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Sicherheitspolitische Arbeit

Von biologischen Kampfstoffen über Kampfhubschrauber bis zum Manöver




Coronaviruspandemie-bedingt fand der Sicherheitspolitische Jahresauftakt der ehemaligen Bezirksgruppe Kassel (Kreisgruppen Osthessen, Lahn-Schwalm-Eder und Kurhessen) erst am 11. Juni 2022 (statt im Februar) im Gasthaus „Zum Neubau“ in Helsa-Eschenstruth statt. Durch die Pandemie musste bereits die Veranstaltung 2021 ausfallen, so lag die letzte Veranstaltung mittlerweile zweieinhalb Jahre zurück. Die Teilnehmer erwartete eine hochkarätige Informationsveranstaltung – von Experten sowie aktiven und ehemaligen Soldaten für Reservisten. 

Nach der Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung der Gäste durch den Kreisvorsitzenden Helmut Buttlar, StFw a.D., gab es einen spannenden Vortrag von Professor Dr. Wolfgang Nellen (Universität Kassel) zum Thema Gentechnik am Menschen. In seinem Vortrag „Krieg der Mutanten – Biowaffen und Supersoldaten“ beschrieb er anschaulich, welche Möglichkeiten es heute gibt, sich vor Biowaffen zu schützen. Es würden beispielsweise Stoffe und Therapien entwickelt, die ähnlich wirken, wie ein Impfstoff. Er spannte einen breiten thematischen Bogen und erläuterte zu Beginn die Ursprünge dieser Form der Kriegsführung (z.B. verseuchtes Trinkwasser, Beschießung von Städten mit Pesttoten über Katapulte; Verteilung von mit Pockenviren verseuchten Wolldecken an indigene Völker währen der Eroberungszüge durch die Europäer z.B. in Nord- und Südamerika). Heute habe man es dagegen mit speziell entwickelten Kampfstoffen wie Gift (Anthrax, Botulinum-Toxin) und Bakterien/Viren (Pestbakterien, Pockenviren, Ebolavirus) zu tun. Ziel sei es dabei, Biokampfstoffe zu optimieren in Bezug auf Infektionswege, Vermehrung und Resistenz gegen Impfstoffe. In die Liste der vermeintlichen Kampfstoffe gehören Nellen zufolge auch ethnospezifische Kampfstoffe, die man eigentlich nicht als Waffe betrachtet, z.B. Milchzucker gegen Menschen mit Laktoseintoleranz, Kartoffelkäfer (zur Vernichtung von Ernten) und indirekte Biowaffen wie Herbizide und Entlaubungsmittel (z.B. Agent Orange). Im zweiten Teil ging es um aktuelle Forschungen von speziellen Instituten in den USA, in China und Russland. Nellen erläuterte, dass mit großer Wahrscheinlichkeit z.B. an gentechnischen Eingriffen in der Keimbahn oder in Körperzellen geforscht wird. Zum Abschluss erläuterte er noch gentechnische Eingriffe beim Menschen durch abschalten, regulieren, austauschen, einsetzen. Sein Fazit: es sei denkbar, bestimmte Personen gentechnisch permanent mit schützenden Genen auszustatten. Dazu zähle er z.B. Astronauten, Piloten, Rettungspersonal bei radioaktiven Unfällen. Weitere Forschungen würden sich mit Erweiterungen des Seh-Spektrums (infrarote Strahlung) befassen mit dem Ziel, z.B. Blindheit zu heilen. Weitere Forschungen befassen sich mit der Reduzierung des Schlafbedarfs („weniger verschwendete Zeit“) und mit dem Thema Schmerzfreiheit.

