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Bildautor: Michael Heinz

RAG Schießsport Obere Kyll auf den Spuren der Ardennenoffensive

 

Man kann, wenn man sich für Militärgeschichte interessiert, Fernsehdokumentationen schauen, die ja 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs verschiedentlich auftauchen, oder man liest Bücher zum Thema. Am tiefsten im Gedächtnis verankert bleibt erfahrungsgemäß eine militärgeschichtliche Exkursion unter kundiger Führung. Genau so machten es die Mitglieder der Reservistenarbeitsgemeinschaft Schießsport Obere Kyll. Es ging um die Ardennenoffensive Ende 1944 rund um Rocherath (ein Ortsteil der Gemeinde Büllingen, in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) und Hollerath (direkt an der Grenze zu Belgien, an der Bundesstraße 265).

Der RAG-Vorsitzende Reiner Schroden konnte als Referenten Erich Hönen gewinnen. Der mittlerweile pensionierte Förster, der auf der belgischen Seite der Grenze zuhause ist, kennt die Kriegsschauplätze in den Wäldern rund um Rocherath und Hollerath wie kein Zweiter. Die Gruppe begab sich zuerst zur „Erinnerungsstätte Hasselpath“. Diese liegt in der Nähe von Rocherath. In diesem Gebiet fanden im Dezember 1944 heftige Kämpfe zwischen den Soldaten der 277. Volksgrenadierdivision und der 99. US-Infanteriedivision statt. Diese amerikanische Einheit bestand aus rund 10.000 jungen Soldaten, die gerade aus der Heimat kamen und noch keine Kriegserfahrung hatten, weshalb sie von anderen Einheiten „Battle Babies“ genannt wurden. Genau durch dieses Waldgebiet zwischen Lanzerath in Belgien und Höfen auf deutscher Seite verlief mit Beginn der Ardennenoffensive ein Angriffskeil der deutschen Truppen. Die vom Einschluss bedrohten amerikanischen Verbände konnten sich bis zu einer neuen Abwehrlinie vor Elsenborn (Belgien) absetzen, und die 277. Volksgrenadierdivision (VGD) besetzte die eroberten Stellungen am Hasselpath. Trotz mehrmaliger verbissener und verlustreicher Angriffe der deutschen Truppen auf die Verteidigungslinie bei Elsenborn konnten die Amerikaner diese bis zum Ende der Kämpfe halten. Verwundete Soldaten beider Seiten wurden am Sanitätsplatz versorgt. Zu diesem und zu anderen Stellen in der dicht bewaldeten Gegend, wo Kämpfe stattgefunden hatten, wurden die Teilnehmer von Erich Hönen geführt. Hönen hatte dazu originale Fundstücke aus der Region themenbezogen an Punkten des Rundganges niedergelegt.

Am Ende des durchaus fordernden Rundgangs ging Höhnen noch auf die Geschichte des amerikanischen Gefreiten David A. Read (geborgen am 17.03.2001) und des deutschen Unteroffiziers Hans Hermann Paulsen ein. Nach einer Stärkung begab sich die Gruppe noch zu zwei weiteren interessanten Stellen am Fuße des Rathsberg in der Nähe von Hollerath. Dort sprach Höhnen über zwei dort gefundene Soldaten. Als erstes hielt die Gruppe an der Fundstelle des Gefreiten Friedrich Kindler (277. VGD) inne. Kindler fiel am 16.12.1944 in den ersten Stunden der Ardennenoffensive. Seine Gebeine wurden aber erst im Dezember 2003 gefunden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde er in den amerikanischen Unterlagen als „missed in action“ (Vermisst im Kampf) geführt. Kindlers Erkennungsmarke ermöglichte die Identifizierung. Nach Recherchen und dem Hinweis eines in Wien lebenden Veteranen wurde die Tochter des Gefallenen ausfindig gemacht, die dann im April 2004 an der Bestattung ihres Vaters in Oberreifferscheid teilnehmen konnte. Viele ehemalige Kameraden von Kindler waren dabei. In Sichtweite von Kindlers Fundstelle wurden auch die Überreste des amerikanischen Unterleutnants Lonnie O. Holloway gefunden. Der in Texas geborene Holloway wurde bei den Kämpfen als Zugführer eingesetzt und galt seit dem 17.12.1944 als vermisst. Erst im November 1990 konnte er im Wald lokalisiert werden. Seine sterblichen Überreste wurden in sein Heimatland überführt; er erhielt ein Ehrengrab auf dem Sam Houston Nationalfriedhof in Texas. Beide Soldaten hatten aber nicht gegeneinander gekämpft. Die Wirren des Krieges sorgten dafür, dass beide in Sichtweite zu unterschiedlichen Zeiten gefallen sind.

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