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19.02.2016

Vor 100 Jahren begann die Hölle von Verdun

Die Schlacht von Verdun gilt als eine der größten und längsten der Weltgeschichte. Sie sollte den Krieg entscheiden, führte aber in eine beispiellose Materialschlacht mit unvorstellbarem Leid und Massensterben.

Der Generalstabschef des deutschen Heeres, Erich von Falkenhayn, wollte Frankreich mit einem entscheidenden Großangriff schlagen. Als Ziel der Offensive wählte er die Festung Verdun. Die französische Armee sollte gezwungen werden, das Gros ihres Heeres hier einzusetzen, um diesen Ort von nationaler Bedeutung zu verteidigen. Die Aktion trug den Decknamen Operation Gericht.

Fort Douaumont fällt
Der deutsche Angriff mit etwa 500.000 Soldaten begann am 21. Februar 1916 - nicht ohne Wissen des französischen Oberbefehlshabers Joseph Joffre, der die französische 2. Armee am bedrohten Ostufer der Maas auf etwa 200.000 Verteidiger verstärkt hatte. Zuerst machte der Angriff sichtbare Fortschritte, am 25. Februar gelang die Einnahme von Fort Douaumont.

März- und Apriloffensive
Um die effektiven französischen Geschütze am westlichen Maasufer auszuschalten, beschloss die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) eine Großoffensive der Angriffsgruppe West durch das VI. Reserve-Korps. Eine der Spitzen zielte gegen die Höhen Le Mort Homme ("Höhe Toter Mann") und Côte 304 ("Höhe 304"), hinter denen die großen Geschützbatterien standen. Die endgültige Einnahme der Höhen "Toter Mann" und "304" gelang erst Mitte des Monats Mai, Fort Vaux kapitulierte am 7. Juni. Mehr und mehr wurden die Kämpfe zum Zeichen eines völlig entmenschlichten Krieges: Die Soldaten fielen den Granateinschlägen zum Opfer, ohne auch nur einen Feind gesehen zu haben.

Offensive gegen Fleury und Thiaumont
Unter dem Eindruck des Falls von Fort Vaux entschied die OHL einen Großangriff gegen Fort de Souville, das Zwischenwerk Thiaumont und das Dorf Fleury-devant-Douaumont am 23. Juni. Der Angriff verursachte fürchterliche Verluste: Im Morgengrauen bereiteten 230 Artilleriegeschütze den Angriff mit 110.000 Gasgranaten vor, erstmals mit dem neuen Kampfstoff Diphosgen ("Grünkreuz"). Im Dorfgebiet von Fleury kämpften Königlich Bayerische Truppen im Nahkampf und mit Flammenwerfern gnadenlos und extrem brutal, bis es gelang, Fleury ganz zu erobern. Soldaten des Infanterieregiments 140 schafften es sogar auf das Dach des Fort Souville. Acht Kilometer vor Verdun erreichten die Deutschen ihren weitesten Punkt in westlicher Richtung. In der Stadt wurden Barrikaden errichtet, weil man einen Einbruch erwartete. Nach diesem letzten Großangriff befahl Falkenhayn den Abbruch der deutschen Offensive vor Verdun: Am 4. Juni hatte an der Ostfront die Brussilow-Offensive begonnen, am 1. Juli eröffneten britische Truppen die Schlacht an der Somme. Das militärische Engagement hier überstieg die deutschen Kräfte bei Weitem und führte dazu, dass weitere Truppen von Verdun abgezogen werden mussten.

Beginn der deutschen Defensive
Am 23. August 1916 setzte der Kaiser den Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, und dessen Stabschef, General Erich Ludendorff, an Falkenhayns Stelle ein. Nach einem Besuch Ludendorffs an der Westfront ordnete Hindenburg die Beendigung aller Offensivaktionen an. Nach einer Zeit relativer Ruhe fiel Fort Douaumont am 24. Oktober wieder zurück an Frankreich, Fort Vaux musste am 2. November geräumt werden. Die französische Offensive ging noch bis zum 20. Dezember weiter, dann wurde auch sie abgebrochen. 1917 konzentrierten sich die Kriegsparteien auf andere Frontabschnitte, doch kam es auch vor Verdun noch mehrfach zu Gefechten. Im August führten französische Angriffe zur endgültigen Räumung der Höhe "304" und des "Toten Manns" durch die Deutschen.

Die Hölle von Verdun
Das Schlachtfeld bei Verdun hatte sich aufgrund des massiven Einsatzes von Geschützen auf engem Raum innerhalb weniger Wochen in eine Kraterlandschaft verwandelt, in der von Wäldern oftmals nur Baumstümpfe verblieben. Durchschnittlich 10.000 Granaten und Minen gingen stündlich vor Verdun nieder und erzeugten eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse. Beim Explodieren schleuderten sie große Mengen Erde hoch, die zahlreiche Soldaten bei lebendigem Leibe begruben. Viele der Verschütteten konnten nur noch tot geborgen werden. Aufgrund des steten Feuers von Geschützen und Maschinengewehren mussten viele Tote und Verletzte im Niemandsland zwischen den Fronten liegen gelassen werden, weshalb insbesondere in den Sommermonaten schwerer Leichengestank über dem Schlachtfeld hing. Zudem war es im permanenten Geschosshagel oftmals nicht möglich, die Frontsoldaten ausreichend mit Nachschub zu versorgen oder abzulösen. Bereits auf dem Weg zur vordersten Linie verloren zahlreiche Einheiten weit über die Hälfte ihrer Männer. Obwohl die im Juli 1916 begonnene Schlacht an der Somme mit deutlich höheren Verlusten verbunden war, wurden die monatelangen brutalen Kämpfe vor Verdun zum deutsch-französischen Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen kriegerische Handlungen und dient der gemeinsamen Erinnerung und vor der Welt als Zeichen der geglückten deutsch-französischen Aussöhnung.

Der ungekürzte Artikel findet sich in der Februar-Ausgabe unseres sicherheitspolitischen Magazins "loyal" auf den Seiten 48 bis 53. Die "loyal" kann von Mitgliedern auch online gelesen werden. Jetzt hier Mitglied werden und "loyal" elfmal jährlich erhalten.

 

Dr. Christian Herrmann und Wilhelm R. Schreieck

Archivbild oben: Mit einem Schuss aus dem im Wald
von Warphemont stehenden 38-Zentimeter-Bettungsgeschütz
(38 cm Schnellladekanone L/45 "Langer Max")
auf das 13 Kilometer entfernte Verdun und einem
neunstündigen Artillerieinferno von beispielloser Intensität
begann am 21. Februar 1916 um 8.12 Uhr die Offensive
gegen Verdun (Fotoquelle: wikimedia, gemeinfrei).

2. Bild: Eingangsbereich des Forts Douaumont nach der Eroberung
durch deutsche Truppen am 25. Februar 1916 (Fotoquelle: wikimedia, gemeinfrei).

3. Bild: Die Schlacht von Verdun: Ausgangsstellung am 21. Februar 1916
und weitestes Vordringen der deutschen Kräfte am 6. September 1916
(Fotoquelle: Wikimedia unter CC BY-SA 3.0).

4. Bild: Die Narben des Krieges blieben bis heute: Krater von
Granateinschlägen auf dem ehemaligen Schlachtfeld
nahe der Ortschaft Douaumont (Fotoquelle: Wikimedia, gemeinfrei).


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