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Landesgruppe Rheinland-Pfalz

Risikokommunikation als Schlüssel für mehr BioSicherheit





Das II. Forum BioSicherheit fand auf Einladung des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw), der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit (FNSt), des Internetmagazin GLOBAL OBSERVER, des BioTech Clusters CI3 und des amerikanischen Think Tanks ICLS am 12. Mai im Zentrum Innere Führung in Koblenz statt.  Dabei ging es um de Frage inwieweit Risikokommunikation zur Bewältigung biologischer Gefahren sowie Schadenslagen beitragen kann.

Geladen waren nationale und internationale Experten zum Thema Sicherheitspolitik, BioSicherheit, Bevölkerungsschutz sowie Kommunikation, die gemeinsam mit den sehr interessierten Teilnehmern  mit dem Thema verbundene Aspekte erörterten und diskutierten.

Nach der Begrüßung durch Michael Weis (1. Stellv. Vorsitzender VdRBw, Rheinland-Pfalz/ Hrsg. GLOBAL OBSERVER), Cornelia Holtmann (Regionalbüroleiterin der FNSt) und Oberstleutnant Ludwig (ZInFü) führte zunächst Colonel a.D. Terrence Taylor (Vorsitzender ICLS) in das Thema BioSicherheit am Beispiel des Umgangs mit H5N1 ein.

Taylor verwies darauf, dass die Gefahr durch Pandemien nach wie vor nicht gebannt sei. Eine Pandemie beträfe jeden gleichsam, sei weder vorherseh- noch kontrollierbar, verbreite sich in schlecht kalkulierbarer Geschwindigkeit bzw. getarnt durch Inkubationszeiten, erfordere ein breites Spektrum an Maßnahmen und könne das öffentliche Leben völlig zusammenbrechen lassen.  Es sei zudem nur eine Frage der Zeit, so Taylor, wann wir es mit der nächsten biologischen Bedrohung zu tun bekämen. Um sie zu meistern läge der Schlüssel in der Vorbereitung des Hilfesystems sowie der Kommunikation der Risiken und in der Nutzung neuer Technologien (wie der Gentechnik) sowie der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Fähigkeiten. Diese seien keine Gefahr sondern der Schlüssel letztere zu bewältigen.

Daran anknüpfend erläuterte Oberst a.D. Peter Weinheimer (Autor & Berater des BBK) die Bedeutung von Risikokommunikation zur Bewältigung von Schadenslagen. Im Gegensatz zur Kommunikation in der Krise selbst böte die Risikokommunikation die Möglichkeit bereits im Vorfeld das angemessene Verhalten im Schadensfall anzulegen, sofern nicht der Schadenfalls selbst zu vermeiden sei. Dabei sei der mündige Bürger das Ziel des kommunikativen Handelns. Er würde zur Selbsthilfe befähigt und somit Teil der Schadensbehebung.
Leider, so Weinheimer, sei die anlassbezogene Krisenkommunikation noch immer die Regel – die anlassunabhängige Risikokommunikation bilde die Ausnahme. Es sei darum an der Zeit einen konsequenten politischen Willen zu entwickeln, die Ressourcen bereitzustellen und das notwendige Verwaltungshandeln zu initiieren. Basis dafür sei freilich das Vorhandensein der nötigen Fachkompetenz in der Risikokommunikation.
Auf diesem Wege sei es möglich eine robuste Gesellschaft der mündigen Bürger zu schaffen, in welcher Krisen mit möglichst geringem Schaden (auch für die gesellschaftliche Ordnung) bewältigt werden könnten.

Dr. Stephen Redd (Director Influenza Coordination Unit – Centers for Disease Control and Prevention) vom amerikanischen Zentrum für biologische Sicherheit erläuterte – als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Influenza – am Beispiel von H1N1 die massiven Folgen einer weltweiten Grippeepidemie. Dabei stellte Redd heraus, dass in Folge der globalen Vernetzung und der damit verbundenen Reisebewegungen eine lokale Krankheit binnen kürzester Zeit zu einem globalen Problem werden könne. In diesem Zusammenhang betonte er die Bedeutung der Information der Bevölkerung um Akzeptanz für das dann notwendige Handeln zu schaffen. Information vor einer Krise sei dabei ein wichtiger Faktor um in der Krise richtig kommunizieren und handeln zu können. Dabei seien Unterschiede in Kulturen und Nationen zu berücksichtigen.

Auch Frau Dr. Gaby-Fleur Böl (Abteilungsleiterin Risikokommunikation im Bundesinstitut für Risikobewertung) betonte daran anknüpfend die Bedeutung der zielgruppenadäquaten Kommunikation vor und während der Krise. Schließlich ginge es darum dem Bürger die tatsächlichen Risiken bereits vor einer Katastrophe vor Augen zu führen. In der Vergangenheit habe sich nämlich gezeigt, so Böl, dass Risiken vielfach völlig falsch eingeschätzt würden. Die Folge sei teilweise ein Ausweichverhalten das noch gefährlicher sei als der Gefahr der vermeintlich ausgewichen würde.
Mit plastischen Beispielen erläuterte Böl in diesem Zusammenhang, dass es somit entscheidend sei den Bürger unaufgeregt aufzuklären und eine Kultur der Risikokommunikation zu entwickeln. Diese fehle in Teilen noch, auch wenn der Weg dorthin bereits beschritten werde.


