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Referent Dr. Heinrich Heiter

Foto: Christian Günther

Rußland ist der neue Schiedsrichter im Mittleren Osten! Was sich seit 2017 abzeichnete ist nun Realität geworden. So die Einschätzung von Dr. Heinrich Heiter, der im Vortragssaal des BHW in Hameln vor der RK Reserveoffiziere sowie zahlreichen Gästen referierte.

Oberstleutnant d.R. Ottmar Framke konnte unter den fast 70 Zuhörern auch den ehemaligen Landtagsabgeordneten Otto Deppmeyer, Hans-Wilhelm Güsgen und Heinrich Fockenbrock als Vertreter der Kommunalpolitik sowie Oberstabsfeldwebel d.R. Dirk Merten für den Landesvorstand der Reservisten begrüßen.

Der Einmarsch der türkischen Truppen in von Kurden kontrolliertes Gebiet an der syrischen Nordgrenze hat zum Ziel, eine 400 Kilometer lange und 32 Kilometer tiefe „Sicherheitszone“ zu etablieren, in der Millionen Flüchtlinge angesiedelt werden sollen. So jedenfalls der Plan. Der aber wegen der abwägenden Haltung Putins, des Widerstandes Assads und der Drohung Trumps die Türkei wirtschaftlich zu zerstören so nicht umgesetzt werden wird. Verlierer sind dennoch eindeutig die Kurden, die dieses Gebiet mit ihren Kämpfern verlassen müssen. Ihnen bleibt zudem nichts anderes übrig als Schutz beim Erzfeind Assad zu suchen. Der Westen habe den Kurden beim Kampf gegen den IS viel zu verdanken, stehle sich nun aber aus der Verantwortung. Ein Verhalten, das der Referent scharf kritisiert. Durch den Rückzug der US-Truppen aus den Grenzregionen fühlen diese sich verraten und in der Auseinandersetzung mit der Türkei alleingelassen. Die Idee der deutschen Verteidigungsministerin eine Friedenstruppe zu entsenden werde von keinem der wichtigen Akteure geteilt. Europa demonstriere in der Region insgesamt seine Machtlosigkeit, so Dr. Heiter. Aber auch die Amerikaner haben durch ihre Politik viel an Einfluß verloren. Zudem sei die Entfremdung zwischen der Türkei und den USA weit fortgeschritten. Dies zeige sich etwa im Kauf des russischen Luftverteidigungssystems S 400 durch die Türkei und den Stopp der Lieferung des US-Kampfflugzeuges F-35 an den (ehemaligen?) Verbündeten. Zudem erklärte Ankara sich nicht an den US-Sanktionen gegen den Iran beteiligen zu wollen und beschuldigt die Amerikaner, die terroristischen Kurden zu unterstützen. In dem Zweckbündnis Russland/Türkei/Iran verfolge jeder vorrangig seine eigenen Interessen. Russland strebt zurück zur Weltmacht und ringt um permanenten Einfluss mit Militärbasen in der Region, Hauptziel der Türkei ist die Eindämmung der Kurden über Einflussnahme in Syrien, der Iran strebt über Syrien einen Zugang zum Mittelmeer an und unterstützt die dortigen Schiiten auch im Kampf gegen Israel. Zudem soll der ganz große Kurdenstaat unbedingt verhindert werden. Deshalb arbeiten sowohl der Iran, der Irak, Syrien als auch die Türkei in diesem Punkt zusammen. Die Lage im Raum Nahost werde zudem durch die tiefe Feindschaft zwischen dem Iran und Israel verschärft. Diese Auseinandersetzung hat nach Einschätzung des Referenten im schlimmsten Fall das Potential zu einem echten Super-GAU.

Ein faktenreicher Vortrag, der Licht in die verworrene Interessenlage in und um den vielschichtigen Konfliktherd Syrien brachte.

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