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RAG Brüssel: Zehn Jahre in der sicherheitspolitischen Nische




Gründung der RAG Brüssel im Februar 2012. In der Mitte (grauer Anzug): Rainer Wenning. Darum v.l.n.r.: Oberst (inzwischen a.D.) Joachim Sanden, damals Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, die Stellvertretenden Vorsitzenden Oberstleutnant d.R. Dr. Gerhardt Ahlbrecht und Oberst d.R. Thomas Schneider, Leutnant d.R. Ludwig Eickemeyer als Sekretär und der damalige Vizepräsident für Internationale Zusammenarbeit, Oberstleutnant d.R. Dr. Hans-Jürgen Schraut.

Foto: Archiv VdRBw/Schnurre

Zehn Jahre danach: Die erste Veranstaltung der RAG Brüssel in Präsenz nach Corona-Zwangspause. Flottillenadmiral Jens Beckmann (M., hinten) sprach über den Strategischen Kompass der EU.

Foto: Sören Peters

RAG-Vorsitzender Michael Gahler MdEP (M.) und die Reservisten der RAG Brüssel bedankten sich bei Oberstleutnant Rudi Ryckebosch (2.v.r.) und seinen Männern dafür, dass sie in Brüssel für Sicherheit sorgen.

Quelle: RAG Brüssel

Stars vor stripes: Europa-Flaggen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.

Foto: Sören Peters

RAG Brüssel

Es ist das erste Treffen in Präsenz nach einer langen Corona-Pause. Die Stühle im Veranstaltungssaal der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union sind bis auf den letzten, gemäß Auflagen erlaubten Platz, besetzt. Einige Gäste sitzen in der zweiten Reihe, um Abstände einzuhalten, als Flottillenadmiral Jens Beckmann über den Strategischen Kompass der EU referiert. Mit dem Vortrag des Leiters Militärpolitik bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschlands bei der EU zeigt die Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) Brüssel das, was sie seit mittlerweile einem Jahrzehnt am besten kann.

Die Reservistenarbeitsgemeinschaft Brüssel ist einzigartig im europäischen Zentrum der belgischen Hauptstadt. „Wir wollen die deutsche Sicherheitspolitik nach Brüssel holen, natürlich auch mit einem militärischen Fokus“, sagt Oberstleutnant d.R. Rainer Wenning. Er hat die RAG, die gegenwärtig der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Michael Gahler, Stabsunteroffizier d.R. leitet, vor zehn Jahren mitgegründet. Aufhänger sei eine Entscheidung des Deutschen Bundestages im Jahr 2011 gewesen. Damals beschloss eine Mehrheit der Abgeordneten, die Wehrpflicht auszusetzen. Er habe sich über diese Entscheidung riesig aufgeregt, schildert Rainer Wenning. Der Mitarbeiter der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen bei der EU beginnt bei einer sicherheitspolitischen Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung, Visitenkarten einzusammeln.

Eine Art von Protest

Mit seinen Mitstreitern aus den europäischen Institutionen möchte er regelmäßig sicherheitspolitische Treffen organisieren. Dabei soll es um aktuelle Themen der europäischen und deutschen Verteidigungspolitik gehen. „Für mich persönlich war das meine Art von Protest gegen die faktische Abschaffung der Wehrpflicht“, sagt Rainer Wenning. Am 15. Februar 2012 versammeln sich 20 Reservisten in einem Hotel und gründen – parallel zu einer CIOR-Veranstaltung – zusammen die RAG Brüssel. Seitdem dient sie als feste politisch-militärische Heimat, in dem Reservisten kameradschaftlichen und fachlichen Austausch pflegen können.

Was also mit ernstem Hintergrund gestartet ist, wird schließlich zu einem Format, das nicht mehr wegzudenken ist. Die RAG Brüssel besetze mit sicherheitspolitischen Themen eine Nische, in die sich einschlägige Stiftungen und Organisationen im Brüsseler EU-Kosmos eher wenig begeben, sagt Wenning. Seit ihrer Gründung sind die Reservisten mit ihren Themen nah am Puls der sicherheitspolitischen Zeit. So referiert schon im Jahr 2013 der damalige lettische Europaabgeordnete und jetzige Verteidigungsminister Artis Pabriks über „Die vergessene Nord-Ost-Flanke – Bedrohung für die Sicherheit Europas und der NATO?“ Weitere Prominente Gäste in den vergangenen Jahren sind unter anderem der ehemalige Verteidigungs- und Innenminister Thomas de Maizière oder US-Generalleutnant a.D. Ben Hodges.

Neben Diskussionen zu aktuellen Themen pflegt die RAG Brüssel gute Kontakte zu den belgischen Reservisten. Und weil nach den Terroranschlägen 2016 in Brüssel belgische Soldatinnen- und Soldaten, darunter auch Reservistinnen und Reservisten, in der Hauptstadt patrouillieren, wollte sich die RAG einmal offiziell für den Einsatz bedanken und suchte die Patrouillen auf. „Die waren völlig gerührt“, erinnert sich Wenning. Etwas knifflig waren die Geschenke: Bekanntlich haben Soldatinnen und Soldaten in ihrer Uniform eher wenig Stauraum für Werbeartikel. Anderseits sollte es etwas mehr sein als ein Plastikkugelschreiber. Der Verband stellte battery packs bereit – die kamen gut an.

Herausforderung ist die Fluktuation

Die RAG hält nicht nur Kontakt zu den belgischen Partnern, sondern auch zu 2.500 Personen im E-Mail-Verteiler. Das Problem in Brüssel ist laut Wenning die Fluktuation: Entsendungen aus Deutschland sind oft zeitlich begrenzt, Abfragen innerhalb der Kommission eher schwierig. „Damit wir bestehen bleiben können, müssen wir immer wieder Nachwuchs finden“, sagt Wenning. Daher sei die RAG Brüssel darauf angewiesen, dass sich gute Veranstaltungen herumsprechen und viele Interessenten vorbeikommen.

Für den ersten Vortrag im Jahr 2022 hat das funktioniert. Unter den Gästen sind nicht nur Reservisten mit Bezug zur Bundeswehr, sondern auch junge Frauen und Männer, die sich für EU-Politik interessieren. Ein Reserveleutnant, der Fallschirmjäger ist, ist erstmals dabei, weil er in Brüssel Bauingenieurwesen studiert: „Klar mache ich mit“, sagt er hinter der Maske. So soll es sein.

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