DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu

Landesgruppe Rheinland-Pfalz

Zwei Seiten des Schreibtischs – als Soldat und Journalist im Bundeswehreinsatz





Eine gutbesuchte, sicherheitspolitische Veranstaltung der Kreisgruppe Rheinhessen am 7. November 2015 in Wörrstadt machte es möglich, an den Bundeswehr- und Einsatzerfahrungen des vielbeschäftigten Chefredakteurs unseres Verbandsmagazins teil zu haben.

Marco Seliger zeigte unter Zuhilfenahme vergangener Loyal-Berichte die falschen Hoffnungen von Bundeswehr und Politik der letzten Jahre schonungslos auf. Im Zentrum seiner Kritik standen vor allem gescheiterte Rüstungsvorhaben, wie auch Irrtümer der politisch Verantwortlichen.

Er bezeichnete selbst seinen Vortrag als einen Rückblick in kritisch- distanzierter Verbundenheit zur Führung des Verbandes und der Bundeswehr. Auch dies sei als Loyalität zu verstehen.

Die Berichterstattung über Rüstungsvorhaben sei nunmehr kritischer geworden. So bezeichnete er den Einsatz des Hubschraubers „Tiger“ in Krisengebiete als untauglich. 

In seiner kritischen Abrechnungen mit der Führung der „alten“ Bundeswehr der 90er-Jahre kam er auch zu dem Schluß, dass die Wehrpflicht die Bundeswehr gehindert habe, eine moderne Armee zu werden.

Auch die Beschaffung des „Eurofighters“ stand in seinem kritischen Fokus. So könne die Bundeswehr defekte Teile (Modultechnik) nicht selbst reparieren, sondern müsse diese an den Hersteller zurückschicken. (Gelddruckmaschine der Industrie. Anmerkung der Redaktion). 

Die höchsten Rüstungsausgaben mit der geringsten Durchhaltefähigkeit (zwei Tage) seien bei der Luftwaffe zu verzeichnen. Als Beispiele wurden Kosten für eine Flugstunde im Eurofighter werden mit 70.000 € und eine Luft-Luft-Rakete mit einer Million Euro angegeben. 

Dabei stehe auch die Verteidigungsbereitschaft des Landes auf dem Spiel, wenn man Nachschubwege schafft, die kaum glaubhaft sind. So werde die Munition für die Panzerhaubitze in Südafrika hergestellt. (Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Anmerkung der Redaktion). Auch der Hubschrauber  NH 90  müsse nachgerüstet werden und würde damit für mindestens zwei Jahre ausfallen.

Selbst die Einsatzfähigkeit der Marine müsse man bezweifeln, wenn ein Schiff jahrelang keine Bewaffnung hat, wie er am Beispiel der Korvette 130 aufzeigte.

Die Behandlung von traumatisierten Heimkehrer aus dem Auslandseinsatz war ein Kernpunkt seiner Ausführungen. Reservisten müssten sich darüber im Klaren sein, dass sie nach einem Auslandseinsatz als komplett veränderte Menschen zurückkommen können. Die Bundeswehr musste plötzlich mit diesem Problem zurecht kommen. Die Bundeswehr aber auch der Reservistenverband habe eine Verpflichtung diesen Menschen zu helfen. Allerdings wisse die Bundeswehr nicht, wo sich die ehemaligen, psychisch erkrankten Soldaten aufhalten.

Die Berichterstattung nach der Wiedervereinigung über das „Verwahrloste Erbe der Sowjetarmee„, habe den Westen, die Bundesrepublik zu einer falschen Lageeinschätzung der russischen Armee geführt. Dieses Bild sei nicht mehr zu halten und habe sich unbemerkt gewandelt. (Was machen  eigentlich Geheimdienste so?  Anmerkung der Redaktion). 

Währenddessen hat die Bundeswehr sich anderen Themen „Soldat auf Teilzeit“ oder mit „Frauen in der Bundeswehr“ und deren Besonderheiten beschäftigt. Seliger stellte gnadenlos fest, dass Teilzeit-Soldaten unvereinbar mit den militärischen Erfordernissen sind. Teilzeit bedeute bei der Bundeswehr, die Mehrarbeit falle andern Soldaten zu.

Die Sinnhaftigkeit eines Einsatzes im Irak bezweifelt Marco Seliger. Man kann ein Land nicht befrieden, deren Besonderheiten man aus westlicher Sicht nicht versteht und das eigentlich dreigeteilt ist und aus einem Kurdischen-, Schiitischen- und Sunnitischem-Anteil bestehe. (Dies gilt in besonderem Maße auch für Afghanistan. Anmerkung der Redaktion).

Der Verteidigungsminister Thomas de’ Maziere habe einmal festgestellt, „Soldaten sind zum Kämpfen da“. Für Soldaten ist das selbstverständlich, aber nicht für viele Politiker.

Dass die Bundeswehr sowohl im ehemaligen Jugoslawien und besonders in Afghanistan sich in einem Krieg befand, davon würde erst heute gesprochen werden.

 

Text: Elmar Jacques
Bild: Harald E. Nowak

Verwandte Artikel

Weihnachtsgrüße

Weihnachtsgrüße 2022...

06.12.2022 Von Philipp Koch
Sicherheitspolitische Arbeit

Militärhistorische Exkursion

Das Sondermunitionslager Treysa, während der Betriebszeit Sondermunitionslager Rörshain genannt, war eines der von US-amerikanischen Einheiten im inneren Bereich bewachten und...

06.12.2022 Von H.D.K.
Allgemein

Bundeswehr und Reserve - Newsblog KW 49

Was berichten die Medien in dieser Woche über die Bundeswehr und ihre Reserve? Welche Themen stehen auf der sicherheitspolitischen Agenda?...

06.12.2022 Von Sören Peters