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Reservistenkameradschaft Gera

Allgemein

Ein Jahresabschluss besonderer Art




Gera. Als im Oktober feststand, dass der traditionelle sicherheitspolitische Jahresabschluss coronabedingt nicht stattfinden würde, kam man auf die Idee, den geltenden Verordnungen entsprechend in „Freiluft im kleinen Kreis“ etwas auf die Beine zu stellen. Als Rahmenthema war geplant: „Ende des Kalten Krieges vor 30 Jahren. Ist die Welt seither sicherer geworden?“ Auf Anregung des RK-Vorsitzenden wurde die Traditionsveranstaltung kurzerhand auf das Gelände des Flugplatzes Altenburg-Nobitz verlegt. Und so kamen an einem wolkenverhangenen Samstag im Spätherbst interessierte Kameraden und Gäste auf dem dortigen Areal des Museums „Flugwelt“ zur letzten gemeinsamen Veranstaltung des Jahres 2020 zusammen. Dieses ehrenamtlich betriebene Objekt ist übrigens das einzige Flugzeugmuseum in Thüringen, noch dazu einem historischen Ort.

Der Flugplatz Altenburg ist einer der ältesten Flughäfen, die in Deutschland ununterbrochen in Betrieb sind, wenn nicht gar der älteste überhaupt! Der Ostthüringer Herzog Ernst II. ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein großer Gönner der Luftfahrt und setzt sich für fliegerische Aktivitäten in seiner Residenzstadt ein. 1909 landet erstmals ein Luftschiff auf dem dortigen Exerzierplatz und 1910 gab es bereits die ersten „Altenburger Flugtage“. 1913 schließlich wurde der in den Folgejahren stetig erweiterte Flugplatz eingeweiht und diente von da ab fast 80 Jahre ausschließlich dem Militär. Allein schon die Bezeichnungen „Kaiserliche Fliegerstation“, „Fliegerhorst“ und „Aerodrom Altenburg“ lassen auf drei verschiedene Nutzer in drei verschiedenen Epochen innerhalb eines knappen Jahrhunderts schließen. 1992 wurde der Flugplatz von den sowjetischen Fliegerkräften geräumt und dient seither zivilen Zwecken, mit 2.500 m langer Start- und Landebahn ein wahrer Großflugplatz.

Die Geraer RK-Mitglieder erfuhren bei ihrem Besuch von zwei fachkompetenten Referenten in hochinteressanten Vorträgen viel bis dato Unbekanntes. Zum einen über die mittlerweile 107jährige Flugplatzgeschichte und zum anderen speziell über Funkmess- sowie Flugzeugtechnik.

Besonders nachdenklich stimmte die Besucher, dass man ab 1973 auf dem Flugplatz Altenburg eine Jagdbomberversion der MiG-21 stationierte, die für den Kernwaffeneinsatz vorgesehen war. Das dazugehörige Munitionslager befand sich im nahen Waldgelände. Es handelte sich dabei um den Typ MiG-21 SMT, der ausschließlich bei den sowjetischen Fliegertruppen im Dienst stand und nicht in andere Staaten exportiert wurde. In Thüringen befanden sich somit nicht nur die bekannten Boden-Boden-Raketen als mögliche Kernwaffenträger, sondern auch kleinere luftgestützte atomare Einsatzmittel! Dieses Detail war den anwesenden Kameraden völlig neu. Man wusste bis dahin nur von mindestens vier Thüringer Standorten, in denen landgestützte Kernwaffenträger stationiert waren: Jena-Forst (sowjetische Raketenbrigade), Tautenhain (NVA-Raketenbrigade), Bad Klosterlausnitz und Erfurt (je eine Raketenabteilung der NVA). Die Kernsprengköpfe befanden sich ausschließlich in sowjetischer Hand. Und hier kam wieder der sicherheitspolitische Aspekt der Veranstaltung zum Tragen: 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges verfügen mehr Staaten als je zuvor über derartige Waffensysteme. „Loyal“ berichtet periodisch in entsprechenden Artikeln über diese harten Tatsachen.

Auf der Freifläche des Museums gibt es Interessantes zu sehen: Von der Sabre über die Fiat G.91 bis zum Starfighter, von der MiG-21 bis zur Suchoi Su-22, an Hubschraubern vom Sikorsky S-58 über die Mil Mi-2 bis zur Kamov K-26 und schließlich vom „Arbeitspferd“ Antonov-2 bis zum tschechischen Agrarflugzeug Z-37 „Hummel“ spannt sich der Bogen der Exponate. Insgesamt sind derzeit 15 Originalmaschinen vorhanden. Davon können zwei Großflugzeuge, die Breguet Atlantic sowie die Lockheed Transall begangen und innen besichtigt werden. Am Schluss des eindrucksvollen, mehr als dreistündigen Diskurses war man sich einig: Eine sicherheitspolitische Veranstaltung dieser Art sollte es auch künftig geben!

 

Nachbetrachtung im März 2021:

Dem seit Januar gültigen Vertrag über ein Atomwaffenverbot ist bisher kein Atomwaffenstaat beigetreten, war aus „Loyal“ Heft 3/2021, Seite 30 zu erfahren. Dies bestätigt auch nach 5 Monaten einmal mehr die Aktualität des Veranstaltungsthemas.

Rüdiger Söllner

 

Bildunterschrift:
Ein besonderer Hingucker ist der U-Bootjäger Breguet Atlantic der Bundesmarine. Das Flugzeug wurde in Frankreich gebaut.

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