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10.08.2017

Deutsche Wettkämpfer siegreich bei improvisiertem CIOR-Wettkampf in Prag

Die deutsche CIOR-Wettkampfmannschaft erringt den Gesamtsieg und gewinnt zahlreiche Einzelwertungen. Dabei hatte der Wettkampf in Prag es in sich: eine marode Hindernisbahn aus Sowjetzeiten, ein improvisierter Schwimm-Wettkampf und Gluthitze auf der Schießbahn. Ein Erfahrungsbericht über einen nicht ganz gewöhnlichen CIOR-Wettkampf, der wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Der CIOR-Wettkampf gehört zu den größten sportlich-militärischen Herausforderungen der Welt. Jedes Jahr kommen Reservisten aus Nato-Staaten und assoziierten Ländern wie der Schweiz und Südafrika zusammen, um sich in einem hochspezialisierten militärischen Fünfkampf zu messen und die fittesten Reservisten der Welt zu ermitteln. Schießen mit Gewehr und Pistole - präzise und im Schnellfeuer, eine 500 Meter lange Hindernisbahn, eine 50 Meter lange Hindernisschwimmstrecke, die es in Uniform zu meistern gilt, ein militärischer Orientierungslauf mit Kartenlesen und Entfernungsschätzen sowie Handgranatenzielwurf sind die Disziplinen. Neben den körperlichen Herausforderungen treten alle Wettkämpfer auch noch intellektuell in taktischer erster Hilfe und Kriegsvölkerrechtswettbewerben gegeneinander an. Kurzum: Ein umfassender Test der körperlichen und geistigen Einsatzbereitschaft. Wer bei den CIOR-Wettkämpfen erfolgreich ist, kann also sicher sein, zu den in jeder Hinsicht besten Reservisten weltweit zu gehören.

Training für das Unvorhersehbare
Wie Sportler in der Olympia-Vorbereitung trainieren die Reservistinnen und Reservisten der deutschen CIOR-Wettkampfmannschaft mit allen interessierten Bewerbern ganzjährig auf die speziellen Herausforderungen des Wettkampfes, der alljährlich im Sommer stattfindet. Nach einem Winterkonditionstraining im Februar in Bischofswiesen, monatlichen Trainingswochenenden und einer Trainingswoche am Ausbildungszentrum der Infanterie in Hammelburg fühlten sich die deutschen Wettkämpfer dieses Jahr bestens vorbereitet. Wenige Tage vor Abreise dann die Nachricht aus Tschechien: die Wettkampfstätten stehen nicht zur Verfügung - alle Disziplinen müssen spontan improvisiert werden. Vorbereitung von wenigen Stunden am Tag des Wettkampfs statt monatelanger ausgefeilter Trainingskonzepte. Doch das vielseitige Training in Hammelburg und die zahlreichen Anleitungen der Disziplintrainer um  Cheftrainer Major Felix Wernitz für individuelle Übungen zu Hause haben sich ausgezahlt: die deutschen Wettkämpfer meisterten jede noch so unvorhersehbare Herausforderung. Ein realistischer Test wechselhafter Bedingungen, wie sie in Einsatz und Gefecht drohen.

Internationaler Austausch
Der CIOR-Wettkampf ist auch eine ideale Gelegenheit, die eigenen sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen zu fördern und auszubauen. Trotz des Wettkampfes zwischen den Nationen steht sportliche Fairness an erste Stelle. Alle Teams, Ausbilder und Schiedsrichter stehen die ganze Woche im Austausch miteinander. Besonders intensiv ist der Austausch in den internationalen Teams, in denen einzelne Reservisten der verschiedenen Nationen gemeinsam antreten. Stabsgefreiter Alexander Klaas hatte das Vergnügen in Team International 2 mit Kameraden aus Finnland und der Schweiz, Major Dr. Antonio Ruzzu in Team International 4 mit Kameraden aus Schweden und Südafrika anzutreten. Eine ganze Woche englischsprachigen Teamworks gerade in den Stresssituationen körperlicher und mentaler Belastung war für beide eine einzigartige Lernerfahrung. Das Team von Klaas krönte die Erfahrung noch mit dem Sieg in der internationalen Wertung und dem Tagessieg im kombinierten Schießen - zwei weitere Podestplätze unter deutscher Beteiligung.

