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Wissenschaftliche Arbeit über das Landesregiment Bayern

Oberleutnant Grzegors Pawlicki hat seine Bachelorarbeit an der Universität der Bundeswehr in München Anfang 2021 über das Pilotprojekt Landesregiment Bayern geschrieben, während er selbst als aktiver Soldat dort eingesetzt war.

Ausbildung beim Landesregiment Bayern: Im Pilotprojekt wird bis Ende 2021 eine neue Führungsstruktur für die Territoriale Reserve erprobt.

Foto: Bundeswehr/Twardy

heimatschutzLandesregiment Bayern

Wer das Pilotprojekt „Landesregiment Bayern“ verstehen will, muss sich mit der Geschichte der Bundeswehr und der Rolle der Reserve im Lauf dieser Geschichte befassen. Denn die Geschichte der Reserve und des Heimatschutzes ist genauso alt wie die der Bundeswehr.

Das ist Haupfeldwebel Grzegors Pawlicki klar, als er im Sommer 2020 sein Projekt beginnt: die Bachelor Thesis „Heimatschutz am Beispiel der Aufstellung eines Landesregiments in Bayern“ über das Landesregiment Bayern. Die Studie an der Universität der Bundeswehr München ist aus mehreren Perspektiven beachtenswert. Denn Pawlicki ist zu der Zeit, als er die Arbeit beginnt, als aktiver Soldat hauptberuflich beim Landesregiment eingesetzt. Das Landesregiment ist eine Einheit der Reserve, einige Soldatinnen und Soldaten aus dem Stab kommen jedoch aus der aktiven Truppe. Hauptfeldwebel Pawlicki ist Materialbewirtschafter und leistet dabei Grundlagenarbeit für das Regiment. In seiner dienstfreien Zeit widmet er sich seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens.

Unterstützung des Studiums vom Landesregiment

„Es war immer mein Traum, Offizier zu werden“, erzählt Pawlicki. Eigentlich wollte er die Bundeswehr schon verlassen, entscheidet sich aber, Soldat zu bleiben – und Student. „Ich will meiner Familie und meinen Kindern ein Vorbild sein“, erklärt er, und erzählt, wie er als Sohn polnischer Einwanderer zunächst einen Hauptschulabschluss machte, sich zum Wirtschaftsfachwirt weiterbildete und dann auf die Universität ging. Drei Trimester lang ist der Familienvater zum Studium freigestellt. Für den Rest investiert er viel Freizeit und bekommt Unterstützung von Vorgesetzten und Kameraden aus dem Landesregiment und dem Landeskommando Bayern. Pawlicki sagt: „Das Thema meiner Arbeit zum Heimatschutz am Beispiel des Landesregimentes Bayern habe ich auch aus Dankbarkeit dafür gewählt, dass mein Kommandeur, Oberst Stefan Berger, mir das ermöglicht hat.“

Erprobung einer neuen Führungsstruktur

Der Dienst beim Landesregiment war auch für den erfahrenen Hauptfeldwebel keine Routine. Das Pilotprojekt von Bundeswehr und Reservistenverband erprobt eine neue Führungsstruktur für die Territoriale Reserve, es trägt aber ebenso dazu bei, den Regionalen Ausbildungsstützpunkt der Reserve am Standort Wildflecken aufzubauen. Für den Materialbewirtschafter und seine Kameraden bedeutete dies, am Standort neue Gebäude zu übernehmen und einzurichten. Jeder Stuhl, jedes Bett, jede Tasse mussten beschafft werden, die neuen Fahrzeuge brauchten eine Halle, eine neue Waffenkammer musste eingerichtet werden. Zugleich ist Grzegors Pawlicki dafür zuständig, dass die Reservisten aus fünf Kompanien des Landesregiments bei ihren Ausbildungen Munition oder Nachtsichtgeräte haben, die Spieße Büromaterial und die Ausbilder Sanitätsmaterial.

Geschichte des Heimatschutzes

Nach Dienst warten die unterschiedlichen Quellen zur Militärgeschichte auf Hauptfeldwebel Pawlicki. Wie war der Heimatschutz im Lauf der Geschichte in die verschiedenen Heeresstrukturen eingebunden? Wie spielten diese Strukturen mit dem Auftrag Heimatschutz und der Personalstärke der Reserve zusammen? Das beste Verhältnis der Faktoren stellte Pawlicki im Rahmen seiner Studie in der sogenannten „Heeresstruktur IV“ fest. Sie galt von 1980 bis 1992 und sah zahlreiche Heimatschutzbrigaden aus aktiven Soldaten und Reservisten vor (damals hatte die Bundeswehr eine Personalstärke von rund 495.000 Soldaten und 800.000 Reservisten).

Oberleutnant Grzegors Pawlicki dient nun im Versorgungsbataillon 141 bei der Panzerlehrbrigade 9 in Munster. (Foto: Dressler)

Pawlickis Fazit für die aktuelle Entwicklung in der Territorialen Reserve lautet: „Die künftigen Landesregimenter können die damaligen Heimatschutzbrigaden und -bataillone nicht ersetzen; allein die Aussetzung der Wehrpflicht und der so generierte Mangel an künftigen Reservisten und aktivem Personal spricht gegen einen soliden Verteidigungsbeitrag.“  Auch stünden die finanziellen Mittel nicht mehr zur Verfügung, die eine territoriale Verteidigung wie in der Heeresstruktur 4 ermöglichten.

Lob vom Kommandeur für den Studenten

Mag das Fazit in der Bachelorarbeit zum Projekt Landesregiment auch kritisch ausfallen. An der Meinung der Kameraden und des Kommandeurs des Landesregiments über den Soldaten und Studenten Pawlicki ändert das selbstverständlich nichts. Oberst Stefan Berger lobt, der Hauptfeldwebel habe als gewissenhafter und vorausschauender Soldat von Anfang an überzeugt. Berger: „Die Doppelbelastung hat er immer mit dem Auftrag im Fokus gemeistert und war in der Zusammenarbeit mit der Regimentsführung äußerst integer und loyal.“

Pilotprojekt Landesregiment bis Ende 2021

Das Projekt Landesregiment Bayern läuft noch bis Ende des Jahres 2021. Danach sollen nach den Erfahrungen in Bayern auch in anderen Bundesländern Landesregimenter aufgestellt werden. Das Projekt Studienabschluss hat Grzegors Pawlicki inzwischen erfolgreich beendet. Er ist nun Wirtschaftsingenieur und hat seinen Traum wahrgemacht: Am 1. Juli 2021 wurde er Offizier. Als Oberleutnant dient er nun als Zugführer im Versorgungsbataillon 141 bei der Panzerlehrbrigade 9 in Munster. Nicht nur akademisch, auch militärisch nimmt er etwas mit von seiner Zeit beim Landesregiment. Oberleutnant Pawlicki: „Die Reserve ist eine Bereicherung für die Bundeswehr. Ich habe die Kameraden nie als Soldaten zweiter Klasse gesehen. Sie bringen viel Wissen aus dem zivilen Leben mit.“  Privat hat Pawlicki aus der Zeit des berufsbegleitenden Studiums auch etwas mitgenommen, sagt er: „Ich habe jetzt ein paar graue Haare mehr – aber das war es mir wert.“

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