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Aus den Ländern

Interview über Corona-Einsatz




         

Interview zum Corona-Einsatz des Kreisverbindungskommandos zum Landkreis Greiz

Seit mehr als einem Jahr waren und sind die ausschließlich mit Reservisten besetzten Kreisverbindungskommandos (KVK) als wichtiger Teil des territorialen Netzwerks der Bundeswehr in die Bekämpfung der Corona-Pandemieeingebunden, so auch das KVK Greiz. Dieses war bereits in der ersten Corona-Welle im Frühjahr und Frühsommer 2020 aktiviert und ist seit November ununterbrochen im Einsatz.

Oberstleutnant der Reserve Jens Bickel, der Leiter des KVK Greiz, schildert Heinz-Dieter Böttger, dem Schriftführer der Reservistenkameradschaft Gera, seine Erfahrungen.

 

 

H.D. Böttger: Wie muss ich mir Ihre Aufgabe vorstellen?

Oberstleutnant d.R. Bickel: Die Kreisverbindungskommandos sind die ersten und wichtigsten Ansprechpartner für die Landkreise und kreisfreien Städte, wenn es um mögliche Hilfeleistungen der Bundeswehr im Rahmen der Amtshilfe oder zur Bewältigung von Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen geht, so auch in der Corona-Pandemie. Das KVK nimmt regelmäßig an Besprechungen der Gruppe Krisenmanagement des Gesundheitsamtes teil und berät im Hinblick auf Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung durch die Bundeswehr, unterstützt bei der Erstellung von Amtshilfeersuchen sowie der Vorbereitung der Bundeswehr-Hilfeleistungen und koordiniert diese. Weiterhin führt das KVK die zivile und militärische Lage im Landkreis und meldet relevante Lageinformationen schnell und verzugslos an das übergeordnete Landeskommando.

H.D. Böttger: Unter welchen Voraussetzungen kann Bundeswehr-Amtshilfe erfolgen?

Oberstleutnant d.R. Bickel: Amtshilfe der Bundeswehr erfolgt subsidiär und nur auf Anforderung der zuständigen Behörde, in unserem Fall durch das Landratsamt Greiz. Eine wichtige Voraussetzung im Bereich der personellen Unterstützung ist, dass entsprechender Personalersatz, z.B. auf dem zivilen Arbeitsmarkt oder durch Zeitarbeitskräfte, nicht beschafft werden kann.

H.D. Böttger: Um welche Hilfeleistung ging es konkret?

Oberstleutnant d.R. Bickel: Den Schwerpunkt bildet die personelle Unterstützung des Gesundheitsamtes bei der Kontaktpersonennachverfolgung und bei der Abstrichentnahme von SARS-CoV-2-Tests durch mobile und ortsfeste Teams. Weiterhin sind Soldaten als Helfende Hände im Impfzentrum Zeulenroda und der Impfstelle Greiz eingesetzt.

Als besonders gefährdet haben sich in der Pandemie die Alten- und Pflegeheime und Einrichtungen der Behindertenhilfe herausgestellt. Hier kam es nicht nur unter den Bewohnern zu zahlreichen Infektionen und Erkrankungen, sondern auch beim Personal, so dass einige Einrichtungen an den Punkt kamen, selbst eine Notbetreuung nicht mehr sicherstellen zu können.Hier haben die Soldaten als „Helfende Hände“ in der Lebenshilfe Zeulenroda, beim Diakonieverein Carolinenfeld Greiz und im Azurit Seniorenzentrum Bad Köstritz dazu beigetragen, den Corona-bedingten Personalnotstand zu beseitigen und das verbliebene Fach-Pflegepersonal durch hauswirtschaftliche Helfertätigkeiten soweit zu entlasten, dass die Betreuung der Bewohner sichergestellt werden konnte. Weiterhin wurden als Rettungsassistenten ausgebildete Sanitätssoldaten zur Unterstützung der Life Star Intensivpflegeeinrichtung in Greiz eingesetzt. Somit leistet auch die Bundeswehr einen Beitrag, in der Pandemie das Leben und die Gesundheit der Schwächsten in unserer Gesellschaft zu schützen und ihnen das Leben in dieser Ausnahmesituation erträglicher zu machen.

H.D. Böttger: Die Unterstützung in den Alten- und Pflegeeinrichtungen stelle ich mir schwierig, vor, v.a. weil es sicher nicht zum üblichen Auftrag der Soldaten gehört.

Oberstleutnant d.R. Bickel: Das ist natürlich eine neue Erfahrung, v.a. für die Soldaten, die nicht im Sanitätsdienst eingesetzt sind. Doch werden alle Soldaten darauf vorbereitet auch in unübersichtlichen und ungewohnten Situationen ihren Auftrag zu versehen. Das macht es ihnen leichter, sich auch in dieses neue Aufgabenfeld einzudenken. Sie tun dies aber auch aus der tiefen inneren Überzeugung, hier den Menschen in einer absoluten Notlage zu helfen. Das motiviert ungemein und hilft schwierige Situationen zu ertragen bzw. zu überwinden.

