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Zum 28. Mal veranstalten das Landeskommando NRW der Bundeswehr und der Reservistenverband den Nachtwettkampf „Polarstern“. Die wahren Helden sind die 50 freiwilligen Funktioner, die bei Kälte und Regen die zwölf Stationen betreuen.
 
Köln Die Kälte kriecht in den Nacken, Hände und Füße werden gefühlt zu Eisklötzen. Während andere an diesem späten Freitagabend zu heißen Rhythmen in der Disco tanzen, ein Kino besuchen oder bei Cola und Chips gemütlich vor dem Fernseher sitzen, schlagen sich die Reservisten der Kreisgruppe Bergisch Gladbach auf dem Standortübungsplatz Wahner Heide einsam die frostige, sternenklare Nacht um die Ohren – simulierte Feuergefechte und Unfälle inklusive.
 
20 Mannschaften sind beim Nachtwettkampf „Polarstern“ diesmal gestartet, der vom Reservistenverband und dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen der Bundeswehr durchgeführt wird. Doch die wahren Helden in der Dunkelheit sind die rund 50 Funktioner vom Gefreiten bis zum Oberstleutnant der Reserve, die teils stundenlang zwischen Heidekraut, Hecken und Bäumen ausharren müssen, bis alle Teams ihre jeweilige Station passiert haben. Gegen Morgen beginnt es auch noch hässlich zu regnen.
 
Hauptfeldwebel d.R. Peter Skibbe ist bereits seit fast drei Jahrzehnten beim „Polarstern“ dabei – diesmal betreut der 67-Jährige mit Stabsfeldwebel d.R. Manfred Heck die Erste-Hilfe-Aufgabe, bei der ein Stromunfall simuliert wird. Die beiden Reservisten haben charmante Unterstützung: Die Rettungssanitäterin Stefanie Schönherr, förderndes Mitglied der Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) Marine, berichtet stolz, dass sie jetzt als Soldatin bei der Bundeswehr eingestellt worden ist und bald ihren Dienst antritt. Die Baden-Württembergerin ist die 350 Kilometer wieder extra aus dem Kreis Ludwigsburg nach Köln gefahren: „Das tue ich schon seit acht Jahren. Es macht mir sehr viel Spaß; ich genieße die außerordentliche Kameradschaft hier.“ Die RAG Marine gehört zwar zur Kreisgruppe Südwestfalen. Die Kameraden um Oberstabsbootsmann d.R. Kajo Jung gehören aber beim „Polarstern“ längst mit zum „Stammpersonal“.
 
Kristina Schmidt leitet das fünfköpfige Team des DRK Rösrath, das die Mimen an dieser Station stellt. „Ich komme ebenfalls gern hierhin. Denn ich finde es gut, wenn alle Organisationen, die sich um Schutz und Hilfe für ihre Mitbürger bemühen, gemeinsam Hand in Hand arbeiten.“ Auch hier sind echte Idealisten dabei: Die Verletztendarsteller Sven Leidheuser und Felix Zintl, beide 18 Jahre alt, sind bereits seit zehn Jahren im Jugendrotkreuz aktiv und finden die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sinnvoll und „irgendwie doch längst normal“.
 
Das Team Bravo 2, Angehörige der RSU-Kompanie Rheinland (RSU = Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte der Bundeswehr), nähert sich zwischen den düsteren Häuserblocks vorsichtig an, das Gewehr G 36 in Anschlag. Klare Kommandos, beherztes Zupacken, auch das 30:2, die an einer Puppe geprüfte Herz/Lungen-Wiederbelebung, beherrschen die Wettkämpfer perfekt – volle Punktzahl! An jeder der zwölf Stationen sind hintereinander zwei Teams, Alpha und Bravo, gestartet und laufen den zwölf Kilometer langen Parcours entgegen dem Uhrzeigersinn ab. Militärisches Können, Köpfchen und Kondition werden bei dem gefechtsmäßigen Ablauf gleichermaßen gefragt. Auch ein Schießen im Simulator, Sehen und Hören bei Nacht, Waffendrill unter anderem mit einer Kalaschnikow als unerwartete Herausforderung und die Beantwortung kniffliger Fragen aus dem Bereich der Sicherheitspolitik stehen auf dem Nonstop-Programm. 
 
Der „Polarstern“ ist eine Traditionsveranstaltung des Reservistenverbandes und findet seit 1989 statt, zunächst im Oberbergischen Kreis und jetzt seit Jahren in enger Anlehnung an die Luftwaffen-Kaserne in Wahn in unmittelbarer Nähe des Flughafens Köln/Bonn. Auch nachts sind die startenden und landenden Flugzeuge und Hubschrauber gut zu sehen und geben den Wettkämpfern auf dem in der Dunkelheit unübersichtlichen Übungsplatzgelände zusätzliche Orientierungshilfe. Ihr Auftrag: den Flugbetrieb vor terroristischen Angriffen schützen. Die ausgegebene Lage ist nicht ganz ohne heimlichen Humor: Der fiktive Sicherungszug hat die Nummer 4711 – wie das legendäre Parfüm „Kölnisch Wasser“. 
 
„Verhalten Sie sich gefechtsmäßig, Waffe im Hochanschlag, Gehörschutz benutzen“, ermahnt der Leitende, Oberstleutnant d.R. Axel Wild, die 80 Teilnehmer, darunter auch 16 Niederländer, beim Antreten in der Kaserne. Erstmals starten die Soldaten in Vierer- statt in Dreier-Teams. „Das ist der neuen Arbeitszeitverordnung geschuldet, um die Gruppen schneller durch den Parcours zu schleusen“, erläutert der Leitende. „Wir haben auch die Zahl der Stationen reduzieren müssen, um in der noch erlaubten Zeit zu bleiben. Zudem mussten wir manche Funktionen doppelt besetzen.“ Da solle vor allem bei den kurzen Übungen der freiwilligen Reservisten dringend noch nachgebessert werden, meint Wild: „Wir sind doch nicht hierhingekommen, um mittendrin Pause zu machen.“
 
An Station Nummer sieben werden die Wettkämpfer überraschend beschossen und müssen die in ein Gebäude geflüchteten Angreifer stellen. Wer das nicht umsichtig genug macht, läuft in zwei an den Türen befestigte Sprengfallen. Ein niederländisches Team lässt es gleich doppelt donnernd krachen – gut, dass es nur eine Übung ist. „Es sind gut gestellte Bilder“, lobt der aktive Oberstleutnant Bernd Schlüter, Stabsoffizier für Reservisten im Landeskommando, der den „Polarstern“ aufmerksam inspiziert, die Organisatoren um Axel Wild. „Ohne die vielen Unterstützer wäre man als Leitender von vorneherein verloren“, meint Wild bescheiden. „Den Dienstgrad merkt man hier nicht. Alle sind bei der Sache, und mal führt der Obergefreite und mal der Oberstleutnant.“
 
Am nächsten Morgen sind alle bei der Siegerehrung noch etwas müde. Der erste Preis, ein prächtiger vergoldeter Adler, geht an die Streife Bravo drei, die Reservistenkameradschaft Nümbrecht. Die erschöpften Wettkämpfer und die tapferen Funktioner werden wohl an diesem Samstag sehr früh zu Bett gehen.
 
  
Text:  Helmut Michelis
Fotos: Rolf Patzke

 
 
 
 
 
 
 
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