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Kamerad sucht die Mitte der Familie




  • Von Pressebericht NEZ v. 17.09.2021 Text: Joscha Kuczorra Fotos: Joscha Kuczorra
  • 18.09.2021
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Kamerad sucht die Mitte der Familie

Rolf Lewerenz ist Vorsitzender der Wingster Reservistenkameradschaft:
Verein richtet das 100-jährige Jubiläum des Ehrenhains aus.

Von Joscha Kuczorra

 

WINGST. Wenn am Wochenende zum 100-jährigen Jubiläum des Ehrenhains in Wingst-Ellerbruck an die gefallenen Soldaten erinnert wird, zieht auch wieder ein Mensch die Blicke auf sich, der eigentlich gar nicht um Aufmerksamkeit ringt. Doch als Vorsitzender der Wingster Reservistenkameradschaft kommt Rolf Lewerenz nicht umhin, auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Und das hat er durchaus verdient.
Als Rolf Lewerenz als Sechsjähriger im Haus seiner Eltern im Wasser stand, fasste er einen Entschluss: Er will später einmal helfen, sich sozial engagieren. Mit 16 trat Lewerenz 1971 dann ins Deutsche Rote Kreuzes ein. Fast 44 Jahre ist Lewerenz DRK-Mitglied, 16 davon fungierte er als Bereitschaftsleiter und war im Vorstand des Wingster Ortsverbands tätig. Als DRK-Ausbilder tourte er 23 Jahre lang durch das gesamte Land Hadeln. Lewerenz war daran beteiligt, als der Schulförderverein der Schule am Dobrock in Cadenberge gegründet wurde, übernahm zunächst dessen Vorsitz. Auch im Samtgemeindeelternrat engagierte er sich, war zwölf Jahre im Vorstand der Soldatenkameradschaft Wingst und spielt seit 2009 in der Wingster Theatergruppe. Der 66-Jährige hat in seinem Leben schon viel angepackt. Sogar der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bedankte sich für sein Engagement. Stolz ist Lewerenz auch auf das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold, das ihm in diesem Jahr verliehen wurde. Dabei hatte er zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. Als 18-Jähriger hatte der Wingster seine Bäckers-Ausbildung abgeschlossen. Aber das war nicht das, was er eigentlich werden wollte. Da kam es Lewerenz gerade recht, dass er als 20-jähriger 15 Monate von der Bundeswehr eingezogen wurde. Nach dem Wehrdienst ließ sich Lewerenz für zwei Jahre verpflichten, verlängerte noch mal auf vier Jahre. Im Alter von 30 Jahren holte er seine Fachschulreife Wirtschaft nach. Lewerenz wechselte in den öffentlichen Dienst. Er arbeitete fünf Jahre für die Deutsche Bundespost, absolvierte dort noch eine Postbanken- und Sparkassen-Ausbildung. Anschließend ging er für zwölf Jahre zur Ausländerbehörde nach Hamburg und landete schließlich für weitere 15 Jahre beim Hamburger Gewerbeaufsichtsamt. „Nach der Bundeswehr hatte ich viel Glück“, gibt Rolf Lewerenz zu – und sagt über sich und seine Frau: „Wenn ich alles Revue passieren lasse, haben wir ein richtig schönes Leben.“ Ehefrau Heidi sowie seine beiden Kinder und die zwei Enkelkinder sind dem 66-Jährigen ganz besonders wichtig. „Das Familiäre muss immer stimmen“, betont er. Wie eine Familie sei auch das Vereinsleben in der Reservistenkameradschaft Wingst. „Unser Leitspruch lautet: Einer für alle, alle für einen“, erzählt Lewerenz. „Und wenn etwas nicht funktioniert, wird Klartext gesprochen.“ Dabei hatte Lewerenz aufgrund einiger Unstimmigkeiten im Jahr 2005 – obwohl er erst ein Jahr zuvor dazu gestoßen war – aus der Kameradschaft austreten wollen. Doch stattdessen organisierte er einen Tagesausflug zum Denkort „Bunker Valentin“ nach Bremen. Die Tour schweißte die Mitglieder wieder zusammen. „Dadurch kam ein Drall in den Verein. Daraus entstand die Idee, dass wir uns dem Ehrenhain annehmen“, erinnert sich der 66-Jährige. Im Februar 2006 legten die Kameraden erstmals Hand an. Bis dahin war Lewerenz nie privat auf dem Gelände gewesen. Dann beschäftigte er sich mit dem Ehrenhain – und war laut eigener Aussage fasziniert. Die Gedenkstätte für gefallene Soldaten begeistert und verbindet die Kameraden bis heute. „Wir wollen einen Beitrag leisten, die Mahnmale zu erhalten, weil sie Mahnmale des Friedens sind“, betont Lewerenz. Besonders am Herzen liegen den Kameraden auch die Kriegsgräberpflege-Einsätze in ganz Europa. Inzwischen ist die Reservistenkameradschaft, die sich aus Spenden, Fördergeldern und Mitgliedsbeiträgen finanziert, auf knapp 90 Mitglieder angewachsen. 2009 wurde Lewerenz stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Als 2014 ein neuer Vorsitzender gesucht wurde, war für die Mitglieder klar: Lewerenz muss übernehmen. Als „kantig und unbequem“ beschreibt sich der 66- Jährige selbst. Eine Politikerin nannte ihn einmal „friesisch herb“. Aber im Grunde sei er „ein Teamplayer mit einem kooperativen Führungsstil“. Leistung könne Lewerenz auch nur mit den Kameraden im Verbund bringen: „Einer gibt zwar die Richtung vor. Aber zum Ziel geht es nur gemeinsam.“ Deshalb stehe er auch nicht gern im Mittelpunkt. „Wir sind eine tolle Truppe“, sagt Lewerenz stattdessen – und denkt dabei an die Kameraden wie auch an seine Familie.

Jubiläumsfeier

› Die „Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung“ richtet am Sonnabend, 18. September, die Festveranstaltung „100 Jahre Kriegsgräberstätte Ehrenhain Ellerbruch“ aus. Dort soll an die Toten beider Weltkriege erinnert werden. › Ab 13.30 Uhr findet ein Gedenkgottesdienst auf dem Ehrenhain in Wingst-Ellerbruch statt. › Der Reservisten-Musikzug Niedersachsen begleitet das Fest. › Eingeladen sind alle Interessierten. Gerechnet wird mit einer dreistelligen Zahl an Besuchern.

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