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Erdbeben in Agadir 1960 -Zeitzeugen gesucht-




  • Von Flottenarzt Dr. Volker Hartmann Sanitätsakademie der Bundeswehr/Dieter Kesting
  • 13.02.2021
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Das Erdbeben

Der 29. Februar 1960 war ein Rosenmontag. Deutschland hatte gefeiert, in den rheinischen Karnevalshochburgen waren die Rosenmontagsumzüge beendet und das Vergnügen hatte sich am Abend in die Kneipen und Vereinsheime verlegt.

Gegen 23.42 bebte die Erde ca. 2.700 km südwestlich von Köln und vernichtete in nur 15 Sekunden die Kasbah und die Europäerstadt von Agadir in Marokko. Das Königreich unter seinem Regenten Mohammed V. hatte gerade erst 1956 seine Unabhängigkeit errungen und musste nun, kaum auf so ein Ereignis vorbereitet, die größte Naturkatastrophe seiner Geschichte erdulden. Etwa 15.000 Einwohner und Touristen kamen in den Trümmern um. 12.000 Verletzte und 35.000 Obdachlose galt es zu beklagen. Sofort setzten daher internationale Hilfsmaßnahmen ein, besonders die französische, spanische und die amerikanische Armee in ihren Stützpunkten in der Region leisteten den marokkanischen Behörden Soforthilfe.

Vorbereitungphase

Das verheerende Unglück rief auch in Deutschland große Bestürzung hervor. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß entschied, auch eine Sanitätseinheit der Bundeswehr zur Unterstützung zu entsenden. Politisch wurde diese Unterstützungsmission nicht als militärischer Einsatz verstanden, für den ein parlamentarischer Beschluss notwendig gewesen wäre, sondern eher als eine Art Übung.

Am Tag nach dem Erdbeben, am 1. März (21.00 Uhr), befahl der Inspekteur des Sanitätsdienstes, Generalstabsarzt Dr. Theodor Joedicke, dem Koblenzer Sanitätsbataillon 5 unter seinem Kommandeur Oberfeldarzt Dr. Carl Merkle einen Hauptverbandplatz in Agadir zu errichten, um Schwerverletzte zu versorgen. Die Abmarschbereitschaft der Truppe (3. Kompanie) wurde bereits für den 2. März 10.00 Uhr festgelegt. Eine Telefon- und Alarmkette setzte ein. Soldaten wurden aus Kneipen geholt, Geräte und Material kamen noch in der Nacht aus Bad Neuenahr, Gießen, Koblenz und Marburg. Tatsächlich gelang es, die Truppe am 2. März um 12.00 Uhr samt Equipment abmarschbereit am Flughafen Köln-Wahn zu versammeln: Eine auch nach heutigen Gesichtspunkten bewundernswerte Koordinationsleistung, die zu großen Teilen auf Improvisationskunst beruhte, da man auf einen solchen Fall auch bei den höheren Stellen natürlich nicht vorbereitet war. In Wahn wartete bereits ein Verladestab bzw. ein Verladekommando unter Nutzung von Kräften der Luftlandeschule Schongau. Auf der Hardthöhe war inzwischen auch ein Koordinierungsstab für das Gesamtunternehmens eingerichtet worden.

In den Einsatz gingen insgesamt 102 Soldaten, darunter sechs Ärzte (davon zwei Chirurgen und ein Hygieniker), zwei Apotheker und 47 Sanitätssoldaten. Unterstützt wurden sie durch zehn ABC-Abwehrspezialisten, 11 Fachleute für Luftverlast, vier Feldköche, zwei Dolmetscher und 16 Marineangehörige, die vor Ort eine Funkstelle einrichten sollten.

Verlegung nach Agadir

Personal und Material wurden in der Folge durch insgesamt 36 Noratlas-Transportmaschinen der Lufttransportgeschwader 61 und 62 ins Erdbebengebiet verbracht. Neben dem Hauptverbandplatz befanden sich darunter auch eine 1.400 Watt Funkstelle, fünf Lkw 0,25 to DKW, ein Lkw 0,75 to Borgward, zwei Kräder und fünf Notstromaggregate. Wie einer der Apotheker, der spätere Generalapotheker Hanns Heidemanns berichtete, gab es bei der Beladung der Transportmaschinen einige Schwierigkeiten, da zum einen das Packmaß der SanKisten nicht bekannt war und zum anderen auch die eigentliche korrekte Beladung des Materials bisher nicht geübt worden war. Dank eines eignungsübenden Majors, der im Krieg in einem Ju 52 Transportgeschwader diente, konnten die Probleme relativ schnell geregelt werden.

Filmemacherin sucht Zeitzeugen von diesem 1. Auslandseinsatz der Bundeswehr

Die freie Filmemacherin Brigitta Weizenegger sucht Zeitzeugen, die bei diesem Einsatz dabei waren. Sie recherchiert über das Erbeben in Agadir und bittet den Reservistenverband um Mithilfe.

Zeitzeugen gesucht

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