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„Versöhnung und Frieden“

Wingster Reservisten engagieren sich seit vielen Jahren auf Soldatenfriedhöfen für den „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ im In- und Ausland / Mehrtägiger Einsatz in Frankreich mit knapp 45 000 deutschen Gräbern.

Auf der Kriegsgräberstelle Neuville St. Vaast in Frankreich sind etwa 45 000 deutsche Soldaten begraben worden, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen.

Die Namen vieler verstorbener Soldaten auf den Grabsteinen wurden von den Wingstern so bearbeitet, dass man sie wieder erkennen kann.

Ein besonderer Moment und eine besondere Ehre: Die Wingster durften in einer von der französischen Gemeinde initiierten Gedenkveranstaltung auch das Wort ergreifen. Mit dabei war auch Rolf Lewerenz (4.v.r.).

  • Von Reservistenverband / Egbert Schröder / Niederelbe-Zeitung
  • 24.11.2021
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Landesgruppe Niedersachsen

Wingst.  Rolf Lewerenz aus der Wingst merkt man nicht auf den ersten Blick an, dass er emotional in einigen Situationen eng am Wasser gebaut ist. Schließlich führt der ehemalige Soldat die Reservistenkameradschaft Wingst an. Doch die Disziplin, die viele Menschen den Angehörigen der Streitkräfte eines Landes per se attestieren, hat auch Grenzen. So wie bei Rolf Lewerenz, wenn er an die vielen Einsätze der Wingster Reservisten für den „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ denkt. Lewerenz: „Das lässt einen nicht kalt.“

Erst vor wenigen Wochen war er gemeinsam mit seinen Kameraden in Frankreich. Ihr Ziel: die Kriegsgräberstätte Neuville St. Vaast in Frankreich. Dabei handelt es sich um den größten deutschen Soldatenfriedhof, der nach dem Ersten Weltkrieg in Frankreich angelegt worden ist. Er gilt als „Sammelfriedhof“ für 44 888 Kriegstote aus Deutschland und umfasst eine Fläche von etwa zehn Hektar. „Wenn man zum ersten Mal diese Ausmaße der Fläche und die Kreuze sieht, dann geht das nicht spurlos an einem vorbei“, so Lewerenz.

In Frankreich befindet sich in der Nähe von Arras der größte deutsche Soldatenfriedhof „Neuvil-le St. Vaast“. Die Wingster Reservisten nutzten den Einsatz, um für den „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ unter anderem die Platten mit den Namen der Gefallenen zu säubern.

 

Mehrere Tage lang haben er und weitere Reservisten aus der Wingst und Umgebung angepackt, um auf dem Friedhof unter anderem Grabmale zu säubern, Bodendecker zu beschneiden und die Wege an den Grabstellen zu begradigen. Dabei handelte es sich um eine Weglänge von fast 700 Metern.

„Unseren ursprünglichen Auftrag des Volksbundes haben wir mehr als erfüllt“, sagt Lewerenz (Foto). Da es zeitlich noch die Gelegenheit gab, weitere Maßnahmen zu bewältigen, stellte sich die Reservistenkameradschaft, die sich auch um die Pflege des Wingster Ehrenhains kümmert (siehe nebenstehende Zusatzinfo) nicht quer und kümmerte sich unter anderem um den Baumausschnitt und die Fundamente von Fahnenmasten, in deren Umfeld es auch eine Gedenkfeier gab, bei denen Rolf Lewerenz das Wort ergreifen durfte.

 

Auch 131 jüdische Grabmale gibt es auf dem Friedhof aus dem Ersten Weltkrieg.

 

Dabei sagte er über die Motivation der Wingster Reservistenkameradschaft, die ähnliche Einsätze auch bereits in anderen europäischen Ländern absolviert hat, unter anderem: „Wir wollen nicht müde werden, die Welt wissen zu lassen, dass wir Deutschen gewillt sind, die aus den schicksalsschweren Jahren gewonnene Erkenntnis wirken zu lassen und immer wieder bereit sind zur Versöhnung und zum Frieden.“ In der Sorge für die Gräber der Gefallenen zeige sich auch den „Geist der Völkerversöhnung“.

Lewerenz fügt hinzu: „Wir wollen und dürfen nicht nachlassen, daran mitzuarbeiten, dass der Gedanke des Friedens wieder Kraft gewinnt in unserer Welt. Wir sehen unsere Arbeit als Mahnung für den Frieden.“

Bei dem mehrtägigen Aufenthalt in der Nähe von Arras reinigten die Wingster Reservisten natürlich auch die Grabsteine von Soldaten jüdischen Glaubens , die im Ersten Weltkrieg starben. Und sie entdeckten auch Gräber, in denen Menschen aus der hiesigen Region (unter anderem aus Wingst-Altkehdingen) ihre letzte Ruhe fanden.

Für Rolf Lewerenz und seine Kameraden sind solche Einsätze auf europäischen Friedhöfen inzwischen keine Seltenheit mehr, denn sie finden seit 2009 statt. Doch zur Routine werden sie nicht, denn immer wieder kommt man auch mit Menschen vor Ort ins Gespräch, die sich auf ihre ganz individuelle familiäre Spurensuche begeben. So wie bei einem Mann, der zum ersten Mal am Grab seines Großvaters stand, und mit dem Lewerenz in Kontakt kam. „Das lässt einen nicht kalt“, sagt der Wingster, der froh ist, dass seine Mitstreiter immer wieder engagiert bei den Einsätzen dabei sind. Die nächste Tour ist auch schon geplant: Sie wird die Reservisten nach Österreich führen.

Fotos: Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung / CNV-Archiv

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