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Der Bogen in die Gegenwart




Foto: Kameraden der RK Leipzig und der RK Spielmannszug Sachsen nach der Einweihung des Denkmals

Nach Jahrhunderten der Zerrissenheit und deutschen Kleinstaaterei markieren der Deutsch-Dänische Krieg (1864), der Deutsche Krieg (der militärische Konflikt insbesondere zwischen Preußen und Österreich 1866) und schließlich der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 den Weg hin zum deutschen Nationalstaat im Herzen Europas.
Im Ergebnis der sog. „Deutschen Einigungskriege“ entstand durch den Beitritt Badens, Bayerns, Württembergs und Hessen-Darmstadts zum Norddeutschen Bund unter preußischer Führung 1871 das Deutsche Reich.
In vielen deutschen Städten und Dörfern wurden Kriegsdenkmäler errichtet, es wurde der eigenen Söhne gedacht, die für ihr Vaterland in diesen Kriegen gekämpft hatten – und in vielen Fällen ihr Leben verloren hatten. So auch in Zitzschen südwestlich von Leipzig.
 
Ende 2015 wurde das frisch renovierte Mahnmal, das zu DDR-Zeiten vor etwa 60 Jahren aus der Ortsmitte auf den Friedhof verbannt und dem Verfall preisgegeben worden war, mit militärischen Ehren an historischer Stelle wieder eingeweiht. Das es hierzu kam, ist dem fleißigen Wirken des Heimatvereins Zitzschen zu verdanken, der die Initiative ergriffen und unermüdlich Spenden eingeworben hatte.
 
Die Reservistenkameradschaft  Leipzig stellte eine Ehrenformation und legte einen Kranz nieder. Eine Abordnung des Reservistenspielmannszuges Sachsen ließ vor etwa 150 Anwesenden u.a. „Ich hatt´ einen Kameraden“ erklingen.
 
Initiator und Ortschronist Daniel Kalis wünschte sich in seiner Ansprache einen würdigen Platz für das Denkmal, mit dem der „Opfer der längst vergessenen Kriege“ gedacht werden solle und auch für den evangelischen Ortspfarrer Oliver Gebhardt sei ein Kriegsdenkmal „kein Jubelort, sondern ein Nein zum Vergessen der Opfer“.
 
Oberleutnant der Reserve Haiko Hertes von der Reservistenkameradschaft Leipzig schlug in seiner Rede den Bogen in die Gegenwart. Er erinnerte an etwa 3.200 gestorbene Angehörige der Bundeswehr und insbesondere die mehr als 100 gefallenen Kameraden der Auslandseinsätze unserer Armee und das heutige Gedenken: „Man gedenkt dem Soldaten, dem Kameraden, dem Gefallenen. Demjenigen, der in der Ausübung seiner Pflichten für sein Land und seine Überzeugung sein Leben ließ. Jedoch wird der Soldat eben nicht zum Krieger heroisiert. Seine Angehörigen und Kameraden gedenken seiner Taten und seinem Leben, nicht des Krieges oder Konfliktes, in dem er sein Leben verloren hat. Nichts desto trotz ist es natürlich wünschenswert, dass die Gesellschaft etwas über die Umstände erfährt, in die sie ihre Soldaten entsendet und unter welchen sie dann eben auch zu Tode gekommen bzw. gefallen sind. Dazu können Orte des Gedenkens informieren und ein Nachdenken anregen. Insofern erfüllen diese Orte neben ihrer erinnernden auch eine mahnende Funktion.“
 
In der Bevölkerung werde, so Haiko Hertes weiter, „der Soldat häufig mit Krieg und Gewalt gleichgesetzt, dabei ist er es, der beides zu verhindern sucht. Er ist der Letzte, der sich den Krieg wünscht und doch einer der Ersten, der seine Auswirkungen zu spüren bekommt.“
 
Text: Andreas Müggenburg
Foto: Michael Hoffmann

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