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Gesellschaft

Warum die Wirtschaft umdenken muss

Das Coronavirus macht der deutschen Wirtschaft zunehmend zu schaffen. Mit jedem Tag, an dem das öffentliche Leben nahezu komplett stillsteht, lässt sich das epochale Ausmaß der Konsequenzen erahnen. Die Krise trifft nicht nur das Gesundheitswesen und die Gesellschaft in Deutschland hart. Sie richtet einen verheerenden wirtschaftlichen Schaden an. Bundesweit haben bis Ende März rund 470.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, berichtet die Tagesschau. 10,1 Millionen Menschen waren von den Maßnahmen betroffen. Bei den hessischen Arbeitsagenturen sind nach Angaben des Hessischen Rundfunks 32.000 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen.

Tilman Engel, hier im Einsatz, nutzt sein Netzwerk für die Bundeswehr.

Foto: privat

In welchem Zustand die Wirtschaft, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen aus der Krise hervorgehen, ist schwer zu sagen. Fest steht, es herrschen Existenzängste. Schon jetzt zeichnet sich ab, nach der Krise wird nichts mehr so sein, wie es vorher war. Können sich Unternehmen auf eine außergewöhnliche Situation wie in diesen Tagen vorbereiten? Können Sie einen nachhaltigen Beitrag zur gesellschaftlichen Sicherheitsvorsorge in diesem Land leisten, von dem sie letztendlich mitprofitieren können? Ja, meint Tilman Engel. Er ist überzeugt davon, dass ein Umdenken notwendig ist. Unternehmen sollten aus seiner Sicht in Zukunft auch in ihrem eigenen Interesse mehr an die gesellschaftliche Sicherheitsvorsorge denken und überlegen, wie sie dazu beitragen können.

Tilman Engel ist Unternehmensberater. Er war Geschäftsführer des American-Football-Profiklubs Frankfurt Galaxy und Direktor Zuschauer und Marketing der Qatar Stars League. In dieser Funktion strukturierte er die Profifußball-Liga in dem arabischen Land unter den Gesichtspunkten Strategie, Marketing, Organisation, Personal  und Kommunikation neu. Durch seinen ständigen Kontakt zu Sponsoring- und Kommunikationspartnern, ist der Sportbusiness-Experte nicht nur in Katar, sondern auch in der hessischen Wirtschaft sehr gut vernetzt. Nun verhilft Tilman Engel mit seiner Agentur Firmen zum Marktzugang in Doha. Er entwickelt Marketing- und Kommunikationsstrategien für Unternehmen, die in Katar Geschäfte machen wollen. Das arabische Land ist nicht zuletzt aufgrund der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 ein interessanter Markt für hessische Konzerne wie das Bauunternehmen Hochtief und die Deutsche Bank.

Netzwerk für die Bundeswehr

Tilman Engel bringt nun sein Netzwerk für seine Arbeit im Auftrag der Bundeswehr ein. Der Oberstleutnant d.R. engagiert sich seit zehn Jahren im Bereich Civil-Military-Cooperation (Zivil-Militärische Zusammenarbeit, CIMIC). Im vergangenen Jahr war er als Seniorberater (Chief CIMIC) zum zweiten Mal in Afghanistan im Einsatz. Dabei beriet er im Norden des Landes die afghanischen Streitkräfte während der Präsidentschaftswahlen über die Zivil-Militärische Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Polizei und Armee. Nun unterstützt Tilman Engel im Landeskommando das Pilotprojekt „Kooperation Bundeswehr mit Wirtschaft und Arbeitgebern“, das Oberstleutnant Alexander Sauer leitet.

Das Landeskommando Hessen informierte im Februar während einer öffentlichen Veranstaltung im Frankfurt Airport Club über das Pilotprojekt. 100 Vertreter der Wirtschaft, Bundeswehr und Handelskammern kamen und sprachen gemeinsam darüber, wie verloren gegangene Kontakte zwischen der Wirtschaft und den Streitkräften wiederhergestellt, neue Kontakte geknüpft und qualifizierte Männer und Frauen für den Dienst in der Reserve gewonnen werden können – wir berichteten. Wie wichtig die Reserve für die Bundeswehr und die Gesellschaft ist, zeigt sich in der Coronavirus-Krise.

