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Deutscher Soldatenfriedhof Futapass

„Zwischen dem unterfertigten Lehrherrn und Anna Sperl, Mutter des minderjährigen Ludwig Sperl, ist folgender Lehrvertrag abgeschlossen worden: Firma Stuiber, Schreinerei in Osterhofen, nimmt den am 26. Mai 1926 geborenen Ludwig Sperl als Lehrling auf, damit er das Schreinerhandwerk erlerne. Die Lehrzeit beträgt 3 Jahre, beginnt am 1. Februar 1942 und endet am 1. Februar 1945 vorbehaltlich der erfolgreichen Ablegung der Gesellenprüfung.” 

 

 

Eine laminierte Kopie dieses Lehrvertrags aus dem Jahre 1942 liegt auf einem Grabstein auf dem deutschen Soldatenfriedhof Futa-Pass in der Toskana – zusammen mit einem Foto in Sepiafarben, auf dem ein freundlich in die Kamera schauender junger Mann mit hellem Jackett und Krawatte zu sehen ist. Seine dreijährige Schreinerlehre konnte Ludwig Sperl nicht mehr abschließen, denn er fiel blutjung am 26. Oktober 1944 als Obergrenadier an der sogenannten Goten-Linie.

Diese Verteidigungslinie aus Gräben, Zäunen, Minenfeldern, befestigten Stellungen und Bunkern erstreckte sich über eine Länge von 320 Kilometern von der West- zur Ostküste quer durch Norditalien. Im Norden standen deutsche Truppen, während vom Süden die amerikanischen und englischen Truppen die Front zu durchbrechen versuchten. Ungefähr 75.000 Mann auf deutscher Seite und rund 65.000 auf alliierter Seite wurden hier bis Ende April 1945 getötet, verwundet oder vermisst.

Die am stärksten befestigten Teile der Goten-Linie waren die an den Küsten und die Zone um den 952 Meter hohen Futa-Pass, an dem sich heute mit 30.776 Gefallenen der größte deutsche Soldatenfriedhof in Italien befindet. Die „Reservisten Marsch- und Arbeitsgruppe” sandte im Juni sechs deutsche Reservisten und vier belgische Soldaten a.D. zum Arbeitseinsatz für den Volksbund auf den Friedhof, um die 10.000 Grabsteine mit Motorsensen vom Gras frei zu schneiden. Die großen Grasflächen der 72 Grabfelder wurden vorher von den vier italienischen Gärtnern unter der Leitung von Friedhofsverwalter Michael Caldari abgemäht.

Untergebracht waren die Helfer aus Deutschland und Belgien recht luxuriös in der ehemaligen Jugendbegegnungsstätte auf dem Friedhofsgelände. Dort hatten sie auch in der Freizeit immer die beeindruckende Friedhofsanlage vor Augen, auf der sich eine zwei Kilometer lange Steinmauer spiralförmig den Berg hinauf zieht und in einer steil in den Himmel ragenden Mauerscheibe endet.

Die imposante, archaisch anmutende Kulisse nutzte am Wochenende zwischen den beiden Einsatzwochen die Theatergruppe „Underwear”, die außerordentlich dramatisch das Theaterstück „Salomé” von Oscar Wilde in italienischer Sprache aufführte, das zur Zeit von König Herodes Antipas und Johannes dem Täufer spielt. Die Arbeitsgruppe lud die Schauspieler und Musiker nach der dritten Aufführung zu einem kleinen Umtrunk ein – ein ganz besonderes Erlebnis!

Am letzten Arbeitstag legten die Reservisten im Gedenkraum auf der Spitze des Friedhofs während einer Gedenkfeier im Auftrag des Volksbunds ein Gesteck nieder. In Anwesenheit der italienischen Gärtner und einiger Interessierter vom nahegelegenen Campingplatz trugen die Kameraden das Totengedenken in deutscher, flämischer und italienischer Sprache vor, und Arbeitsgruppenleiter OTL d.R. Peter Weyers sang das Lied vom guten Kameraden.

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