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Landesgruppe Rheinland-Pfalz

Sicherheitspolitische Arbeit

Hochaktuelle Sicherheitspolitik und Ehrungen im Westerwald




Seminar der Kreisgruppe Rhein-Lahn-Westerwald in Rennerod

 

 

 

 

Foto oben:

Hauptmann Dr. Kai Lemler vom Zentrum Operative Kommunikation sprach über die Sicherheitslage der baltischen Staaten.
Foto: Michael Sauer

Der Vorsitzende der Kreisgruppe Rhein-Lahn-Westerwald, Stabsfeldwebel d. R. Klaus Grollius (Dritter v. l.), nutzte das Seminar als würdigen Rahmen für seit langem anstehende Ehrungen: Ausgezeichnet wurden (von links) Stabsfeldwebel d. R. Lothar Schuy (20jährige Verbands-zugehörigkeit),  Hauptfeldwebel d. R. Klaus Erbach (45jährige Verbandszugehörigkeit), Hauptmann d. R. Volker Fischer (50jährige Verbandszugehörigkeit), Obergefreiter d. R. Stefan  Hilpisch (Ehrennadel des Verbandes in Bronze) und Feldwebel d. R. Bernward Gros    (Landesmedaille in Gold)

Foto: R. Huber

 

Am 1. Oktober wäre es auch durchaus möglich gewesen, einen Rückblick auf die deutsche Wiedervereinigung vorzunehmen. Die Themen des ersten sicherheitspolitischen Seminars der Kreisgruppe Rhein-Lahn-Westerwald nach langer Pandemie-Pause waren aber für diesen Termin maßgeschneidert: Exakt am Tag der Wahlen in Lettland und der Befreiung ostukrainischer Gebiete von der russischen Besetzung befassten sich die Referenten Hauptmann Dr. Kai Lemler und Dr. David Schiller mit der Situation im Baltikum und damit verbunden in der Ukraine.

Den Vormittag gestaltete Hauptmann Dr. Lemler. Der Politikwissenschaftler und Historiker und Mitglied in der RK Scharnhorst in Koblenz seit 2002 ist als Analyst im Zentrum Operative Kommunikation in Mayen tätig. Die sicherheitspolitische Situation im Baltikum ist nach seiner Einschätzung ohne eine Betrachtung der Geschichte Estlands, Lettlands und Lituens zumindest seit dem 18. Jahrhunderts nicht möglich. Die drei baltischen Staaten haben insgesamt eine Bevölkerung von etwa sechs Millionen Menschen auf einer Fläche von etwa 175 000 km². An das Baltikum grenzen im Osten  Russland und Belarus und im Süden Polen und die russische Exklave des Kaliningrader Gebiets.
Im 18. Jahrhundert geriet das Baltikum durch den Großen Nordischen Krieg und die Polnischen Teilungen unter die Knute des russischen Zarenreichs. Diese Herrschaft dauerte bis zum Ersten Weltkrieg, zwei polnisch-litauische Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. In der Folge des Friedensvertrages von Brest-Litowsk entstanden 1918 die unabhängigen Republiken Estland, Lettland und Litauen. Die Unabhängigkeit war nicht von Dauer – schon 1934 wurden im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt die baltischen Staaten als sowjetische Interessensphäre bezeichnet. Hitler erkaufte sich damit eine Vergrößerung des deutschen Besatzungsgebiets in Polen.

Die Zwangseingliederung von Estland, Lettland und Litauen in die Sowjetunion führte zu drei gewaltigen Liquidations- und Deportationswellen zur Folge: Es begann 1940-41  mit dem Vorgehen der Sowjetunion gegen die Herrschaftsschicht, das Militär und die „Bourgeoisie“ und den Klerus. Der Einmarsch der Deutschen 1941 ging einher mit brutalem Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung. Und nach dem Rückzug der Wehrmacht 1944 war es wieder die Sowjetunion, die Kollaborateure, Widerstandskämpfer und oppositionelle liquidierte oder deportierte. Eine starke baltische Widerstandsbewegung von Partisanen versuchte noch Jahre nach Kriegsende, die Besatzungsmacht zu destabilisieren. Sie fanden Schutz in den Wäldern, weshalb sie sich als Waldbrüder bezeichneten. Noch heute ist rund ein Viertel der Bevölkerung in Estland und Lettland und ein Zehntel in Litauen russischstämmig.

Das Gefühl der Bedrohung der Balten durch Russland ist nachvollziehbar, wenn vom „Suwalki-Gap“ als der Achillesferse der NATO gesprochen wird. Gemeint ist die die Südgrenze Litauens mit dem Nato-Partner Polen, die vom russischen Kalinimgrad (Königsberg) im Westen und von Belarus im Osten in kürzester Zeit blockiert werden kann. Es blieben den baltischen Staaten für den Nachschub nur noch die Ostseehäfen, die aber auch durch eine starke russische Flotte bedroht wird. Planspiele haben ergeben, dass im Fall eines russischen Angriffs die Hauptstädte Tallin, Riga und Vilnius innerhalb von nur 60 Stunden von russischen Truppen erreicht würden.
Putin weiß allerdings, dass ein militärisches Vorgehen gegen die NATO-Mitglieder Estland, Lettland und Litauen sofort die gesamte NATO auf den Plan rufen würde. Der Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO würde den Ostseeraum und damit die Verteidigungssituation der Balten verbessern.

Dr. David Schiller, Waffenspezialist und profunder Nahost-Kenner verdeutlichte den interessierten Reservisten in einem mitreißenden Vortrag, dass derzeit viele Kriege in der Ukraine gleichzeitig geführt werden, von denen nur einige erst am 24. Februar 2022 begannen:

< der Krieg der Gefechte am Boden, in der Luft, auf See
< der Cyber-Krieg mit Hackern und Abhörspezialisten
< der Krieg der Nachrichtendienste, Satelliten u. Aufklärer
< der Krieg der Informationen und Desinformationen
< der Wirtschaftskrieg gegen „den Westen“ und die Ukraine
< der Kampf an den Meinungs- und Medienfronten, in den
sozialen Netzwerken, in Talkshows, bei Demos und von Exilgemeinden …

Die deutschen Bürger müssen sich bewusst werden, dass sie alle schon längst ein Teil davon sind. Dazu zitierte Dr. Schiller den Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Waleri Wassiljewitsch Gerassimow: „Die Rolle der nicht-militärischen Mittel beim Durchsetzen von politischen und strategischen Zielen ist gewachsen; in einigen Fällen ist ihre Durchschlagskraft deutlich höher als die von Waffen“. Im derzeit viel zitierten „hybriden Krieg“ werden die Informationstechnologien nach der Meinung des ranghöchsten russischen Militärs zu einer der „perspektivreichsten Waffenarten“.

Und David Schiller schickte die Teilnehmer mit der großen Frage in den Feierabend: „Was kommt nun, als nächstes – hier bei uns? Eine weitere Krise: Iran vs. Israel? China vs. Taiwan?  Bosnien? Baltikum? Cyberattacken? Blackout? Rezession? Armageddon?

Dazu liest man bei Wikipedia: Im erweiterten Sinn bezeichnet der Begriff in der Theologie den eschatologischen Entscheidungskampf. Säkular wird er für sehr große, alles zerstörende Katastrophen überhaupt verwendet.“

 

 

 

 

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