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Vor 100 Jahren: 250.000 Reservisten befreien Ostpreußen




Vom 7. bis 22. Februar 1915 tobte die Winterschlacht in Masuren. Dort hatte Generaloberst Paul von Hindenburg in der Schlacht bei Tannenberg Ende August 1914 der russischen Armee eine vernichtende Niederlage zugefügt. Es war aber nicht gelungen, ganz Ostpreußen zurückzuerobern. Vielmehr plante der Befehlshaber der Nordwest-Front, General Nikolai Wladimirowitsch Russki, mit seiner 10. und der im Raum Ostrolenko neu aufgestellten 12. Armee eine Offensive Richtung Westen.

Hindenburg war auf diese Offensive vorbereitet: Im Januar 1915 war im nordöstlichen Ostpreußen die 10. Armee (Hauptquartier in Insterburg) unter Hermann von Eichhorn neu aufgestellt worden. Ihr schloss sich nach Süden die 8. Armee (Hauptquartier in Sensburg) unter General Otto von Below an. Der Operationsplan des Oberbefehlshabers Ost sah zwei deutschen Angriffsspitzen gegen die russische 10. Armee in einer Umfassungsschlacht vor. Sie wurde fast ausschließlich von Reserveverbänden getragen: Eichhorns 10. Armee hatte als linken Flügel das XXI. Armee-Korps, im Zentrum das XXXIX. Reserve-Korps und als rechten Flügel das XXXVIII. Reserve-Korps. Der südlicher aufmarschierenden 8. Armee unterstanden auf dem linken Flügel die 10. Landwehr-Division, die 3. Reserve-Division und die 1. Landwehr-Division, im Zentrum das I. Armee-Korps und rechts das XXXX. Reserve-Korps.

Zangenangriff von Nord und Süd
Am 7. Februar eröffnete Hindenburg das Gefecht mit dem simultanen Angriff der beiden deutschen Stoßkeile: Die deutsche 10. Armee stieß am nördlichen Ende der russischen Linie vor, während die von Otto von Below geführte 8. Armee dasselbe Manöver im Süden durchführte. Bereits zwei Tage später konnte Eichhorns 10. Armee einen Durchbruch an der rechten Flanke der russischen Stellungen erzielen.

von Sievers‘ Fehleinschätzung
Einer der Gründe für die Niederlage und spätere Vernichtung der 10. Armee war die Fehleinschätzung ihres Kommandeurs, General Thadeus Baron von Sievers, der nicht mit einer umfassenden Offensive gerechnet hatte. Er interpretierte den Angriff der 10. Armee im Norden als einen Angriff auf die Garnisonsstadt Kowno, den Angriff der 8. Armee als auf die Festung Osowiec gerichtet und verzichtete auf die Gegenoffensive. Als von Sievers den Fehler erkannte, war es zu spät: Die Rückzugswege waren großenteils blockiert, zwei russische Korps konnten sich nur noch in Panik absetzen, das XX. Korps unter General Pawel Bulgakow wurde am 18.Februar bei Augustów vollständig eingeschlossen und kapitulierte mit 12.000 Mann.

10. russische Armee völlig vernichtet
"Die Verfolgung nach der Winterschlacht in Masuren ist beendet. Die Gesamtbeute steigt auf sieben Generale, über 100 000 Mann, über 150 Geschütze und noch nicht annähernd übersehbares Gerät aller Art. Die zehnte russische Armee kann als völlig vernichtet angesehen werden", schreibt das Bulletin der Obersten Heeresleitung am 22. Februar 1915. Hindenburg hatte gesiegt: Die letzten russischen Truppen waren aus deutschem Gebiet vertrieben, die russische 10. Armee nur mühsam der völligen Einkesselung entgangen und die Front etwa 150 Kilometer weit nach Osten verschoben.
 

Wilhelm R. Schreieck

Bild oben:
Verlauf der Winterschlacht in Masuren
vom 7. bis 22. Februar 1915. (Grafik: Wilhelm R. Schreieck)

Bild unten:
Otto von Below, Oberbefehlshaber 8. Armee.
(Foto: Paul Tellgmann, gemeinfrei)

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