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Bundeswehr

Deutschland ist zum dritten Mal Leadnation der NATO-Speerspitze

Die Panzerbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ ist in diesem Jahr der VJTF-Leitverband. Statt dem ausgefallenen Schützenpanzer Puma treten die Panzergrenadiere aus Sachsen mit dem Vorgängermodell Marder an. NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht in den Ausrüstungsmängeln der Bundeswehr kein Risiko für die VJTF.

Statt des ausgefallenen Schützenpanzers Puma setzt die Bundeswehr für die VJTF dieses Jahres den bewährten Marder ein.

(Foto: Bundeswehr/Marco Dorow)

natoVJTF

Deutschland hat am 1. Januar von Frankreich die Führung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) der NATO übernommen. Dabei handelt es sich um einen schnell verlegbaren Eingreifverband des Bündnisses in Brigadestärke im Rahmen der NATO-Response Force (NRF). Die VJTF geht auf einen Beschluss NATO-Gipfel in Wales im September 2014 zurück und war die Reaktion des Westens auf die russische Annexion der Krim. Die NATO hat seitdem den Schutz von Verbündeten im Osten, die sich von Russland bedroht fühlen, verstärkt. Die VJTF ist dabei die Truppe mit der höchsten Bereitschaft zu kurzfristigen Einsätzen.

Den Anforderungen gemäß muss die VJTF innerhalb von 48 bis 72 Stunden in der Lage sein dorthin zu verlegen, wo sie gebraucht wird. Ihre Führung wechselt jährlich. Deutschland hatte 2015 und 2019 Leitungsverantwortung. An den multinational aufgestellten Kräften beteiligen sich in diesem Jahr insgesamt neun Nato-Staaten: neben Deutschland sind dies Belgien, Tschechien, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Slowenien. Insgesamt 11.500 Soldaten sind der VJTF zugewiesen. Die NRF umfasst insgesamt rund 40.000 Mann.

Das Kontingent der Bundeswehr wird im Wesentlichen von der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ gestellt. 4000 der rund 5000 Soldaten des Verbands gehen für ein Jahr in die NATO-Verpflichtung. Die NATO bezeichnet ihre „Speerspitze“ als einen wesentlichen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung in Europa.

Vielfältige Führungsverantwortung

Für die NRF als übergeordnete Struktur der VJTF setzt die Bundeswehr in diesem Jahr rund 16.800 Soldaten ein. Führungsverantwortung übernimmt Deutschland neben der Landbrigade unter anderem im Hauptquartier Land- und Luftstreitkräfte, im Hauptquartier Spezialkräfte, beim Maritimen Einsatzverband und außerdem für spezielle Fähigkeiten wie der ABC-Abwehr und dem sogenannten RSOM-Prozess. RSOM steht für Reception, Staging and Onward Movement der NATO-Response Force. Dabei werden Personal und Material der unterschiedlichen Nationen an See-, Flughäfen und Entladebahnhöfen im Einsatzgebiet aufgenommen.

An der NATO-Response Force ist auch die Deutsche Marine beteiligt. Die NATO-Schiffsverbände haben den Auftrag großflächig Seewege zu schützen und gegebenenfalls Seeminen zu beseitigen. Die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern lief am Mittwoch von Wilhelmshaven aus, um ein halbes Jahr lang als Flaggschiff des deutschen Befehlshabers einen NATO-Verband zu führen. Sie wird dazu Seegebiete in Nord- und Ostsee sowie dem Nordatlantik befahren.

Einsatzbereit trotz Puma

Überschattet wird der Führungsnationenwechsel von Problemen beim Schützenpanzer Puma. Für die Panzerbrigade 37 als Leitverband der VJTF war für dieses Jahr der Puma als wichtigstes Waffensystem vorgesehen. Während einer Schießübung kurz vor Weihnachten sind allerdings alle beteiligten Puma ausgefallen. Die Brigade geht daher mit dem rund 50 Jahre alten, immer wieder modernisierten Vorgängermodell Marder in die VJTF-Verantwortung. Ein akute Lücke ist dagegen der fehlende Schutz gegen Kleinst-Drohnen. Die dafür vorgesehenen Radpanzer Boxer mit Granatmaschinenwaffen werden es im Stand-by Jahr 2023 nicht mehr in den VJTF-Verband schaffen, so Heeresinspekteur Alfons Mais.

Nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg stellen die Ausrüstungsmängel der Bundeswehr kein Risiko für die VJTF dar. „Ich bin absolut zuversichtlich, dass Deutschland eine hervorragende Führungsnation für die VJTF sein wird“, sagte der Norweger zum Jahreswechsel in einem, Interview. Er wisse, dass die Bundeswehr gut ausgebildete und gut ausgerüstete Soldatinnen und Soldaten habe, die die Aufgabe sehr gut erfüllen könnten.

Zudem verwies Stoltenberg darauf, dass die VJTF nicht allein aus deutschen Einheiten besteht. „Deutschland wird die Führungsnation sein, aber es wird weitere Nationen geben, die sich an dieser Truppe beteiligen“, betonte er. „Ich bin mir absolut sicher, dass alle neun Nationen, die für die Eingreiftruppe zuständig sein werden, die NATO-Anforderungen erfüllen werden.“

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