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Oberstleutnant Benjamin Eberhardt, Kommandeur Logistikbataillon 161 und Standortältester Delmenhorst, Referent Dr. Hans Krech und Oberstleutnant a.D. Rolf Dieter Wienand, Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (v.li.n.re.) am 23. Februar 2022 in Delmenhorst

Foto: Harald Mauritz

  • Von Reservistenverband / Rolf-Dieter Wienand und Harald Mauritz / red.
  • 16.03.2022
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Dr. Hans Krech, Sicherheitsexperte, Hauptmann der Reserve und Stellv. Vorsitzender des Arbeitskreises Reserveoffiziere (AKRO) in der Landesgruppe Hamburg des Reservistenverbandes, ist in Delmenhorst kein Unbekannter. Er trug schon zum Thema „Islamismus“ vor und bereitete Angehörige des Logistikbataillons 161 auf den Einsatz in Afghanistan vor. Mit seinem aktuellen Vortrag traf der den Nerv der Zuhörerschaft, denn über fünfzig Interessierte waren der gemeinsamen Einladung des Standortältesten der Bundeswehr, der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. und der Kreisgruppe Ahlhorn des Reservistenverbandes gefolgt.

Kriegsführung im Informationszeitalter – „Hyperwar“
Dr. Krech spannte den Bogen der Drohnenentwicklung über einen Zeitraum von 103 Jahren von der weltweit ersten Drohne, der deutschen „Fledermaus“ aus dem Jahr 1918 bis zur „KRATOS XQ Valkyrie“ heute.
Im Allgemeinen denkt man bei Kampfdrohnen an die US-amerikanischen Produkte General Atomic MQ-1 „Predator“ und MQ-9 „Reaper“, die im Kampf gegen Terroristen im Nahen und mittleren Osten eingesetzt wurden. Die Stärken, aber auch die Schwächen dieser „Arbeitspferde“ wurden eindrucksvoll analysiert. Hochwertige Sensorik (z.B. Gesichtserkennung aus 5000m Höhe) paarte sich mit einer großen Verwundbarkeit durch Cyberangriffe und Flugzeuge sowie Flugabwehrsysteme. Ihre Stärken konnten diese Systeme nur ausspielen, wenn die Luftüberlegenheit im Operationsgebiet herrschte.
Eine Auswertung der Drohneneinsätze in den Jahren 1970 bis 2016 durch die Stanford University führte zu der Erkenntnis, dass deren Effektivität nur bei Kleingruppen von Terroristen mit schwachen Führungsstrukturen gegeben war. Diese Erkenntnis war ernüchternd. Darüber hinaus führte das Monopol der USA im Drohnenbau zu einem Innovationsstau. Auch das Nachfolgemodell, die MQ 9B „Sky Guardian“, brachte keine signifikanten Verbesserungen. Andere Staaten liefen den USA den Rang ab.

Der Iran (mit Hilfe „gekaperter“ US-Drohnen), Israel, China, besonders aber die Türkei (Bayraktar TB 2) entwickelten Drohnen, die resilienter und damit wirkungsvoller als die Drohnen der ersten Genration waren. Der Referent zeigte die Effektivität der Systeme an konkreten Beispielen aus den Jahren 2014 bis 2020 auf. So wurden diese Systeme durch Russland in der Ukraine, durch die Türkei in Syrien, durch Aserbaidschan in Berg-Karabach, hier kriegsentscheidend, und durch den Iran mittels der Huthi im Jemen in Saudi-Arabien mit hoher Wirksamkeit eingesetzt.
Die USA waren es, die Ende 2016 erstmals Kampfdrohen mit Künstlicher Intelligenz kombinierten. Sie blieben aber nicht lange allein, denn China konnte nur Monate später 119 Drohnen im Schwarm operieren lassen. China ist auch der Staat, der an einem unbemannten autonomen Kampfflugzeug arbeitet – eine Entwicklung, die aus ethischen Gründen (noch) von anderen Staaten abgelehnt wird.

Dr. Krech beendete seinen Vortrag mit einem Ausblick: Die neue Herausforderung ist die Gefechts-Cloud, sie wird „Hyperwar“ genannt. Hier werden konventionelle Waffensysteme, der Cyberraum und teilautonome, sowie autonome Drohen mit dem Ziel vernetzt, das Gefecht in ungeahnter Geschwindigkeit (Fight at Machine Speed) zu führen. Das ist – so der Redner – die Kriegsführung im Informationszeitalter. Die Einschätzung, ob wir uns dem gewachsen fühlen, überließ der Redner nach über zweistündigem Vortrag dem geneigten Publikum.
Auch wenn die Zuhörerschaft stark beeindruckt und die Zeit weit fortgeschritten war, beantwortete der Referent noch ausführlich Fragen zu den Abwehrmöglichkeiten von Drohnen und den Einsatzmöglichkeiten von Drohnen gegen Drohnen.
Der Redner bedauerte, dieses spannende Thema nur angerissen zu haben. Für weiterführende Lektüre empfahl er seine zehnteilige Veröffentlichung in der Österreichischen Militärischen Zeitschrift (ÖMZ).
Der kräftige Schlussapplaus war Lohn für einen gelungenen Abend.

Curriculum Vitae Dr. Hans Krech
Dr. Hans Krech, Jahrgang 1956, Hauptmann der Reserve, studierte Geschichte an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. In der ehemaligen DDR erhielt er Berufsverbot und unterlag der ständigeb Überwachung durch das MfS wegen der Entwicklung eines alternativen Sicherheitskonzepts.Ab 1990 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und freier Mitarbeiter des Deutschen Orient Instituts Hamburg. 2001 wurde er Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Forums für Internationale Sicherheit e.V. (WIFIS) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Als dortiger Lehrbeauftragter – seit 2019 – war er Ausbilder für tausende deutscher Soldaten für die Auslandseinsätze in Afghanistan und Mali.
In der Österreichischen Militärischen Zeitschrift ÖMZ (Wien) veröffentlichte Krech eine zehnteilige Aufsatzserie „Geschichte und Entwicklungstrends von Kampfdrohnen UCAV“. Im „Fliegerkalender – Internationales Jahrbuch für Luft- und Raumfahrt“ (Mittler Verlag) wurden 19 Aufsätze von Krecht veröffentlicht.
Hauptmann der Reserve Dr. Hans Krech wurde im August 2021 mit der Ehrennadel des Reservistenverbandes in Bronze ausgezeichnet.

Hier kann eine Information zum Bezug der Aufsätze von Dr. Hans Krech heruntergeladen werden:
Link zum Flyer

 

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