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Das Ehrenmal für die Finnischen Jäger im Ehrenhain Hohenlockstedt

Foto: Karin Bauermeister

Kranzniederlegung im Ehrenhain Hohenlockstedt

Foto: Karin Bauermeister

Denkmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges im Ehrenhain Hohenlockstedt

Foto: Karin Bauermeister

Zur Erinnerung an die während des Ersten Weltkrieges durchgeführte Ausbildung der Finnischen Jäger im Jägerbataillon 27 findet jährlich der „Finnentag“ statt. Die diesjährige Gedenkveranstaltung der Gemeinde Hohenlockstedt (Schleswig-Holstein) erfolgte nur mit geladenen Gästen und nahm deutlich Bezug zur aktuellen politischen Entwicklung.

107. Finnentag in Hohenlockstedt
Bedingt durch die aktuellen Pandemieregelungen fand die Veranstaltung in Hohenlockstedt nur in einem sehr kleinen Kreis statt, zu dem Hohenlockstedter Bürger, Finnen und Ehrengäste persönlich eingeladen waren. Die Ehrenformation, bestehend aus rund zehn deutschen und finnischen Reservisten unter dem Kommando von Oberstleutnant a.D. Karl Hartmann, erwies dabei die gebührende militärische Ehre.
Die Ansprachen von Wofgang Wein, Bürgermeister der Stadt Hohenlockstedt, von Brigadegeneral a.D. Pertti Laatikainen, Präsident der Jägerstiftung, und von Generalmajor Jukka Pennanen, Vorstandsmitglied der Jägerstiftung erinnerten nicht nur an den Mut und das Durchhaltevermögen der finnischen Jäger vor über 100 Jahren, sondern zeigten auch Parallelen zu den Herausforderungen der aktuellen politischen Situation auf.
Erneut sei die Demokratie durch Gewaltherrschaft bedroht und könne nur durch entschlossene Verbundenheit der demokratischen Staaten gemeinsam verteidigt werden. Brigadegeneral Michael Matz, Kommandeur der Infanterieschule und General der Infanterie in Hammelburg, rückte bei seiner Ansprache zusätzlich die langjährige Verbindung deutscher und finnischer Jäger in den Vordergrund, deren Anfänge bis in das Jahr 1915 zurück reichen.

Historischer Hintergrund
Finnland wurde von Stockholm nach dem russisch-schwedischen Krieg von 1808/09 an den Zaren abgetreten. Anstatt das Land dem Zarenreich komplett einzuverleiben und politisch unterzuordnen, wurde es zu einem autonomen Großfürstentum erklärt. Die Finnen genossen so gewisse Freiheiten und Rechte und konnten allmählich eine Nationalkultur entwickeln, was unter der vormaligen schwedischen Regierung so nicht möglich gewesen war. Ohne russische Amtssprache, mit eigener Finnmark als Währung, eigenen Briefmarken, weitgehender Selbstverwaltung und eigener Volksvertretung, später sogar einer eigenen finnischen Armee, mit der Garantie nur in Finnland und nicht in Russland eingesetzt zu werden, ließ es sich unter der Zarenherrschaft zunächst einigermaßen ruhig leben.
Dies änderte sich aber unter Zar Nikolaus II ab 1899 deutlich. Dieser versuchte im Zuge der „Russifizierung“ nationale Separationsströmungen auszuschalten und die besonderen Rechte der Finnen einzuschränken oder gänzlich abzuschaffen. Im finnischen Volk erwachte unter diesem Einfluss so gegen Ende des 19 Jahrhunderts der nationale Widerstandsgedanke und kulminierte parallel zum weiterwachsenden Russifizierungsdruck beim Ausbruch des ersten Weltkrieges in der Erkenntnis, dass Finnland bewaffnete Kräfte benötigen würde, um sich vom Zarenreich gewaltsam freikämpfen zu können.
Da die zunächst um diesbezügliche Unterstützung angefragten Schweden und Dänen wegen ihrer Neutralität und die Engländer wegen ihres Bündnisses mit dem Zaren die Finnen nicht unterstützen wollten, kristallisierte sich schließlich die Ausbildung in der preußischen Armee als gangbare Option heraus. Bedingt durch die russische Okkupation erfolgten die entsprechenden Vorbereitungen unter strengster Geheimhaltung und waren entsprechend schwierig. Als Pfadfinder getarnt, machten sich so 1915 die ersten 200 Finnen zur freiwilligen militärischen Ausbildung auf den Weg nach Deutschland in das „Lockstedter Lager“, dem heutigen Hohenlockstedt. Der Lehrgang wurde mehrfach verlängert und wurde schließlich 1916 zum „Königlich Preußischen Jägerbataillon Nr. 27“, mit schlussendlich rund 2000 Soldaten erhoben. Die Bataillonsangehörigen, die nunmehr die „finnischen Jäger“ genannt wurde, gelang im Heimatland bedingt durch ihre gute Ausbildung und unterstützt durch deutsche Waffen- und Munitionslieferungen der Sieg im finnischen Freiheitskrieg von 1918. Die bereits 1917 erklärt Unabhängigkeit konnte so bewahrt werden. In über 400 Büchern wurden diese Erlebnisse festgehalten. Ein großer Teil von ihnen wurde auf Deutsch verfasst oder ins Deutsche übersetzt. Das Wissen und die Erfahrungen aus dem finnischen Freiheitskrieg (1917-18), dem Winterkrieg (1939-40) und dem Fortsetzungskrieg (1941-44), in denen Jäger jeweils Schlüsselrollen einnahmen, sind bis heute Bestandteil der militärischen Nachwuchsausbildung In der finnischen Armee.

Deutsch-finnische Reservistenverbindung seit 1995
Auf der vorgenannten militärhistorischen Grundlage hat sich 1995 die deutsch-finnische Reservistenverbindung gebildet. Auf deutscher Seite entstand dabei die Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) DEU-FIN. Deren Mitglieder fördern durch Veranstaltungen in Deutschland und Finnland die Sicherheitspolitik beider Länder im europäischen Zusammenhang. Kameradschaft, gegenseitiges Verständnis und die Festigung und Förderung militärischen Fertigkeiten stehen im Mittelpunkt des Interesses.

Finnentag in Hohenlockstedt
Ein besonderes Ereignis ist in Hohenlockstedt, etwa acht Kilometer nördlich von Itzehoe, die alljährliche Gedenkfeier. Vertreter der finnischen Reservistenverbände würdigten Vertreter der Stadt Hohenlockstedt und deutsche Kameraden, die sich in den vergangenen beiden Jahren besonders für das deutsch-finnische Zusammenwirken in der gemeinsamen Reservistenarbeit eingesetzt haben. Sie tragen durch ihr Handeln zum würdigen Gedenken an die finnischen Jäger bei und zeigen die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit für die Demokratie.

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