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Kameradschaft in Schleswig-Holstein, Reservisten und Aktive
Kameradschaft in Schleswig-Holstein
Reservisten beim Tag der Bundeswehr in Hohn
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Reservisten und Aktive bei einer öffentlichen Vorführung zum Tag der Bundeswehr in Plön 2017
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Die Barkasse Kuddel der RK Marine Kiel bei der Kieler Woche auf der Förde
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Im Gedenken der gefallenen Kameradinnen und Kameraden auf der ganzen Welt
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Landesgruppe Schleswig-Holstein

„Größter Lump und erster Mann Preußens“




 

 

– von Lars Bessel –

Friedrichsruh/ Berlin. Geburtstagswetter sieht anders aus: Es ist kalt und regnerisch, als die kleine Reservistenabordnung den Hügel zum Mausoleum hinaufsteigt. Nur schemenhaft setzt sich das beigefarbene Sandsteingebäude vom dunkelgrün und grau der Waldlichtung ab – und je näher die Frauen und Männer vom Arbeitskreis Reserveoffiziere (AKRO) Kiel kommen, umso surrealer wird die Szenerie: denn aus dem Inneren des Mausoleums dringt wunderbare Klaviermusik. Am Flügel sitzt Meisterpianist Nathan Steinhagen und spielt Bismarcks Lieblingsstück: die Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven, besser bekannt als „Mondscheinsonate“.

So zwiespältig die Eindrücke an diesem Vormittag, so zwiespältig das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Reichsgründer: Am 1. April 2015 wäre Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, kurz: Fürst von Bismarck – preußischer Ministerpräsident, Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, Reichskanzler des deutschen Kaiserreiches – 200 Jahre alt geworden. Für den Vorsitzenden des AKRO Kiel, Oberst a.D. Hartmut Digutsch, Grund genug „dieses Lebenswerk zu ehren“. Stellvertretend für den gesamten deutschen Reservistenverband legte er am Sarg des Reichskanzlers einen Kranz nieder mit schwarz-rot-goldener Schleife und dem silbernen Aufdruck „In ehrendem Gedenken“. Im Anschluss hält Historiker Prof. Helmut Grieser, ebenfalls Mitglied des Kieler Arbeitskreises, eine kurze Laudatio auf „einen der erfolgreichsten deutschen Staatsmänner und großen Europäer“.

Das sieht am Abend des 1. April der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Festakt im Deutschen Historischen Museum in Berlin ähnlich: „Bismarck gehörte zu den wirkmächtigsten Gestalten und Gestaltern der deutschen Geschichte.“ Beispielhaft sei Bismarcks Energie, sein politischer Wille und seine Leidenschaft gewesen, sich wesentlichen Fragen seiner Zeit zu stellen. „Beispielhaft seine Fähigkeit, den richtigen Moment abwarten zu können, beispielhaft auch seine Entschlusskraft und seine Standhaftigkeit.“

Doch da gab es auch die Schattenseiten des „Eisernen Kanzlers“, den Karl Marx gern „Pißmarck“ nannte, jenen Mann, der zunächst kriegerische Einheitspolitik mit „Eisen und Blut“ machte und später Katholiken wie Sozialisten und Sozialdemokraten jagte, einsperrte oder verbannte. Bundespräsident Joachim Gauck: „Ein bleibender Schatten auf Bismarcks Wirken ist sein hartnäckiger, auch unbelehrbarer Drang, Reichsfeinde zu identifizieren und möglichst auszuschließen. Das war nicht nur kontraproduktiv, es hat auch lange nachwirkende Wunden geschlagen und Vorurteile auf Jahrzehnte befestigt.“

Auch Oberst Wolfgang Schmidt, Militärhistoriker an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, warnt seine nationalen wie internationalen Lehrgangsteilnehmer: Für Nationalstolz, Legenden und Mythen sei Bismarck das falsche Vorbild, wenngleich Bismarck in der historischen Betrachtung oftmals allzu negativ dargestellt werde. So sei der erste Reichskanzler gewiss kein „Steigbügelhalter“ für einen späteren gewesen, also für Hitler. Und nach den Einigungskriegen habe Bismarck bewusst noch mehr auf Diplomatie denn auf Militär, vor den „unglückseligen Biereifer der Generale“ (Bismarck) ausdrücklich das Primat der Politik gesetzt. Wenn man dann noch die von Bismarck eingeführte Sozialgesetzgebung hinzunehme, dann ergebe alles zusammen eine durchaus „schillernde Figur“.

