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Nach 47 Jahren im Mainzer „Roten Turm“ wandert die Reservistenkameradschaft Mainz auf die andere Rheinseite aus und nutzt künftig das Vereinsheim des Mainzer Marinevereins in der Reduitkaserne in Mainz-Kastel.

Seit 1973 nutzten die Mitglieder der Reservistenkameradschaft Mainz den mächtigen „Roten Turm“ direkt neben der Bahnlinie zur Mainzer Eisenbahnbrücke als Vereinsheim und setzten sich für die Erhaltung des zwischen 1853 und 1855 entstandenen Rundturms aus rotem Sandstein ein, der zusammen mit dem alten Gaswerk der Stadt Mainz unter dem Architekten Joseph Dörr gebaut wurde. Da außerhalb der Stadt errichtet, mussten die Fabrikgebäude als Festungswerk errichtet werden, um dem Militär im Kriegsfall als Verteidigungsabschnitt dienen zu können. Als Gegenleistung für das pachtfreie Gelände lieferte die Stadt kostenlos Gas zur Beleuchtung militärischer Gebäude in der Stadt. Das gesamte Fabrikgelände einschließlich des Rundturms steht seit 1978 als Denkmalzone unter Schutz.

Im letzten Sommer haben die Stadtwerke den Vertrag mit der RK Mainz gekündigt. Die Reservisten trugen das mit Fassung, weil eine dringend gebotene Renovierung der von ihnen genutzten Räume von ihnen nicht zu stemmen war. Der Rote Turm erlitt seitdem das Schicksal vieler leerstehender Baudenkmäler und diente seitdem nur noch der Mainzer Sprayer Szene als Untergrund für wenig künstlerische Grafitti.

Ziemlich lieblos besprüht: Der markante Rundturm von 1855 an der Bahnlinie von Mainz über die Eisenbahnbrücke zur damaligen Residenzstadt Darmstadt.

 

Auswandern ist vielleicht nicht das richtige Wort für den Umzug nach Kastel. Die „Reduit“ liegt zwar auf hessischem Gebiet. Kastel war über lange Zeit ein Vorort von Mainz, bis die Amerikaner nach 1945 die Landesgrenze von Hessen neu zeichneten. Ein Gedenkstein neben dem benachbarten Favorite-Hotel stellt deshalb auch klar: „Rechts des Rheins ist auch noch Mainz“.

Das neue Domizil kann man von der Spitze des Roten Turms auf der anderen Rheinseite sehen – in der Reduit Kaserne in Mainz-Kastel, die 1832 als Brückenkopf der Mainzer Festung auf rechtsrheinischer Seite gebaut wurde, um den Rheinübergang über die damalige Schiffsbrücke zu sichern. Erst 1885 wurde eine feste Straßenbrücke gebaut, die seit ihrem Wiederaufbau 1950 „Theodor-Heuss-Brücke“ heißt. Es handelt sich also um einen Umzug von einem markanten historischen Gebäude in ein anderes, das ebenso unter Denkmalschutz steht und sogar noch fast 20 Jahre älter ist.

 

Im Sommer 2020 hat Hauptfeldwebel d. R. Richard Allmann, der Vorsitzende der RK Mainz mit vielen Helfern den Roten Turm geräumt und das Eigentum der Reservisten zwischengelagert. Wenn die Pandemie es zulässt, sollen sie zur „Reduit“ transportiert werden.

 

Die auf 1800 Eichenpfählen gegründeten Bauten der Reduit Kaserne zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühen Zeit des Deutschen Bundes. Sie dienten ab 1832 zur Sicherung des rechtsrheinischen Brückenkopfs der damaligen Schiffsbrücke über den Rhein. Erst 1885 wurde eine Straßenbrücke errichtet, deren Bau 27 Jahre lang von den Nutzern durch die Zahlung eines Brückenzolls refinanziert wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie gesprengt; der Wiederaufbau dauerte bis zur Wiedereinweihung im Mai 1950. Bundespräsident Heuss war dabei, und die Brücke trug fortan seinen Namen.

 

Auch die Reduit Kaserne wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. 1950 begann der Wiederaufbau, der sich über Jahrzehnte hinzog. In den renovierten Räumen richteten sich zahlreiche Vereine ein, darunter auch das 1990 eröffnete Museum Castellum und der seit 1889 bestehende Mainzer Marineverein. Kontakte zwischen dem Marineverein und der Reservistenkameradschaft Mainz bestanden schon seit langem, zumal es Mainzer gab, die in beiden Vereinen Mitglied waren. Da lag es auf der Hand, dass auf der Suche nach einem neuen Domizil jemand auf die Idee kam, man könne die liebevoll eingerichteten Räume des Marinevereins in der „Reduit“ gemeinsam nutzen und die Miet- und Nebenkosten gemeinsam tragen.

 

Unter „bombensicheren“ Festungsdecken der gemütliche Saal des Marinevereins, in dem künftig auch die Veranstaltungen der RK Mainz stattfinden werden. Der Saal wurde nach dem Kleinen Kreuzer der Kaiserlichen Marine „SMS Mainz“ benannt, der im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Das zur Kolberg-Klasse gehörende Schiff lief 1909 vom Stapel und wurde im August 1914 im ersten Seegefecht bei Helgoland von britischen Kriegsschiffen versenkt.

 

Optimistisch im Hinblick auf die künftige Kooperation: Stabsbootsmann d. R. Rainer Bärwald (64), Vorsitzender des Marinevereins (links) und Richard Allmann (69), Vorsitzender der RK Mainz.

 

Jeder Reisende, der die Brücke von Kastel nach Mainz überqueren wollte, musste durch dieses Tor und dafür bis 1912 Brückenzoll zahlen. Fast an derselben Stelle verlief aber auch eine wahrscheinlich um das Jahr 30 n. Chr. von den Römern erbaute Steinpfeilerbrücke, die bis zu den Germaneneinfällen im 5. Jahrhundert bestand.

 

Aus den Räumen des Marinevereins blickt man über den Strom hinüber auf die Mainzer Staatskanzlei und die Bögen der Theodor-Heuss-Brücke.

 

Foto: Marineverein Mainz

Eine erste gemeinsame Aktion von Mitgliedern des Marinevereins und der RK Mainz war die Kranzniederlegung am Volkstrauertag 2020 am Mainzer Marineehrenmal am Rheinufer.
V. l.: Reginald Eder, Obermaat d .R. und Schriftführer des Marinevereins, Stabsbootsmann d. R. Rainer Bärwald, Hauptfeldwebel d. R. Richard Allmann und OTL d.R. Lothar Both, Kassenwart der RK Mainz.

 

Text und Fotos: Michael Sauer

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