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Das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) in Geilenkirchen greift immer wieder auf ehemalige Aktive zurück. Nur sie bringen das Fachwissen mit, das in der Abrüstungskontrolle benötigt wird. Doch auch hier fehlen Spezialisten. Reservisten werden dringend gebraucht. Leider macht der Arzt nicht immer mit.

"Unsere Leute sind Diplomaten in Uniform! Diese Aussage mag mir das Auswärtige Amt nachsehen. Denn Vertrauen zu bilden und Transparenz aufzuzeigen, ist ein wichtiger diplomatischer Aspekt unserer Arbeit", sagt Oberst i.G. Axel Schneider. Der Abteilungsleiter für zentrale Rüstungskontrollaufgaben, Konzeption, Lehre und Ausbildung ist beim ZVBw auch zuständig für die Reservistenarbeit. In den meisten anderen Dienststellen der Bundeswehr ist das die vornehme Aufgabe des Stellvertreters des Kommandeurs. Wertschätzt das Zentrum also seine Reservisten weniger, weil nicht der zweithöchste Mann für die Reservisten zuständig ist? "Ganz das Gegenteil ist der Fall", so Schneider. "Wir sind eine Querschnittsabteilung. Bei uns werden die Reservisten eingesetzt. Wir wissen genau, welchen Mann oder welche Frau wir auf welchem Platz benötigen. Ich kann das direkt entscheiden. Das verkürzt die Abläufe enorm", sagt der Stabsoffizier, der selbst über umfangreiche UN-Erfahrungen verfügt.

Für ihn ist sein Zentrum etwas Besonderes. Deshalb hebt er hervor, dass seine Leute in 57 OSZE-Staaten – das sind die Länder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – und sogar global eingesetzt werden. "Wir beraten Länder in Afrika und Zentralasien, wie Verifikation funktioniert." Und der Job ist nicht ungefährlich. Ostern 2014 wurden in der Ukraine 13 Militärbeobachter unter UN-Mandat entführt. Darunter drei deutsche Offiziere und ein Dolmetscher. Leiter der Mission war im April 2014 Axel Schneider. Darüber will er nicht sprechen. Jetzt sind seine Reservisten das Thema. Doch dies sagt er dann doch: "Niemand geht mehr in einen Beobachtereinsatz, der nicht zuvor eine entsprechende Vorausbildung durchlaufen hat, so wie bei allen anderen Auslandseinsätzen der Bundeswehr auch."

Karriere als Reservist abgeschlossen
Einer seiner Reservisten, über die Schneider gerne spricht, ist Oberstabsfeldwebel der Reserve Hans-Joachim Peters.
Seit 2009 ist er pensionierter Stabsfeldwebel a.D. Aufgrund seiner Reservedienstleistungen konnte er in den Spitzendienstgrad der Unteroffiziere befördert werden. Insgesamt 128 Tage wird der 60 Jahre alte Reservist in diesem Jahr sein Dezernat Einsatz unterstützen. Er sitzt dort an einem Computer und schaut sich auf dem Bildschirm Militärfahrzeuge an. "Dazu ist es wichtig, dass ich russisch lesen kann, außerdem muss ich den KSE-Vertrag – das Abkommen über konventionelle Streitkräfte in Europa – im Detail beherrschen." Allein das Grundwerk hat 136 Seiten. Darin ist unter anderem geregelt, dass jeder KSE-Staat ein Buch herausgibt, in dem steht, wieviel Material und Personal sich an welchem Ort befindet. Peters erstellt Änderungen, die ans Auswärtige Amt gehen und von dort an alle KSE-Staaten.
Und dann kommt Peters auch wieder ins Spiel: "Alle KSE-Staaten können binnen 48 Stunden eine Delegation zu uns entsenden. Die ausländischen Militärbeobachter führe ich dann überall dorthin, wohin sie möchten und soweit es der KSE-Vertrag vorsieht." Ihm gefällt sein Dienst. "Die Dienststelle ist interessant, meine Arbeit auch und vor allem kann ich selbstständig arbeiten."