Diese in ihrer Gesamtheit abzubilden ist Aufgabe von Prof. Ulrich Lappenküper, dem Leiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Aus seiner Sicht befinden sich die Deutschen auf dem Weg zu einem „ausgeglichenerem Bild“ ihre Reichsgründers, der in jungen Studentenjahren selbst die Vermutung anstellte: „Ich werde entweder der größte Lump oder der erste Mann Preußens“. Er sollte beides schaffen – je nach Standpunkt des Betrachters. Tatsache ist: Nach den Einigungskriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich verhalf der preußische Junker und Royalist Bismarck seinem König Wilhelm I. zum deutschen Kaisertitel durch Proklamation in Versailles. Außenpolitisch ein Revolutionär, blieb Bismarck innenpolitisch jedoch zeitlebens ein Reaktionär, der vor allem dem Parlamentarismus nichts gutes abgewinnen konnte, über den er letztendlich auch 1890 stolperte. „Die politischen Parteien sind der Verderb unserer Verfassung und der Verderb unsrer Zukunft“, erklärte Bismarck 1884 im Reichstag und verkannte dabei die durch die Industrialisierung zwangsläufige Emanzipation von Bürgertum und Arbeiterschaft, die eine parlamentarische Repräsentation unabdingbar machte.

Dabei hatte Bismarck die „kleinen Leute“ durchaus im Blick, so Bundespräsident Gauck, auch wenn die Einführung von Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung zweifelsohne eine „besondere List“ war: „Um seine sozialistischen Gegner zu bekämpfen, schuf Bismarck die damals weltweit fortschrittlichste Sozialgesetzgebung. Das hat Deutschland nachhaltig geprägt. Gerade die Bismarckzeit zeigt, dass sich soziale Sicherheit und dynamische wirtschaftliche Entwicklung nicht ausschließen, sondern dass sie im Gegenteil einander stärken können und sollten.“

Die Herausforderung in der geschichtlichen Beurteilung Bismarcks liegt nach Einschätzung von Militärhistoriker Oberst Wolfgang Schmidt denn auch darin, den Reichsgründer „auf der historischen Folie“ zu beurteilen, weshalb man heute nicht „von Bismarck lernen kann, als lese man in einem Rezeptbuch“. Die „Deutschtümelei“ mancher (Reserve-)Offiziere halte er deshalb für durchaus problematisch, denn „mit einem gewissen Stolz“ könne einen eigentlich erst die Geschichte der demokratischen Bundesrepublik erfüllen.

Und Stiftungs-Professor Lappenküper wundert sich sogar über die zum Teil ehrerbietende Haltung aktiver wie ehemaliger deutscher Soldaten: war die Skepsis Bismarcks gegenüber Militär und vor allem deren Führern doch durchaus ausgeprägt. Auch wenn Bismarck beileibe kein „Friedensfürst“ gewesen sei, so habe er doch stets gemahnt, man müsse bereits vor einem Krieg wissen, wie man ihn wieder – möglichst erfolgreich – beenden kann. Angesicht aktueller Krisen und Kriege vielleicht doch ein „Rezept“ des „Eisernen Kanzlers“ für die Gegenwart …

