Ziel leitet Malte Hinz den Sinkflug aus zehn Kilometern bis auf etwa einen Kilometer Höhe ein. Dennis Hak als "Pilot flying" wird die Landung auf dem neuen Flughafen von Dakar machen, Malte Hinz achtet darauf, dass das gebriefte Verfahren auch so geflogen wird. Außerdem wickelt er den Sprechfunk ab. So geht Teamwork. Ein Passagierflugzeug von Royal Air Maroc ist noch vor der MD-11, eine ungewohnt hohe Arbeitsbelastung für die Controller am frühen Morgen, die kein Radar haben und deshalb auf die Positionsmeldungen der Flugzeuge angewiesen sind. Es sieht so aus, als müsse die Maschine so kurz vor dem Ziel noch ein "Holding Pattern" fliegen, damit der Abstand zum vorausfliegenden Jet ausreicht.

Malte Hinz lässt den Flieger deshalb erst einmal nach Süden am Flugplatz vorbei fliegen. Dann dreht er nach der Freigabe ein auf das Instrumentenlandesystem für die Landebahn Null Eins in fast genau nördlicher Richtung. Die Landung ist butterweich, an der Abstellposition wartet bereits die nächste Crew, die den Flieger nach dem Tankstopp über den Südatlantik nach Brasilien fliegen wird – so wie wir morgen Nacht.

Wieder zurück in Bamako: Gerade kommen die beiden Attachés von einem besonderen Termin in die Botschaft zurück. Sie haben sich die Manuskripte von Timbuktu angeschaut. Die arabischen Kaligraphien sind unwiederbringliche Zeugnisse der islamischen Hochkultur des Mittelalters in Nordafrika. 2013 wurden sie vor den heranrückenden islamistischen Separatisten der Ansar-Dine in die malische Hauptstadt in Sicherheit gebracht und werden nun aufbereitet und digitalisiert.

Der passende Reservist am richtigen Ort
Schon sind die knapp drei Wochen vorüber, Hinz packt schon die Koffer. Eine spannende Verwendung geht zu Ende – in jederlei Hinsicht. "In der Botschaft war meine Einweisung auch interessant für die Mitarbeiter", sagt Oberstleutnant d.R. Hinz. "Sie wussten gar nicht, dass es das gibt." Auch für Oberstleutnant i.G. Wunder war der Dienst Hinz' eine gute Erfahrung: "Ein Militärattachéstab muss auf eine sehr breite Vielfalt von Aufgaben eingestellt sein und diese gerade in Krisen und unter Zeitdruck sicher beherrschen. Die passende Reservistin und der passende Reservist am richtigen Ort können mit ihrem Blick von außen, besonders aber mit ihrer beruflichen Fachexpertise und oft der sehr umfassenden Lebenserfahrung kluge Lösungsansätze für die sich so schnell wandelnde Welt in einen Militärattachéstab hineintragen."

Die Militärattachéreserve
Die Militärattachéreserve ist eine Personalreserve zur Verstärkung der Attachéstäbe. Der größte Teil dieses Personalkörpers besteht aus aktiven oder ehemaligen Soldaten, es gibt jedoch auch einige Reservisten unter ihnen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen: "Reservisten mit ihren Fähigkeiten sind auch in den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland ein wertvoller Beitrag zur Stärkung der Einsatzbereitschaft sowie der Pflege und Weiterentwicklung der militärdiplomatischen Beziehungen“, sagt Oberstleutnant i.G. Alexander Brand von SE I 4 beim Verteidigungsministerium. Die Abteilung führt die deutschen Militär- und Wehrtechnischen Attachés und deren Büroleiter – insgesamt 200 Dienstposten. Darüber hinaus gibt es 80 weitere Soldaten als Verstärkung bei der Militärattachéreserve. Davon sind wiederum zwei Drittel Offiziere im Dienstgrad Oberst oder Oberstleutnant. Zwar tragen die Soldaten Uniform im Dienst, sind aber als Attachés abgeordnet an das Auswärtige Amt und somit nicht nur Sachwalter der Verteidigungsministerin, sondern gleichzeitig Angehörige der deutschen Botschaften.

Stefan Bitterle

Bild oben:
Flugkapitän Malte Hinz (l.) bespricht sich vor dem
Abflug vom Frankfurter Flughafen im Cockpit der
MD-11 mit seinem Ersten Offizier.
(Foto: Stefan Bitterle)

Bild Mitte:
Oberstleutnant d.R. Malte Hinz (r.) vertritt den
Verteidigungsattaché in Mali, hier mit dem deutschen
Botschafter in Bamako, Dietrich Becker.
(Foto: privat)

Bild unten:
Oberstleutnant d.R. Malte Hinz an seinem Schreibtisch.
(Foto: privat)

 

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