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Was motiviert Reservistinnen und Reservisten?

Nur ein Viertel der Soldaten auf Zeit (SaZ) haben nach dem Ende ihrer Dienstzeit die Absicht, Reservistendienst zu leisten und sich zu Übungen heranziehen zu lassen. Und nur ein Fünftel der Reserve setzt dies auch regelmäßig in langen Übungen um. Das sind Erkenntnisse aus der Studie „Die aktive Reserve – was motiviert Reservistinnen und Reservisten?“ des Psychologischen Dienstes der Bundeswehr im Streitkräfteamt.

Symbolbild: Angetretene Reservisten bei der Indienststellung des Landesregiments Bayern in Roth.

Foto: Nadja Klöpping

Die vom Psychologischen Dienst durchgeführte Studie macht deutlich, dass neben individuellen Erfahrungen während der Dienstzeit vor allem das Verbundenheitsgefühl mit der Bundeswehr als Arbeitgeber ausschlaggebend dafür ist, dass 1) SaZ die Absicht entwickeln, nach Dienstende Reservistendienst zu leisten und 2) Reservistinnen und Reservisten motiviert sind, sich oft und lange zu Übungen heranziehen zu lassen. Damit steht ein Aspekt im Vordergrund, der abseits von materiellen Vorteilen auch emotionale Komponenten betrifft, die die Bundeswehr über das Dienstzeitende hinaus attraktiv gestalten.

Um einen Einblick zu erhalten, was SaZ motiviert, nach dem Ende ihrer Dienstzeit Reservistendienst zu leisten bzw. was Reservistinnen und Reservisten motiviert, sich regelmäßig zu langen Übungen heranziehen zu lassen, hat der Psychologische Dienst der Bundeswehr im Streitkräfteamt 1364 SaZ sowie 871 Reservistinnen und Reservisten befragt. Die Psychologen benutzten dazu zwei Fragebögen – einen für SaZ und einen für Reservistinnen und Reservisten. Die befragten SaZ waren mehrheitlich männlich (84 Prozent) und im Alter von 26 bis 35 Jahren. Die Hälfte der befragten SaZ war dem Studienergebnis zufolge noch unentschieden, ob sie sich zu Übungen heranziehen lassen sollte. 25 Prozent der befragten SaZ hatten schon vor dem Dienstzeitende die Absicht, eine Übung durchzuführen. Weitere 25 Prozent der befragten Soldaten auf Zeit waren ohne Übungsabsicht.

Positive Erlebnisse werden in die Familie getragen

Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass SaZ mit Übungsabsicht die zurückliegende Dienstzeit positiv bewerteten und von einem positiven Bild der Bundeswehr berichteten, auch innerhalb der eigenen Familie. „SaZ mit Übungsabsicht verbanden den Dienst als Reservistin beziehungsweise Reservist mit einer hohen persönlichen Befriedigung und fordernden Arbeitsinhalten. Zusätzlich schätzten diese Soldaten auf Zeit die Kameradschaft, die sie während der Übungen erwarteten und die Möglichkeiten der persönlichen Weiterbildung. SaZ mit Übungsabsicht besaßen weiterhin eine erhöhte Verbundenheit mit der Bundeswehr als Arbeitgeber und dem Beruf der Soldatin bzw. des Soldaten. Das bedeutet, dass SaZ mit Übungsabsicht danach strebten, in der Bundeswehr zu verbleiben, sich der Bundeswehr zugehörig fühlten und eine Übereinstimmung zwischen persönlichen Wertvorstellungen und denen der Bundeswehr wahrnahmen“, heißt es in der Studie.