Mit Blick auf die Besucher im Bismarck-Museum in Friedrichsruh stellt Lappenküper jedenfalls erfreut fest, „dass wir uns auf dem Weg zu einem ausgewogeneren Bild Bismarcks“ befinden. Das wachsende Interesse deute darauf hin, dass Deutschland mehr und mehr Abstand nehme zu heroisierenden wie dämonisierenden Vorstellung in Bezug auf den Reichsgründer. Es gelte „seine Leistungen zu würdigen, ohne die Fehlleistungen unter den Teppich zu kehren“. Dazu zählen für ihn auch durchaus „zukunftsweisende weil integrierende Ideen“ Bismarcks auf europäischer Ebene. Bei Bundespräsident Joachim Gauck klingt das so: „Wir stehen heute vor ähnlich großen Fragen. Unsere Antworten werden andere sein. Aber den Mut, sich mit Tatkraft und Optimismus diesen Herausforderungen zu stellen, den können wir von ihm lernen.“

Orte, dies zu reflektieren, gibt es nach wie vor viele in Deutschland – und darüber hinaus: Neben zahllosen Gedenksteinen, nach Bismarck benannten Straßen und Plätzen sowie übermannshohen Statuen, stehen noch heute 173 Bismarcktürme und -säulen auf dem heutigen Gebiet von Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Russland, Österreich, Kamerun und Chile. Und last but not least gibt es das Mausoleum im Sachsenwald von Friedrichsruh, in dem der Sarg von Bismarcks Ehefrau Johanna (?1894) direkt neben dem ihres Mannes steht, der am 30. Juli 1898 starb. In drei Jahren gibt es somit den nächsten größeren Anlass, sich seiner möglichst differenziert zu erinnern: zum 120. Todestag anno 2018.

Die Bismarcks heute: Der Lack ist spröde
– von Adelsexperte Jürgen Worlitz –

Der jetzige Clanchef Ferdinand von Bismarck (84) ist der vierte Fürst von Bismarck und  noch sehr gut drauf, allerdings etwas gehbehindert und hat daher 51 Prozent seiner Familienbesitz-Anteile an seinen zweitgeborenen Sohn Gregor (50) abgegeben, der somit die Geschäfte führt. Ob allerdings mit Weitsicht wird sich zeigen: Er investiert in Blockkraftheizwerke und in ein Restaurant – letzteres leidet an Anlaufschwierigkeiten.

Das Vermögen der Bismarcks liegt längst nicht mehr bei der oft zitierten Milliarde. Von den einst 6.000 Hektar Sachsenwald gehören ihnen noch rund 3.000, die andere Hälfte ging an eine Hamburger Reederfamilie. Neben dem Wald haben die Bismarcks verpachtete Restaurants, einen Schmetterlingsgarten und pflegen in Friedrichsruh ein Bismarck-Areal mit Museum, Mausoleum und dem erwähnten Restaurant. Die „Bismarck-Quelle“ (Mineralwasser) ist verpachtet.

Von den Fürstenkindern ist einer tot (Gottfried, Drogensucht), einer ist auf und davon (der nunmehr entmachtete Erbgraf Carl Eduard (54), der als faulster Bundestagsabgeordnete aller Zeiten Geschichte schrieb und drei Mal geschieden ist), eine (Vanessa, 44) lebt als PR-Lady, verheiratet mit Kind in New York und einer, der besagte Gregor, ein glückloser Filmproduzent, versucht sich in der Leitung des Familienimperiums.

„Seine Durchlaucht“ Clanchef Ferdinand ist unter anderem Patenonkel von König Willem-Alexander der Niederlande. Man kennt viele Royals seit Urzeiten von der Jagd her, immerhin sind Jagdpartien eine wichtige Geldquelle der Bismarcks und schaffen gesellschaftliche Anerkennung. Adel vom Feinsten und Geldadel vom Reichsten geben sich dann in Friedrichsruh (total diskret, niemals mit Presse) ein Stelldichein. Ernst August von Hannover hat in Friedrichsruh zum Beispiel Caroline von Monaco kennengelernt. Fazit: Es gibt noch Glanz bei den Bismarcks (Schloss, Jagd), aber die Hochglanzzeiten sind vorbei.

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