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Volkstrauertag 2020 in Edewecht




Oberstleutnant Bünting (links) und Stabsunteroffizier d.R. Melnichuk (rechts) mit dem Kranz der Bundeswehr an der Sandsteinmauer mit den Ehrentafeln für Gefallenen der Kriege von 1866, 1870/71 und des Ersten Weltkrieges.

Foto: Alfred Claußen

Oberstleutnant Thomas Bünting (rechts) und Stabsunteroffizier d.R. Günter Melnichuk (links) bei der Kranzniederlegung am Hochkreuz des Edewechter Ehrenfriedhofs.

Foto: Alfred Claußen

Der Kranz der Bundeswehr

Foto: Alfred Claußen

Am Volkstrauertag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. In Edewecht ist es eine gute Tradition, dass sich die Reservisten und Mitglieder der Kyffhäuserkameradschaft sowie die Freiwillige Feuerwehr und Angehörige weiterer örtlichen Vereine und Verbänden an der Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge beteiligen und Kränze auf dem örtlichen Ehrenfriedhof niederlegen. „„Hiermit gedenken wir den Kriegstoten und Vermissten sowie den Vertriebenen und Flüchtlingen und den Toten, die in beiden Weltkriegen ums Leben kamen. Auch gedenken wir unseren Bundeswehrsoldaten, die im Einsatz ums Leben gekommen sind“, erklärte die Vorsitzende Helge Kahnert vom Ortsverband Edewecht des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

In diesem Jahr war wegen der im November geltenden „Niedersächsische Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2“ am Volkstrauertag jedoch alles anders! Anstelle der sonst üblichen einstündigen öffentlichen Gedenkfeier wurden in aller Stille am Vormittag von lediglich zwei Reservisten ein Kranz der Bundeswehr und am Nachmittag von zwei weiteren Personen der Edewechter Gemeinschaftskranz am Hochkreuz des Ehrenfriedhofs niedergelegt. Es durften leider keine Gedenkrede, Predigt und Totengedenken gehalten werden und auch keine Gäste an den Kranzniederlegungen teilnehmen. Die geplante Gedenkrede von Bürgermeisterin Petra Lausch ist auf der Homepage der Gemeinde (www.edewecht.de) zu finden. Dort wurde auch eine Bilderstrecke von weiteren Kranz-Niederlegungen in der Gemeinde Edewecht veröffentlicht.

Reservisten vertraten würdevoll die Bundeswehr

Stellvertretend für die aktive Truppe und allen örtlichen Reservisten legten die Reservisten Oberstleutnant Thomas Bünting, Leiter des Kreisverbindungskommando Ammerland, und Stabsunteroffizier der Reserve Günter Melnichuk, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Edewecht, den Kranz der Bundeswehr mit den Bandschleifen der Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Hockkreuz nieder. Die beiden Reservisten waren stolz, an diesem Tag – zumindest im eingeschränkten Rahmen – die Bundeswehr vertreten und den Toten von Krieg und Gewaltherrschaft die verdiente Ehre erweisen zu dürfen.

Gedanken an gefallene und verunglückte Kameraden der Bundeswehr

Die Reservisten waren am Volkstrauertag in ihren Gedanken auch bei den Gefallenen und infolge der Ausübung des Dienstes tödlich verunglückten Kameradinnen und Kameraden der Bundeswehr.

In den 65 Jahren seit Gründung der Bundeswehr kamen insgesamt 3.299 Soldaten*innen ums Leben. Davon starben 114 deutsche Soldaten im Auslandseinsatz und vergleichbaren Missionen. 37 von ihnen fielen in Gefechten oder wurden bei Anschlägen getötet. Der bislang höchste Blutzoll war in Afghanistan zu beklagen: 59 deutsche Soldaten ließen dort ihr Leben, davon fielen 35 durch Fremdeinwirkung. In Bosnien-Herzegowina und im Kosovo starben insgesamt 48 Bundeswehrangehörige.

Auch Soldaten sind „nur“ Menschen. So begangen seit 1957 insgesamt 3.463 Soldaten oder zivile Beschäftigte der Bundeswehr in einer ausweglos scheinenden Situation Selbstmord, davon 22 in Einsatzgebieten.

Im zentralen Ehrenmal der Bundeswehr beim Verteidigungsministerium in Berlin sind sämtliche Namen der Verstorbenen aufgelistet. Der Wald der Erinnerung bei Potsdam ergänzt das Ehrenmal der Bundeswehr. Hier ist ein Ort der persönlichen Trauer. Dort finden sich auch die Ehrenhaine der Bundeswehr aus den Einsatzgebieten.

Edewechter Ehrenfriedhof

Der Edewechter Soldatenfriedhof ist die erste Kriegsgräberstätte, welche vom Volksbund nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges errichtet wurde. Im August 1945 beschlossen die zuständigen Behörden, die vier Monate zuvor während der Kampfhandlungen im Gemeindebereich in Feldgräbern bestatteten deutschen Soldaten in einen neuen zentralen Friedhof beizusetzen. Bei der unter Leitung der Gemeinde Edewecht vorgenommenen Umbettung wurden zunächst aus 251 örtlichen Feldgräbern die Toten geborgen. Davon fanden 234 in Edewecht ihre letzte Ruhe, die anderen wurden in ihre Heimatorte überführt. In der Folgezeit wurden auch aus den umliegenden Gemeinden Bösel, Altenoythe, Friesoythe, Barßel und Strücklingen tote Soldaten nach Edewecht umgebettet. Die letzte Umbettung erfolgte im Jahre 1976, als bei Straßenbauarbeiten die Gebeine von drei Kriegstoten gefunden wurden.