SaZ ohne Übungsabsicht gingen dagegen von einer geringen Anerkennung der Dienstleistungen als Reservistin oder als Reservist durch Familie und Freunde aus. Diese SaZ befürchteten ferner Konflikte mit privaten Hobbies und geringes soziales Ansehen als Folge der Übungstätigkeiten. SaZ ohne Übungsabsicht berichteten zudem, dass sich ihr Bild von der Bundeswehr im Laufe der Dienstzeit deutlich verschlechtert hätte. Als Gründe nannten sie in diesem Zusammenhang vor allem Personalprobleme (zum Beispiel mangelnde Qualität der Nachwuchsgewinnung, Personalmangel, Abschaffung der Wehrpflicht) und schlechte Erfahrungen mit Führungspersonen (zum Beispiel Egoismus der Vorgesetzten, undurchschaubarer/unmoderner Führungsstil, unrealistische Versprechen).

SaZ, die noch unsicher hinsichtlich eines aktiven Reservistendienstes waren, hatten insgesamt weniger Lehrgänge, Verwendungen und Einsätze durchlaufen. Zentral für diese Gruppe war jedoch, dass das Dienstzeitende weiter entfernt war als in den Gruppen mit und ohne Übungsabsicht.

Starkes Gefühl der Verbundenheit

Die befragten Reservistinnen und Reservisten waren ehemalige SaZ, mehrheitlich männlich (93 Prozent) und im Alter von 31 bis 40 Jahren. Etwa 18 Prozent der Befragten wiesen ein hohes Engagement auf (d.h. sie nahmen mindestens einmal jährlich an mehr als 18 Tagen an Übungen teil) und 28 Prozent waren eher passiv (d.h. hatten noch nie geübt). Die restlichen Befragten fielen in andere Gruppen, die nicht zur Beantwortung der vorliegenden Fragestellung dienten. Reservistinnen und Reservisten mit hohem Engagement zeigten ein besonders starkes Gefühl der Verbundenheit zur Bundeswehr als Arbeitgeber, heißt es in der Studie. Diese Reservistinnen und Reservisten hatten ihren aktiven Dienst eher mit einem Offiziersdienstgrad beendet, sie konnten demnach auf eine längere Verwendungszeit (mehr als acht Jahre) zurückblicken und hatten höhere finanzielle Erwartungen an den Reservistendienst. Die Gruppe der passiven Reservistinnen und Reservisten zeichnete sich in der Auswertung durch bestimmte zivilberufliche Merkmale aus. Eine Anstellung in der freien Wirtschaft, ein Abschluss an einer Fachhochschule und eine Berufsausbildung im technischen Bereich fiel in dieser Gruppe häufiger auf.

Aktive Reservistendienstleistende sind unverzichtbar für die Bundeswehr, denn durch sie kann die Bundeswehr den zunehmenden Bedarf an notwendiger Unterstützung decken. Dieser entsteht z.B. durch zeitweilige Abwesenheit regulärer Dienstposteninhaber oder durch zusätzliche Projekte. Die Gründe für kurzzeitige oder längerfristige Abwesenheiten der regulären Dienstposteninhaber sind dabei vielfältig. Einige befinden sich in Einsätzen im Ausland, andere müssen sich familiären Verpflichtungen wie etwa die Erziehung eines Kindes oder der Pflege von Angehörigen widmen. Die Heranziehung von Reservistinnen und Reservisten geschieht auf freiwilliger Basis und fast ausschließlich in Verbindung mit einer Beorderung.

Emotionale Bindung ist Schlüssel zum Reservistendienst

Doch wie kann das freiwillige Engagement von Reservistinnen und Reservisten erreicht werden? Was ermöglicht es, dass Reservistinnen und Reservisten trotz des Spannungsfeldes zwischen Arbeitnehmersein und Reservistendienst möglichst oft und möglichst lange Übungen ableisten wollen?  Die Studie des Psychologischen Dienstes kommt zu dem Schluss, dass die Verbundenheit zur Bundeswehr der Schlüssel für einen aktiven Reservistendienst ist. „Menschen, denen die Bundeswehr neben einer reinen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung auch ein emotionales Zuhause bietet, binden sich an die Bundeswehr – auch außerhalb eines festes Anstellungsverhältnisses. Erhalten SaZ die Möglichkeit, sich positiv mit der Bundeswehr zu identifizieren und eigene Grundwerte wiederzufinden, fühlen sie sich gut aufgehoben und kommen gern als aktive Reservistinnen und Reservisten zurück“, heißt es in der Studie. Der wesentliche Ansatz besteht daher in der Schaffung von Rahmenbedingungen, die für die Entwicklung eines positiven Verbundenheitsgefühls förderlich sind, wie positive Erfahrungen während der Dienstzeit. Dazu gehören zum Beispiel vielseitige Arbeitsaufgaben, Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, gute räumliche und technische Ausstattungen, ein positives Betriebsklima und die Möglichkeit, selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Arbeitsplatzsicherheit und die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten identifizieren die Forscher als weitere zentrale Rahmenbedingungen. Wichtig sei zudem, dass die eigenen Beiträge von den Kameradinnen und Kameraden sowie Vorgesetzten positiv wertgeschätzt werden und in der Organisation Gerechtigkeit herrscht.