Bis zu zehn Monate im Jahr Reservist
Ein anderer Reservist in Geilenkirchen ist Ralf Sawitzki. Der 57 Jahre alte Hauptmann a.D. organisiert die Wanderausstellung des ZVBw. Außerdem hat er eine 68-seitige Broschüre zum 25-jährigen Bestehen der Dienststelle erstellt. Seine Ehefrau ist noch zehn Jahre berufstätig, arbeitet als Angestellte ebenfalls im Zentrum an der Rue de Quimperlè 100 in Geilenkirchen. Aufgrund neuer Bestimmungen können Reservisten bis zu zehn Monate im Jahr dienen. Das schöpft Sawitzki aus. "Meine Motivation ist dabei weder Geld noch Aussicht auf einen höheren Dienstgrad. Hier geht es sehr kameradschaftlich zu, alle sind freundlich. Deshalb komme ich gerne, wenn ich gefragt werde", so der Offizier, der für das ZVBw die meisten Hauptstädte der KSE-Vertragsstaaten besucht hat.

Reservisten werden gebraucht
Bei so viel Abwechslung im Dienst fällt es dem Personaloffizier Roman Wolf nicht sonderlich schwer, Reservisten zu motivieren, sich beim Zentrum in Geilenkirchen einplanen zu lassen. "Doch wir suchen Spezialisten und die sind rar. Deshalb: Wer gesund ist, slawische Sprachen – vorzugsweise Russisch – oder Französisch wegen der Einsätze in Afrika spricht, ist bei uns willkommen. Auch Seiteneinsteiger sind gefragt, wenn sie zum Beispiel Chemie, Physik oder Völkerrecht studiert haben."

Politisch wichtiger Auftrag, doch Sanität ist eine Hürde
Interessenten können sich direkt bei Wolf melden: romanwolf@bundeswehr.org. Oberst Schneider sagt: "Wir haben genügend Reservistendienstleistungstage zur Verfügung, denn unser Auftrag ist politisch wichtig. Auf eine Schwierigkeit weist jedoch der Chef des Stabes, Oberst i.G. Reinhard Jörß, hin: "Die Sanität ist für unsere Reservisten eine hohe Hürde. In den vergangenen Monaten wurden zirka 50 Prozent der Reservisten rigoros ausgemustert. Das verstehen wir nicht, denn unsere Leute arbeiten meist am Schreibtisch."
Noch beim diesjährigen Parlamentarischen Abend des Reservistenverbandes am 10. Mai in Berlin sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: "Wir müssen die Reservisten, die für uns unverzichtbar und wertvoll sind, punktgenauer einsetzen. Wir werden auch einfachere Gesundheitschecks einführen. Ein Reservist, der in einem Rechenzentrum sitzt, muss keinen Marathon laufen können." Die gelebte Praxis erlebt nicht nur das Zentrum in Geilenkirchen anders. Solche Erfahrungen machen alle Dienststellen der Bundeswehr. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn ansonsten können die nur 140 aktiven Soldaten unseres Zentrums ihren Auftrag nicht erfüllen. Wir brauchen die Reservisten!", so Jörß.


Detlef Struckhof

Bild oben: Das Kasernenschild des Zentrums für
Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in Geilenkirchen
(Foto: Detlef Struckhof).

2. Bild: Oberst i.G. Axel Schneider ist Reservistenbeauftragter
beim Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in
Geilenkirchen (Foto: Detlef Struckhof).

3. Bild: Oberstabsfeldwebel der Reserve Hans-Joachim Peters
an seinem Arbeitsplatz (Foto: Detlef Struckhof).

4. Bild: Hans-Joachim Peters steigt in einen der Busse des
ZVBw. Mit solchen Fahrzeugen fahren ausländische Militärbeobachter
durch Deutschland (Foto: Detlef Struckhof).

5. Bild: Hauptmann Roman Wolf (links) ist Personaloffizier in Geilenkirchen.
Er beschafft Reservisten für das Zentrum für Verifikationsaufgaben –
so wie Hauptmann a.D. Ralf Sawitzki (rechts) (Foto: Detlef Struckhof).

6. Bild: Oberst i.G. Reinhard Jörß ist der Chef des Stabes im
Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr
in Geilenkirchen (Foto: Detlef Struckhof).

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