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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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Reservistenkameradschaft Selztal

Verband

107. Sicherheitspolitischer Stammtisch




Preußische Auftragstaktik im Mittelpunkt des 107. Stammtischs der RK Selztal


Über die preußische Auftragstaktik referierte der in Jugenheim lebende Generalmajor a.D. Christian Millotat, früherer Befehlshaber im Wehrbereich II, vor den Reservisten der RK Selztal im Rathaus von Klein-Winternheim. Der General, ein ausgewiesener Kenner der preußischen Heeresreformer  und Mitautor der Dienstvorschriftenreihe HDv 100 erläuterte allgemeinverständlich die Grundzüge einer immer weiter entwickelten Auftragstaktik bei der Stabsarbeit, der Entscheidungsfindung, der Befehlsgebung und beim Führen von Soldaten. Er ging auch darauf ein, wie die Befehlstaktik der deutschen Streitkräfte in den Streitkräften anderer Staaten aufgenommen und bewertet wurde.

Das Führen mit Auftrag beschreibt eine Art und Weise, Menschen zu führen, und steht in der Bundeswehr in direkter Beziehung zur Inneren Führung. Der militärische Führer gibt den Soldaten das Ziel vor, weist für die Auftragsdurchführung die benötigten Kräfte bzw. Ressourcen zu und gibt auch meist noch den Zeitansatz vor. Auf Basis dieser Rahmenbedingungen verfolgt und erreicht der Geführte das Ziel selbständig. Der Ausführende ist in der Durchführung des Auftrages weitgehend frei. Dies sichert die Flexibilität in der Auftragsdurchführung und trägt zur Entlastung höherer Führungsebenen bei. Wesentlich ist dabei, dass der Beauftragte den militärischen Vorgesetzten über seine Absichten, die Durchführung und Fortschritte informiert, und diesem damit die Gelegenheit gibt, abgestimmte und korrigierende Maßnahmen im Sinne seines vorgegebenen Zieles zu ergreifen. Genauso wichtig ist aber auch, dass die Untergebenen in der Umsetzung des Auftrages auch Fehler machen können – solange sie den denkbar größten Fehler (nämlich aus Unsicherheit nichts zu unternehmen) vermeiden.
Von besonderer Bedeutung für den Erfolg des Führens mit Auftrag ist, dass die unterstellten Führer die Absicht der übergeordneten Führung kennen und so ausgebildet sind, dass sie für sich im Rahmen der Auswertung des Auftrages  ihr eigenes Handeln im Sinne der übergeordneten Führung ableiten können.


Fort Eben-Emael /Der Einsatz am Albert-Kanal
Im zweiten Teil des Abends beschäftigten sich die Reservisten mit einem konkreten Beispiel einer militärischen Operation, die unter Beachtung und gerade wegen der Einhaltung der Grundsätze der Auftragstaktik unter schwierigen Bedingungen zum Erfolg wurde: Die Eroberung der als uneinnehmbar geltenden belgischen Festung Eben Emael bei Maastricht durch deutsche Fallschirmjägerpioniere. Mit neun Lastenseglern landeten sie im Morgengrauen des 10. Mai 1940 lautlos und deshalb völlig überraschend auf dem auf Plateau der Festung und zerstörten in kürzester Zeit mit neuen Waffen (Hohlladungssprengkörper) die Festungswerke von oben. Diese Operation hätte auch in einem Fiasko enden können, denn der Führer der Kampfgruppe „Granit“, der damalige Oberleutnant Rudolf Witzig (1916 – 2011) erreichte das Fort nicht gemeinsam mit seinen Soldaten, sondern musste nach dem Riss eines Schleppseils in den Rheinwiesen bei Düsseldorf notlanden. Seine Soldaten erreichte Witzig erst mit einer Ersatzmaschine zweieinhalb Stunden später. Seine gemäß den Grundsätzen der Auftragstaktik sorgfältig ausgebildeten Fallschirmpioniere hatten da den Erfolg schon weitgehend gesichert, was dazu führte, dass sich die rund 1000-köpfige Besatzung des Forts ergab und in Gefangenschaft geriet. Nach dem Krieg diente Witzig über ein Vierteljahrhundert als Bundeswehroffizier und beendete seine Dienstzeit als Oberst und Abteilungsleiter an der Pionierschule der Bundeswehr in München.
Vorgeführt wurde dazu eine Filmdokumentation aus dem Jahre 1995 – also aus einer Zeit als die meisten Soldaten der Kampfgruppe „Granit“ noch lebten und als Zeitzeugen gehört werden konnten. Die von dem Rundfunkjournalisten und Oberst d.R. Wolf Detlef Maudacher erstellte Dokumentation hatte der in Mainz im Ruhestand lebende Sohn von Rudolf Witzig, Oberst a.D. Jürgen Witzig zur Verfügung gestellt.
Unter den interessierten Zuhörern des von Oberst d.R. Michael Sauer moderierten Abends waren auch der Vorsitzende der Landesgruppe RLP, Oberst a.D. Joachim SandenFlottenarzt d.R. Dr. Walter Altherr (sein Vorvorgänger im Amt und Ehrenvorsitzende der Landesgruppe), der Stabsoffizier für Reservistenarbeit Oberstleutnant Heisam El-Araj sowie der Landesgeschäftsführer Marko Schubert und Michael Metzler von der Kreisgeschäftsstelle.

Text und Fotos: M.Sauer

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