Als angenehmer Nebeneffekt hilft so ein Einsatz aber auch Brücken zu bauen. Faszinierend finde ich, dass hier mit Pflegekräften und Soldaten zwei Berufsgruppen zusammenkommen und harmonieren, die so im normalen Leben wahrscheinlich nie zusammengekommen wären. So lassen sich auch gegenseitige Vorbehalte abbauen und der gesellschaftliche Zusammenhalt stärken, der für die Bewältigung dieser Krise unverzichtbar ist.

H.D. Böttger: Welche Bundeswehreinheiten waren an den Hilfeleistungen beteiligt?

Oberstleutnant d.R. Bickel: Das waren überwiegend Soldaten aus unseren Thüringer Standorten, so vom Panzergrenadierbataillon 391 aus Bad Salzungen, vom Panzerpionierbataillon 701aus Gera, vom Versorgungsbataillon 131 aus Bad Frankenhausen, vom Informationstechnikbataillon 383 aus Erfurt und vom Landeskommando Thüringen aus Erfurt. Daneben waren aber auch Einheiten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern beteiligt, d.h. vom Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg,von Stab der Panzerbrigade 37aus Frankenberg, vom Sanitätsregiment 1aus Weißenfels sowie vom Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach. Die eingesetzten Soldaten haben ihren Auftrag zuverlässig und hoch motiviert erfüllt.

H.D. Böttger: Was war die größte Herausforderung für Ihren Einsatz?

Oberstleutnant d.R. Bickel: Da wäre vor allem die Durchhaltefähigkeit zu nennen. Das KVK ist schon mehr als ein halbes Jahr im Pandemieeinsatz.  Die lange Einsatzdauer stellt für die eingesetzten Reservisten, ihre zivilen Arbeitgeber und Familien eine besondere Belastung dar. Trotzdem gelang es dem KVK, stets die Einsatz- und Durchhaltefähigkeit sicherzustellen. Um unsere Ressourcen zu schonen, war immer nur ein Kamerad jeweils für mehrere Wochen am Stück aktiviert. Ganz besonders möchte ich hier Oberstleutnant d.R. Pillat und Hauptmann d.R. Roß danken, die jeweils viele Wochen einen engagierten und hochprofessionellen Einsatz gezeigt haben. Insofern war es eine Belastungsprobe, die gezeigt hat, dass die KVKs auch über einen langen Zeitraum durchhaltefähig sein können. Wichtig in diesem Zusammenhang sind eine vorausschauende Personalplanung, ein ressourcenschonender Personaleinsatz und die enge Abstimmung mit allen Beteiligten (Reservisten, Arbeitgeber, Familien, Bundeswehr).

H.D. Böttger: Wie sieht Ihr Fazit aus?

Oberstleutnant d.R. Bickel: „Wir dienen Deutschland.“ Dieses auf drei Worte reduzierte Selbstverständnis der Bundeswehr füllen die Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Pandemiebekämpfung hier und aktuell mit Leben. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, die Gesundheit und das Leben unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland zu schützen. Insofern ist es für uns selbstverständlich unseren Dienst zu leisten und dabei auch manche Entbehrung hinzunehmen.

Im Hinblick auf die Einbindung des KVK in die Arbeit der Krisenbewältigung kann ein positives Fazit gezogen werden. Die Teilnahme an einer Vielzahl von Ausbildungen und Übungen über die letzten Jahre hinweg hat sich gelohnt. Das KVK hat seinen Auftrag erfüllt und konnte als Verbindungselement zum Landkreis Greiz die dortigen Entscheidungsträger bei der Lagebewältigung professionell beraten und unterstützen. Die Beziehungen des KVK zu den Verantwortlichen im Landkreis haben sich weiter intensiviert und verdichtet. Die Bundeswehr als solche hat im Rahmen der Katastrophenabwehr deutlich an Reputation gewonnen. Insofern ist der Einsatz als Erfolg zu werten.

H.D. Böttger: Vielen Dank für das Interview.

 

Heinz Dieter Böttger, Reservistenkameradschaft Gera im VdRBw


Bildunterschriften:

Foto oben links: Soldat des Panzergrenadierbataillons 391 aus Bad Salzungen bei der Kontaktpersonennachverfolgung im Gesundheitsamt Greiz. Mit großem Engagement und viel Erfolg haben die Soldaten dieses Bataillons mehr als drei Monate diesen Dienst versehen (Foto Jens Bickel).“

Foto oben rechts: Oberstleutnant d.R. Bickel vor der Lagekarte im Stabsraum des Landratsamtes Greiz (Foto Sven Pillat).“

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