Text: Michael Weis
Bilder: Thomas Brammer-Türck


v.l.n.r: Stv.d.Präs.VdRBw Rainer Erdel MdB, Dr. Gaby-Fleur Böl, Dr. Peter Boßdorf,
O. a.D. Peter Weinheimer, Dr. Rainer Wessel

PODIUMSDISKUSSION                  

Am Ende des 2. Forums Biosicherheit wurden unter Leitung von Dr. Peter Boßdorf (Geschäftsführer des auf Sicherheitspolitik spezialisierten Mittler-Report-Verlags) die Kernaussagen der Vorträge noch einmal zusammengeführt und mit den Teilnehmern im Publikum erörtert.
Dr. Böl wies darauf hin, dass in Risikosituationen Kommunikation nur dann funktioniere, wenn Glaubwürdigkeit hinzukomme. Da die Bürger den Politikern nur begrenzt Glaubwürdigkeit attestierten, mache es Sinn, sich bei der Kommunikation mit Gruppierungen zusammen zu tun, die von Hause aus als glaubwürdig eingestuft werden. Das von den Bürgern gefühlte höhere Risiko der Gegenwart gegenüber früher beruhe weniger auf rationalen Fakten sondern auf genaueren Messmethoden: Heute sei der Nachweis von einem Stück Zucker im Bodensee möglich….

Den schon jetzt geleisteten Beitrag der Wirtschaft zur Risikokommunikation verdeutlichte Dr. Rainer Wessel am Beispiel der Abwägung zwischen unterschiedlichen Risiken: Dem Risiko der Nutzung von Gentechnik bei der Entwicklung neuer Krebsmittel und dem Risiko des Einzelnen, ohne diese Mittel früher an Krebs sterben zu müssen. Er machte auch darauf aufmerksam, dass heute immer noch mehr als sieben Monate Zeit benötigt werden, um einen Impfstoff gegen einen neu identifizierten Influenza-Stamm zu entwickeln. Wenn die Wirtschaft mit erheblichem Einsatz von Mitteln diesen Zeitraum verkürzen könne, spare das am Ende Steuermittel und verbessere den Handlungsspielraum der Beteiligten.

Von der Gefahr, dass Risiken für politische Kampagnen genutzt werden, sprach der Stellvertreter des Präsidenten des Reservistenverbandes, Oberst d.R. Rainer Erdel. Der FDP-Bundestagsabgeordnete ist als selbständiger Landwirt ein Exot im Bundestag, dessen Rat nicht nur im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefragt ist sondern auch im Verteidigungsausschuss. Er sehe ein, so Erdel, dass Risikokommunikation keinen Zeitverzug vertrage. Die EHEC-Krise zeige aber auch, wie eine vorschnelle Information der Bürger Schaden anrichten könne. Bundesministerin Aigner habe damals vor der Gefahr des Verzehrs von Gemüse und Salat in Nordde

utschland gewarnt. Den Bürger sei darauf von den Medien vermittelt worden, man solle die Finger von Gemüse aus Norddeutschland lassen, was großen wirtschaftlichen Schaden bewirkt habe.  

Nach Ansicht von Dr. Böl hat – anders als bei der Nanotechnik – bei der Gentechnik die Kommunikation versagt: „… ihre Akzeptanz ist so gering, dass künftige Kommunikationsversuche kaum Chancen haben, es sei denn bei der Krebstherapie.

Einen positiven Schlussakzent setzten die Teilnehmer des Podiums mit dem Hinweis auf die neuen Medien und die Ergebnisse von neuen Forschungsstudien über die sogenannte Schwarmintelligenz. Man könne heute als Bürger zur Echtheit von Information beitragen und über die sozialen Medien Falschmeldungen in kürzester Zeit bereinigen. Dr. Bossdorf und Oberst a.D. Weinheimer verdeutlichten aber auch, dass die klassischen Medien weder ein „interessefreier Transmissionsriemen“ sind, noch zur Propaganda zugunsten der Verwaltung verpflichtet werden können. Der politische Auftrag zur Risikokommunikation könne nicht allein über Broschüren erfolgen; man müsse auf die Menschen zugehen und sie berühren. Wenn Politik und Verwaltung beim Kommunizieren von und über Risiken mehr Mut zeigten, würden die Bürger das honorieren.

Text und Bild: Michael Sauer


Persönliches Fazit der Veranstaltung von…

Dr. Rainer Wessel

Dr. Stephen Redd

 



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