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Kameradschaft in Schleswig-Holstein, Reservisten und Aktive
Kameradschaft in Schleswig-Holstein
Reservisten beim Tag der Bundeswehr in Hohn
Reservisten beim Tag der Bundeswehr in Hohn
Reservisten und Aktive bei einer öffentlichen Vorführung zum Tag der Bundeswehr in Plön 2017
Reservisten und Aktive bei einer öffentlichen Vorführung zum Tag der Bundeswehr in Plön 2017
Der Schießsport in der Landesgruppe, nur Eine Möglichkeit voll dabei zu sein.
Die Barkasse Kuddel der RK Marine Kiel bei der Kieler Woche auf der Förde
Kameraden aus verschiedenen RK´s bei einer Übung nähe Neumünster
Unsere Kameradinnen sind mit Herz und Seele dabei.
Im Gedenken der gefallenen Kameradinnen und Kameraden auf der ganzen Welt
Im Gedenken der gefallenen Kameradinnen und Kameraden auf der ganzen Welt

Landesgruppe Schleswig-Holstein

„Das alles erfordert dringend eine strukturelle Nachsteuerung“




KIEL / BERLIN. Genau genommen ist er gar kein echter „Kieler Jung“, denn geboren wurde Dr. Hans-Peter Bartels am 7. Mai 1961 in Düsseldorf. Sein Abitur machte der designierte Wehrbeauftragte des Deutrschen Bundestages aber 1980 bereits in Kiel. Nach dem Wehrdienst folgte ein Politikstudium an der der Christian-Albrechts-Universität, ein Abstecher in die Redaktion der „Kieler Rundschau“ und schließlich eine Anstellung in der Kieler Staatskanzlei. Seit 1998 ist Bartels SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Kiel, Altenholz und Kronshagen, seit einem Jahr Vorsitzender des Verteidigungsausschusses und ab Mai neuer Wehrbeauftragter.

1. Herr Dr. Bartels, woher rührt eigentlich Ihr Interesse an der Bundeswehr?

Da kommt einiges zusammen: Der Wahlkreis Kiel mit dem großen Marinestützpunkt und den Werften; die schicksalhafte Rolle des Militärs in der deutschen Geschichte – auch in unserer Kieler Geschichte: der Aufstand der Matrosen, der zur Revolution und zur ersten deutschen Republik führte; und im Zweiten Weltkrieg die 85-prozentige Zerstörung der Stadt; mein eigener Wehrdienst Anfang der Achtziger Jahre; das Studium der Politikwissenschaften und insbesondere der internationalen Beziehungen… Also für den in Kiel gewählten Bundestagsabgeordneten lag es recht nahe, sich im Parlament um einen Sitz im Verteidigungsausschuss zu bemühen.

2. „Der echte Norden“, also Schleswig-Holstein, hat bei den vergangen Truppenreduzierungen besonders zu leiden gehabt. War das aus Ihrer Sicht ein Fehler? Wo müsste ggf. nachgebessert werden?

Bei der Marine war ja von Peter Struck schon nachgebessert worden. Er hat den Marinestützpunkt Kiel überhaupt erst wieder hergestellt. Den teuren Umzug des MOC von Glücksburg nach Rostock finde ich immer noch etwas fragwürdig, finanziell und militärisch.  Und das Kaputtsparen der staatlichen Materialerhaltungskapazität für die Marine, also die Schließung eines von zwei Arsenalbetrieben geht am Ende zu Lasten der Schnelligkeit, der Flexibilität, der Einsatzfähigkeit – und des Haushalts. Über den Unsinn des Umzugs der alten Sea Kings von Holtenau nach Nordholz habe ich schon oft genug geklagt. Struck hatte die vorzeitige Umstationierung 2003 zu Recht abgelehnt, mit der Guttenberg/de Maiziere-Reform gab es dann die Kehrtwende. Auch hier wurde aus meiner Sicht eine schon prekäre Einsatzfähigkeit ohne Not noch weiter erschwert und weiteres Geld verbrannt. Aber das ändert niemand mehr.

3. Der bisherige Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein, Oberst a.D. Hannes Wendroth,  hat bei seiner Verabschiedung das Ende der Wehrpflicht ungewöhnlich deutlich kritisiert. War diese politische Entscheidung auch aus Ihrer Sicht falsch?

Die überstürzte Aussetzung war gewiss ein Fehler. Aber der alte Zustand mit W6 und einer Ausmusterungsquote nahe 50% war auch nicht mehr haltbar. Wir Sozialdemokraten hätten gern das Modell eines freiwilligen Wehrdienstes, anknüpfend an die damals bestehende FWDL-Struktur mit 25.000 Dienstposten, umgesetzt, waren aber in der Opposition.

4. Kriegsschiffe, die nicht auslaufen, SAR-Hubschrauber, die nicht starten dürfen…Können Sie als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses angesichts der aktuellen Lage guten Gewissens weitere, neue Auslandseinsätze gut heißen?

Unsere laufenden Auslandseinsätze binden zur Zeit so wenig Personal wie lange nicht, aktuell weniger als 2500 Soldatinnen und Soldaten. Zu Spitzenzeiten waren es fast 11.000. Aber richtig ist: Die materielle Einsatzbereitschaft, das nervenzehrende Reform-Hin-und-Her, Personalengpässe in Schlüsselbereichen, das alles erfordert dringend eine strukturelle Nachsteuerung, um nicht für jede neue Aufgabe – und die werden kommen – wieder von Grund auf improvisieren zu müssen.

5. Die innerdeutsche Katastrophenhilfe durch die Bundeswehr, speziell im „Land zwischen den Meeren“, sprich zwischen den Deichen, ist gleichwohl noch immer ausreichend sichergestellt?

Ja – falls nicht gerade Wochenende ist, wenn es stürmt oder schneit. Wir haben in Husum, Mürwik, Eckernförde, Kiel, Hohn, Jagel, Plön, Eutin und Appen noch jeweils größere Truppenkörper, seien es Verbände, seien es Schulen. Und bei Husum ist schweres Pioniergerät vorstationiert.

6. Besonders in diesem Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit im Katastrophenfall sind Reservisten (auch oder gerade am Wochenende) von Bedeutung – wie sehen Sie deren Rolle heute und in Zukunft?

Als wirksame Ergänzung. Sie ersetzen nicht die Präsenz von aktiver Truppe, aber die Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte können verstärken und bei der Schwerpunktbildung helfen. Und die Kreisverbindungskommandos werden natürlich dafür sorgen, dass die Bundeswehr von Anfang an mit den zivilen Verantwortlichen vor Ort gut kooperiert.

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