Frühzeitige Freistellung von Reservisten

„Der wirtschaftliche Stillstand führt eklatant vor Augen, wie notwendig es ist, dass in Unternehmen frühzeitig über die Freistellung von Reservisten für einen Dienst in der Bundeswehr nachgedacht wird“, sagt Tilman Engel. Das betreffe nicht nur die Bundeswehr. Auch die Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk und die Freiwilligen Feuerwehren sind darauf angewiesen, dass Personal, das aus der Privatwirtschaft kommt, für Hilfeleistungen und freiwilligen Einsatz freigestellt wird. Dazu gehört, dass ein Unternehmen, Reservisten, Feuerwehrleute und im Rettungsdienst engagierte Freiwillige Zeit für Ausbildungen und Übungen einräumt. „Noch ist die Lage in der Coronavirus-Krise stabil. Aber was passiert, wenn es doch noch zu einem umfassenden Einsatz der Bundeswehr im Inneren kommt, wenn die politischen Entscheidungsträger zu dieser Entscheidung kommen? Wenn dann die Bundeswehr einspringt, erhöht sich auch die Ansteckungsgefahr für die eingesetzten Soldaten. Wer füllt dann diese Plätze wieder auf? Reservisten müssen in der Lage sein, diesen Ersatz dann auch leisten zu können“, argumentiert Tilman Engel. Es nützte dann nichts, wenn sich Reservisten melden, aber diese Personen erst noch ausgebildet oder auf den neuesten Stand der Ausbildung gebracht werden müssen, weil sie seit zehn bis zwanzig Jahren nicht mehr in der Truppe waren, gibt der Oberstleutnant d.R. zu bedenken. Es sei daher notwendig, Arbeitgeber darauf hinzuweisen, wie wertvoll und wichtig Freistellungen nicht nur für die Gesellschaft allgemein, sondern auch für den eigenen Betrieb sein können.

Beispiel: Freiwillige Feuerwehr

In ländlichen Regionen habe jeder kleine Betrieb verstanden, dass es von Vorteil ist, wenn der eine oder andere Mitarbeiter regelmäßig für Übungen und Einsätze der Feuerwehr freigestellt werde. Denn das Wissen über Brandschutz und Erste Hilfe können die Feuerwehrleute in ihrem eigenen Unternehmen weitergeben. So profitiert auch der Arbeitgeber. Dieses Mindset sei im überregionalen Bereich in der Privatwirtschaft und gerade bei den großen Dienstleistungsunternehmen aller Branchen immer mehr verloren gegangen und müsse nun wieder vermittelt und verstanden werden, meint Tilman Engel. „Es ist in einer Krisenlage wie mit dem Coronavirus von Vorteil, Leute im Unternehmen zu haben, die sich mit den Sicherheitsstrukturen im Land oder Themen wie zum Beispiel Infektionsschutz und Hygiene auskennen“, sagt Engel.

Er sieht in der Coronavirus-Krise eine Chance, Arbeitgebern die Vorteile von einer engeren Kooperation mit der Bundeswehr zu vermitteln. Zwar haben die meisten Firmen derzeit andere Sorgen, weil es in der Krise um ihre Existenz gehe. Dennoch sei das Interesse an dem Thema Reservistendienst und engere Zusammenarbeit mit der Bundeswehr grundsätzlich vorhanden, berichtet Tilman Engel. Unter Leitung des Abteilungsleiters im Landekommando Hessen, Oberstleutnant Alexander Sauer arbeitet das Pilotprojekt aktuell an  Kommunikationskonzepten dazu. Wie erreicht das Landeskommando Hessen die Masse an nicht beorderten Reservistinnen und Reservisten im wehrfähigen Alter im Land? Welche Bedürfnisse haben kleine, mittelständische und große (Aktien-) Unternehmen? Wie spricht man bei ihnen das Thema Reservistendienst an? Welche Argumente funktionieren bei kleinen und welche eher bei größeren Unternehmen?

Auch gesellschaftliche Verantwortung ein Thema

Das sind Fragen, mit denen sich das Pilotprojekt im Landekommando Hessen umfassend beschäftigt. So gibt es zum Beispiel Arbeitgeber, die auf Saisonkräfte setzen, weil es zu Urlaubszeiten mehr zu tun gibt als sonst. Für solche Betriebe wären Freistellungen für eine Reservistendienstleistung interessant, um Mitarbeiter zeitweise von der Gehaltsliste zu bekommen. Andere Unternehmen wiederum könnten von den Ausbildungsinhalten profitieren, wenn sie einen Mitarbeiter zu einem Reservisten-Lehrgang schicken. Bei größeren berichtspflichtigen (Aktien)unternehmen könnte das Thema gesellschaftliche Verantwortung eine Rolle spielen, argumentiert Engel. Freistellungen für einen Reservistendienst ließen sich in dieser Hinsicht ein Teil des gesellschaftlichen Engagements eines Unternehmens kommunizieren. Das erfordert aber entsprechende Entscheidungen auf der Leitungsebene von Unternehmen.

Eine Kernfunktion dabei soll den Kreisverbindungskommandos in Hessen zukommen. Aufgrund der räumlichen Nähe und der jahrelang gewachsenen Verbindungen, sollen den Kontakt zu den Unternehmen, zu den Landräten und Wirtschaftsvereinigungen in ihren Landkreis suchen und über die Möglichkeiten eines gemeinsam vereinbarten Reservistendienstes informieren. Eine Debatte über den Wert von Freistellungen für freiwilliges ehrenamtliches Engagement in der Fläche unterstützt auch der Reservistenverband.

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