Kampfhubschrauber im Fokus

Nach dem Mittagessen gab es einen spannenden und sehr informativen Vortrag zum Kampfhubschrauberregiment 36 (Fritzlar), das den Namenszusatz „Kurhessen“ trägt. Nach Angaben von Kommandeur Oberst Sönke Schmuck (seit 2019) habe das Kampfhubschrauberregiment den Auftrag, alle am Gefecht beteiligten Streitkräfte und Spezialisierten Kräfte im Verbund, national und multinational, aus der Luft im Kampf zu unterstützen. Das Hauptwaffensystem des Regiments ist der Kampfhubschrauber Tiger. Er bekämpft feindliche Luft- und Bodenziele, auch bei Dunkelheit und schlechter Witterung. Der Kampfhubschrauber Tiger kann mit Luftabwehrraketen, Panzerabwehrflugkörpern, ungelenkten Raketen und schweren Maschinengewehren ausgestattet werden. Darüber hinaus ist das Regiment befähigt, Verbindungs- und Erkundungsflüge durchzuführen, Informationen zu sammeln und Rettungsoperationen zu unterstützen. Gleiches gilt für Operationen zur Katastrophenhilfe und für humanitäre Einsätze im nationalen Bereich. In seinem Vortrag ging der Regimentskommandeur auf die besonderen Anforderungen beim Thema Wartung ein. So entfallen auf eine Stunde Fliegen 78 Stunden Wartungsarbeiten. Dies erfordere spezielle Fertigkeiten. So brauche ein Wartungssoldat fünf Jahre, bis er eine Wartung durchführen kann. Beim Thema Personal und personelle Ausstattung wies Schmuck darauf hin, dass es zurzeit einen großen Personal- und Nachwuchsbedarf gebe, z.B. würden 20 Prozent Piloten fehlen. Des Weiteren betonte er die enge Verbundenheit des Regiments mit der Region und der örtlichen Bevölkerung. Besonders interessiert verfolgten die Zuhörer die Schilderungen zur Einsatzpraxis der Kampfhubschrauber, z.B. bei der NATO-Übung „Wettiner Heide“ auf dem Truppenübungsplatz Munster. Hier ging es, so Schmuck, bei den beiden Parteien „rot“ und „blau“ um das Zusammenwirken u.a. von Artillerie, Panzern, Panzergrenadieren, Pionieren und Heeresfligeren. Es war die erste große Heeresübung seit langem, bei der bis zu 7.500 Solddaten im Einsatz waren. Die Übung habe gezeigt, welche Defizite es gibt und welche Aufgaben an die Hubschrauber gestellt werden.

Wettiner Heide 2022

Den Abschluss bildete eine Vortrag von Heinrich Wüst, StFW d.R.. Er stellte die Panzergrenadierbrigade 37 aus dem sächsischen Frankenberg im Kontext der NATO-Großübung Wettiner Heide im Mai 2022 vor. Sie umfasst acht Bataillone mit mehr als 5.500 Soldaten und  wird 2023 Teil der Schnellen Eingreiftruppe der NATO, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF). Mit ihr kann die NATO noch schneller und flexibler auf sicherheitspolitische Entwicklungen reagieren. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung. Mit verschiedenen Übungen bereitet sich die Brigade auf ihren NATO-Auftrag vor und legt damit wichtige Grundlagen, um bald als digital vernetzter multinationaler Gefechtsverband einsatzbereit zu sein. Eine dieser Übungen, über die Heinrich Wüst berichtete, war die Übung „Wettiner Heide“ der NATO Response Force (NRF). Dabei übten Verbände aus neun NATO-Ländern mit rund 7.500 Soldaten für zwei Wochen im Raum Bergen/Munster. Hier fand ein weiterer Teil der Zertifizierung für die Very High Readiness Joint Task Force 2023 statt. Der Vortrag umfasste die umfangreiche Recherche zum Thema und er erläuterte anschaulich den Übungsverlauf u.a. anhand zahlreicher Fotografien der eingesetzten Militärtechnik und der Fahrzeuge. Trotz sommerlichen Wetters wahren zahlreichte Teilnehmer gekommen und haben die gut verpackten und vorgetragenen Informationen interessiert verfolgt.

 

 

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