2017 stiegen die deutschen Wettkämpfer noch früher in den internationalen Austausch ein: Die Mannschaft des Vereinigten Königreichs reiste mit 17 Athletinnen und Athleten zum gemeinsamen Abschlusstraining nach Hammelburg. Ausbildungszentrum Infanterie, Streitkräfteamt,  Reservistenverband und Trainerstab konnten damit kurzfristig sicherstellen, dass auch die britischen Nachwuchsathleten rechtzeitig Wettkampfreife erreichten. Die Mannschaftsführung um Hauptmann Dr. Konstantin Ulrich stellte das gesamte Training auf Englisch um, alle Wettkämpfer wurden gemeinsam intensiv gefordert - wegen einer Woche Dauerregens auch auf einer improvisierten Hindernisbahn in der Halle. Das Training lief so erfolgreich, das Team Großbritannien 5 noch vor drei deutschen Teams auf den Plätzen 2 bis 4 den Tagessieg im kombinierten Orientierungslauf erringen konnte.

Aufbruch nach Prag und Opening Ceremony
Nach gemeinsamer Busanreise der deutschen und britischen Wettkampfmannschaften nach Prag begann der Wettkampf sofort. Keine ausführlichen Tests von Wettkampfstätten und Material, sondern kurze Besichtigung und unmittelbarer Start. Zur Eröffnungsfeier hoch über der Prager Altstadt traten die Wettkampfmannschaften aller Nationen gemeinsam mit den weiteren Teilnehmern des CIOR/CIOMR-Sommerkongresses vor ehrwürdiger Kulisse an und konnten beim anschließenden "Icebreaker" Kontakte pflegen.

Improvisation auf der Hindernisbahn…
Am zweiten Tag fuhren die Sportler zum ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz „Tankodrom Milovidze“. Hindernislauf, Handgranatenzielwurf, Schießen und Orientierungslauf fanden dort statt. Die Hindernisbahn ist nach Privatisierung entstanden und erfüllt keine Standards. 20 im Eigenbau errichtete Hindernisse aus Holz, Seilen und Reifen mussten bisher wohl nur Freizeitabenteurern standhalten. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Hälfte der Hindernisse nach einem 15-minütigen Training den Geist aufgab - auf so viel Kraft und Tempo waren sie nicht ausgelegt. Die Sanierung und Verstärkung begann sofort. Bis drei Minuten vor dem Start des ersten Teams dröhnten Motorsägen und Hammerschläge über den Platz. Mit Erfolg, die verstärkte Bahn hielt fast allen 26 Teams stand. Am Ende siegte Team Niederlande 2 knapp vor Deutschland 4 (Oberleutnant z.S. Björn Junge, Stabsunteroffizier Christian Fritzsche, Staabsgefreiter Thomas Kräuter).

…und beim Schießen
Tag 3 stand ganz im Zeichen des Schießens. Erst Gewehr, dann Pistole bei 37 Grad Celsius im Schatten. Aber den gab es fast nirgends. Auch Waffen waren Mangelware. Ohne die wenigen vorhandenen Waffen wie üblich  justieren zu können, sondern mit teils abenteuerlichen Haltepunkten simulierte der Schießwettkampf das sofortige Nutzen frisch erbeuteter Waffen.

Der Schwimmwettkampf
Am vierten Tag dann Kontrastprogramm: ganztägig im Schwimmbad. Allerdings waren weder eine Wasser-Hindernisbahn, noch genügend einheitliche Uniformen zum Kleiderschwimmen vorhanden. Also improvisierte die Jury wieder: US Navy-Seal Commander Grant Staats entwickelte eine Alternative auf Basis des Seal-Trainings. Mit Deutschland 4 knapp hinter den schnellsten Briten waren am Ende zwei in Hammelburg trainierte Teams vorne.

Showdown beim Orientierungslauf
Denn am fünften Tag stand das abschließende Highlight jedes CIOR-Wettkampfes an, der Orientierungslauf. Wieder ging es per Bus auf den ehemaligen sowjetischen Übungsplatz. Zu Beginn des Laufs der praktische Test in Combat Casulty Care: erste Hilfe an Verletztendarstellern in Bunkeranlagen und unter der strengen Aufsicht der Schiedsrichter, der Ärzte und Sanitäter von CIOMR. Dann 14 Kilometer durchs Gelände: heiß, schwül, dornig und verwachsen; später Platzregen. Karten zum Teil noch aus Sowjetzeiten verlangten den Wettkämpfern viel Vorstellungsvermögen ab: Wie hat sich der Baumbestand in 30 Jahren wohl entwickelt, welche Wege sind neu, welche nicht mehr erkennbar und welche Gebäude auf dem Truppenübungsplatz waren wohl so geheim, dass sie nie auf der Karte waren…? Zum Zieleinlauf noch eine spannende Einlage: wer sich zum vermeintlichen Schlusssprint verausgabt hatte, wurde böse überrascht. Jetzt musste jedes Team noch einen Schützengraben voller Hindernisse und mit Sandsäcken auf den Schultern meistern.