Neben diesen Merkmalen des Dienstes und der Organisation zeigen internationale Forschungsergebnisse auf, dass vor allem Aspekte der Führung entscheidend für das Verbundenheitsgefühl sind. Für große Organisationen wie die Bundeswehr ist es daher wichtig, erfolgreiche Führungsstile in ihre Strukturen einzuführen. Mit der Inneren Führung verfügt die Bundeswehr in diesem Kontext über ein konstitutives Wertesystem, welches bereits seit 1953 die Grundlage des Selbst- und Führungsverständnisses unserer Streitkräfte bestimmt. Dabei lassen sich alle im Rahmen der Fachliteratur als effektiv und positiv beschriebenen Elemente in der Inneren Führung wiederfinden. Zur Stärkung der Verbundenheit gilt es nun zusätzlich zur Gestaltung des alltäglichen Dienstes entlang oben beschriebener Einflüsse die seit langem geforderten Werte und Verhaltensnormen der Inneren Führung erneut hervorzuheben und innerhalb der Truppe Realität werden zu lassen. Die Bundeswehr wird damit für ehemalige SaZ nicht irgendein Arbeitgeber, sondern ein Zuhause, in das sie gerne zurückkehren.

Über die Studie

Die Studie erfasste zunächst generelle Merkmale der Personen, zum Beispiel Alter, Dienstgrad, Verpflichtungsdauer, Gehalt und Ausbildung. Ferner wurden bestimmte Erfahrungen während der aktiven Dienstzeit erfragt, zum Beispiel Erfahrungen mit zurückliegenden Auslandseinsätzen, die Beurteilung der Vorgesetzten, die wahrgenommene Kameradschaft oder das Erleben dienstlich veranlasster persönlicher Veränderungen wie Umzüge.

Die Umfrageteilnehmer sollten zudem ihre Erwartungen an den Reservistendienst angeben. Dabei konnten sie wahrgenommene Konflikte mit der Familie oder dem Arbeitgeber, den finanziellen Verdienst und auch das soziale Prestige auf einer Skala von gering bis hoch einschätzen.

Die Studie erfasste ferner a) die Verbundenheit mit der Bundeswehr und b) die Verbundenheit zum Beruf. Mit der Verbundenheit zur Bundeswehr wurden positive Gefühle der Identifikation, Zuneigung und Mitwirkung in der Bundeswehr („Wünschen & Wollen“) erfragt. Bundeswehrangehörige mit einer hohen Verbundenheit zur Bundeswehr möchten auch in Zukunft in der Bundeswehr verbleiben, sind stolz auf die Bundeswehr und fühlen sich der Bundeswehr und ihren Werten zugehörig. Bei der Verbundenheit zum Beruf des Soldaten wurde erfragt, wie hoch die Identifikation mit dem Beruf des Soldaten ist. Bundeswehrangehörige, die sich mit dem Soldatenberuf identifizieren, haben Spaß an der Arbeit und sind stolz auf ihre Tätigkeit.

Der Fragebogen für die SaZ enthielt zusätzlich eine Frage, die speziell auf die Übungsabsicht ausgerichtet war. Der Fragebogen für Reservistinnen und Reservisten erfasste die Häufigkeit und Dauer der Übungen.

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