Die feierliche Einweihung des Ehrenfriedhofes fand am 22. Mai 1949 statt. Heute ruhen hier die Gebeine von 405 deutsche Soldaten, von denen die meisten bei den schweren Kämpfen im Raum Edewecht in der zweiten Aprilhälfte des Jahres 1945 gefallen sind. Innerhalb von zehn Tagen starben damals auf deutscher Seite 423 Soldaten, nicht wenige waren erst 17 Jahre alt. 63 Zivilisten, darunter 13 Kinder, verloren ebenfalls ihr Leben. Auf der kanadischen Seite sind rund 300 Soldaten gefallen, die später auf Friedhöfe der Alliierten überführt wurden.

Im Jahre 1964 wurde der Friedhof um ein örtliches Ehrenmal erweitert. Die bis dahin im Ort Edewecht existierenden einzelnen Denkmäler wurden aufgelöst und auf dem Ehrenfriedhof zusammengefasst. In eine Sandsteinmauer fügte man die alten Ehrentafeln der früheren Kriege (1866, 1870/71 und 1914 – 1918) ein. Zentrales Bauwerk des Ehrenmals ist ein fünf Tonnen schwerer, auf einem Sockel ruhender Gedenkstein. Seine vier Seitenflächen tragen die Namen von 112 im 2. Weltkrieg (1939 – 1945) Gefallenen aus dem Ort Edewecht.

An der Nordseite der Kriegsgräberstätte besteht eine separate Grabanlage, auf der 19 ausländische Kriegstote beigesetzt worden sind. Es handelt sich um russische, polnische und niederländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter des I. und II. Weltkriegs, die in der Gemeinde Edewecht in der Landwirtschaft und in der örtlichen Industrie eingesetzt waren. Im Jahre 1970 wurden diese Toten vom kirchlichen Friedhof hierher umgebettet.

Ein im Jahr 1959 an der Südseite aufgestelltes Gedenkkreuz erinnert an die Toten im Osten: im Kriege gefallener und vermisster Soldaten und der verstorbenen Kriegsgefangenen, aber auch der bei den Kampfhandlungen, auf der Flucht und bei der Vertreibung getöteten Zivilisten.

Weitere Denkmale für gefallene Soldaten aus der Gemeinde Edewecht befinden sich in den Ortsteilen Friedrichsfehn, Husbäke, Jeddeloh I, Jeddeloh II, Kleefeld, Klein Scharrel, Osterscheps, Westerscheps und Portsloge.

Über vierhundert Steinkreuze erinnern an die tragischen Schicksale junger Menschen

Insgesamt 405 Gräber deutscher Gefallener befinden sich auf dem Edewechter Ehrenfriehof. Rund 80 der 405 Steinkreuze tragen die Inschrift „Unbekannter Soldat“. Jedes Grab beinhaltet das Einzelschicksal eines Menschen, dessen Leben abrupt und viel zu früh beendet wurde. Sie sind eine ständige Mahnung für den Frieden!

Als Beispiel sei hier das Schicksal von Fritz Henschel genannt: Der Marinemaat Fritz Henschel, geboren am 26. Juni 1909, läuft mit seinem Schiff am 2. April 1945 in Wilhelmshaven ein. Er und seine Kameraden werden sofort in „Feldgrau“ gekleidet und kommen an die Front – Kampfgebiet um Edewecht. Am 17. April wird Fritz Henschel bei einer Hilfeleistung zusammen mit dem Sohn eines Arztes in Edewechterdamm/Süddorf tödlich getroffen. Er erhält später sein Grab auf der Kriegsgräberstätte Edewecht.

Kriegsgräber – Eine Mahnung für den Frieden

Der Volkstrauertag mahnt uns, dass der Frieden kein Schicksal ist, sondern als Vermächtnis aus unserer Geschichte durch unser Handeln erwächst und stets von neuem erarbeitet werden muss. Wir müssen der nachkommenden Generation helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung an die geschichtliche Wahrheit wach zu halten, um zu vermeiden, wohin Intoleranz, Hass, Gewalt und gnadenlose Feindschaft führen können. Diese Geschichtskenntnis zu vermitteln und dabei zu helfen bestimmt dieses Leitwort des Volksbundes seit über 60 Jahren:

„Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden!“

Auf 1.369 Kriegsgräberstätten und zivilen Friedhöfen sind in Niedersachsen insgesamt 255.460 Menschen bestattet, die hier als Opfer von Krieg und Gewalt ihre letzte Ruhestätte erhalten haben.

Die Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland obliegt den örtlichen Kommunen oder Städten. Für die Pflege der deutschen Kriegsgräber im Ausland ist dagegen alleinig der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zuständig. Der Volksbund erbringt diese Arbeit ehrenamtlich unter Verwendung von Spendengeldern.

„Frieden ist nicht Alles, aber ohne Frieden ist alles Nichts.“

Zitat von Willy Brandt (1913-1992), Friedensnobelpreisträger und deutscher Bundeskanzler von 1969-1974.

Hier kann ein Bericht mit weiteren Fotoaufnahmen als pdf-Datei heruntergeladen werden:

Bericht Volkstrauertag 2020 in Edewecht mit Bilder

Hier kann die Geschichts- und Erinnerungstafel Edewecht als pdf-Datei heruntergeladen werden:

Geschichts- und Erinnerungstafel Edewecht

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