Die Favoriten Deutschland 4 liefen zwar am schnellsten, standen im Ergebnis aber doch hinter Großbritannien 5, die deutlich mehr Handgranaten in die Ziele werfen konnten. Mit Deutschland 3 (Oberstleutnant Mattias Blaschke, Hauptmann Thomas Freudenmann, Oberstleutnant Norman Karmper) und Deutschland 2 (Oberleutnant Christian Oberlander, Oberleutnant Daniel Hummel,  Obergefreiter Dominik Illichmann) auf den Plätzen 3 und 4, prägten Hammelburger Teams die Top 4 der Orientierungslaufwertung.

Nach dem Wettkampf
Zurück im Studentenwohnheim zelebrierten die Wettkämpfer bei einem Sportlerabend ausgelassen die eigenen Leistungen und Erfolge. Der letzte Tag begann intellektuell: drei Stunden Präsentation, Videos und Diskussion zum Kriegsvölkerrecht mit den Juristen des CIOR Legal Committee und anschließendem teamweisen Test.

Dann im Dienstanzug zur Preisverleihungszeremonie. Die deutschen Wettkämpfer umsichtig bei der Platzwahl: am Rand sitzend sparten sie allen Teilnehmern viel Zeit bei ihren zahlreichen Aufrufen. Gesamtsieg und Sieg in der Kategorie Veteran für Deutschland 4, Sieg in der Kategorie Experienced und Platz 3 in der Gesamtwertung für Deutschland 2, Platz 3 in der Kategorie Veteran und in der Sonderwertung Combat Casulty Care für Deutschland 3, sowie der Sieg von International 2 in den Kategorien International Teams und Schießen belegten neben dem 8. Platz in der Gesamtwertung für Deutschland 1 (Stabsarzt Tobias Keil, Hauptmann Daniel Skork, Oberleutnant Sven Wachow) eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der deutschen CIOR-Wettkampfmannschaft. Ein abendlicher Gala-Ball mit Musik und Showtanzeinlagen schloss die Wettkampfwoche stilvoll ab.

Mitmachen
Neugierig und bereit für ultimative Herausforderungen auf internationaler Ebene? Dann bewirb Dich für eines der nächsten Trainigs (z.B. am Wochenende vom 6. bis 8. Oktober) und zeig', wie fit Du wirklich bist. Das CIOR-Wettkampfteam sucht laufend Verstärkung für die nächsten Wettkämpfe, aktuell für Sommer 2018 in Kanada. Dienstgrad egal - Deine Fitness entscheidet.

Videos, Bilder, Termine und Infos zur Anmeldung im Internet: militaerischer-fuenfkampf.de und immer auf dem Laufenden über facebook.com/MilCompGermany/
(red)

Bild oben:
Die deutsche CIOR-Wettkampfmannschaft nach der Siegerehrung
mit Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg, dem Leiter
des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr (l.).
(Foto: privat)

Zweites Bild:
Die Flugrolle durch den Reifen spart wertvolle Sekunden.
(Foto: privat)

Drittes Bild:
Die Wettkämfer von Team Deutschland 1
(Stabsarzt Keil, Oberleutnant Wachow, Hauptmann Skork)
mit starker Gruppenleistung beim Stabilisieren eines schwierigen Hindernisses.
(Foto: privat)

Viertes Bild:
Team Switzerland 1 auf der Hühnerleiter.
(Foto: privat)

Fünstes Bild:
Zieleinlauf nach dem Orientierungslauf: Nach mehr als 14 Kilometern kreuz
und quer durch den Wald zum Abschluss noch mit Sandsäcken durch den Schützengraben.
(Foto: privat)

Bild unten:
Logo der deutschen CIOR-Wettkämpfer.
(Quelle: CIOR Deutschland)


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