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Wie Reservisten bedrohte afghanische Ortskräfte unterstützen




Jeden Tag beweisen zahlreiche Reservistinnen und Reservisten, dass sie sich mit ehrenamtlichem Einsatz für die Gesellschaft engagieren. Wie sehr die Reservisten in der Mitte der Gesellschaft stehen, zeigen auch die Reservistenkameradschaften (RK) Regensburg und Neumarkt. Dort haben die Kameraden jeweils eine afghanische Familie unterstützt. Nebenbei haben sie die Aussage eines Bundestagsabgeordneten widerlegt, der vor einigen Monaten behauptete: "In der Flüchtlingskrise hat sich der Verband aus meiner Sicht von der Mitte der Gesellschaft wegbewegt."

Er habe sich mit dem Vizepräsidenten des Reservistenverbandes für Betreuung und Fürsorge, Fabian Forster, über das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte unterhalten und Unterstützung zugesagt, berichtet Reinhard Knott, Vorsitzender der Kreisgruppe Oberpfalz Süd. Das Patenschaftsnetzwerk hilft ehemaligen afghanischen Ortskräften der Bundeswehr bei ihrem Start in Deutschland. Im Januar 2015 übernahmen die Regensburger Reservisten die Patenschaft über die Familie von Abdul Basir Nazari. Er arbeitete als Wachmann für die Bundeswehr in seinem Heimatland. Nazari war von 2008 bis 2013 als Ortskraft in Mazar-e-Sharif und in Kunduz tätig. Ein Jahr später durfte er mit seiner Familie nach Deutschland reisen. Er galt als gefährdet, weil er für die Bundeswehr gearbeitet hatte.

Hilfe für elfköpfige Familie
Zunächst wohnten Abdul Basir Nazari und seine Frau Alema mit ihren neun Kindern in Straubing. Unter den Kindern im Alter von einem bis 14 Jahre sind sechs gehörgeschädigt. Die Reservisten halfen der Großfamilie, in Regensburg eine Wohnung zu finden. "Das war schwierig. Der Wohnungsmarkt ist angespannt", sagt Reinhard Knott. Mithilfe der Familienwerkstatt Regensburg fanden die Reservisten eine Unterkunft. Sie halfen, die neue Wohnung einzurichten, besorgten Möbel und einen Computer. Darüber hinaus versuchten sie Deutsch-Kurse für die Familie zu vermitteln, ein zusätzliches Angebot zu den Sprachkursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Doch Anfang dieses Jahres halfen die Reservisten erneut bei der Suche nach einer Wohnung. Der Vermieter der vorherigen Unterkunft hatte Eigenbedarf angemeldet und der Familie gekündigt. Allerdings stehe die neue Wohnung derzeit leer, sagt Reinhard Knott, da die Afghanen aufgrund eines innerfamiliären Streites zurück nach Afghanistan gereist seien. Aus diesem Grund sei die Patenschaft erst einmal beendet.

Wohnung und Ausbildung vermittelt
Die Patenschaft zu einer afghanischen Familie mit zwei Kindern ist für Reservisten aus Neumarkt erfolgreicher verlaufen. Die Kameraden übernahmen vor gut drei Jahren die Patenschaft und kümmerten sich um die Afghanen. Sie richteten ihnen eine Wohnung mit gebrauchten Möbeln ein, inklusive Schlafzimmer und Kinderzimmer, sie besorgten eine Küchenarbeitsplatte und bauten diese ein. "Die Reservisten haben eigenhändig für die Küche gespendet", sagt Johann Geitner, Organisationsleiter der Kreisgruppe Oberpfalz West. Die Reservisten vermittelten dem Vater der afghanischen Familie eine Beschäftigung in einer Kfz-Werkstadt. Sein Einsatz kam offenbar beim Firmenchef gut an. Der Afghane bekam einen Lehrvertrag als Kraftfahrzeug-Mechatroniker mit Förderung der Agentur für Arbeit angeboten. "Wir haben ihn gut untergebracht", sagt Geitner.

Reservisten packen an
Im April 2017 wollte die afghanische Familie nach München umziehen. Mit dem Umzug endete auch die Patenschaft der Neumarkter Reservisten. Der Reservistenverband unterstützt auch weiterhin das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. "Reservisten sind ehrenamtliches Engagement durch ihre Tätigkeit als Reservist bereits gewohnt. Sie sind grundsätzlich der Truppe positiv zugeneigt, und schließen erfreulicherweise dabei immer wieder die Helfer in den Einsätzen mit ein. Es ist im Kreis der Reservisten eine höhere Anzahl an Unterstützern zu bemerken als in der zivilen Gesellschaft. Manche möchten vielleicht auch so ihren Teil zum Erfolg der Einsätze beitragen. Diese Unterstützung ist daher sehr wichtig", sagt Marcus Grotian, Vorsitzender des Patenschaftsnetzwerkes Afghanische Ortskräfte.


Benjamin Vorhölter

Bild oben: Marcus Grotian (l.),
erster Vorsitzender des Patenschaftsnetzwerkes
Afghanische Ortskräfte,
bei einer Veranstaltung im Jahr 2015.
(Foto: Archiv / Andelka Krizanovic)

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