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Peacekeeping im Kosovo: Der vergessene Einsatz




Im Jahr 2012 ist die Republik Kosovo aus dem nationalen Bewusstsein der deutschen Bevölkerung wegen des andauernden Afghanistan-Einsatzes nahezu verdrängt. Deshalb hat es sich der Reservistenverband zur Aufgabe gemacht, im diesjährigen sicherheitspolitischen Seminar die Ursachen sowie den Verlauf des Krieges und die Perspektiven in der Region seit 1999 näher zu beleuchten.

Das Seminar stand unter der Leitung des Vizepräsidenten Christian Faul. In seinem Einführungsvortrag sprach er von einem vergessenen Krieg und Einsatz der Bundeswehr und wies auf die immer noch aktuelle Brisanz des Konfliktes hin. In der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass der gemischte Personenkreis sowohl ein hohes persönliches als auch fachliches Interesse an der Thematik aufweist. Viele Teilnehmer erwarteten Impulse durch die Vorträge für ihre Mittler-Funktion als Beauftragte für Sicherheitspolitik beim Reservistenverband. Andere waren in der Erwartung angereist, ihr Wissen über die Region Kosovo zu vertiefen oder aufzufrischen.

Das Seminar setzt bei der aktuellen Lageeinweisung durch Fachpersonal des Bundesministeriums der Verteidigung an, behandelt allgemein die Thematik "Peacekeeping" in Staatenverbunden, geht anschließend über die Geschichte des Konfliktes hin zur Einschätzung der Lage durch die Militärseelsorge. Sich anschließend, eröffnet der militärisch-politische Aspekt zu Beginn der Krise den zweiten Tag des Seminars. Die heutige politisch-diplomatische Sicht wird ebenso dargestellt, wie die Auslandseinsatzerfahrungen des zuletzt eingesetzten Kontingents 2010/11. Das sicherheitspolitische Seminar schließt mit der diplomatischen Bewertung durch den Vertreter des Kosovo ab.

Beginnend mit der Entwicklung vor Ort leitete am Freitag Oberst i.G. Joachim Smola, Referatsleiter der Abteilung für Krisenfrüherkennung und Bewertung der Risiko- und Bedrohungslage im Bundesministerium der Verteidigung, ein. Er verdeutlichte die Faktoren für die Grundlage der Lagebeurteilung, die seine Abteilung für den Bundesminister der Verteidigung zusammenstellt.

Der darauf folgende Vortrag des Botschafters a.D. Harald Ganns, Beauftragter für Presse und Information bei den Vereinten Nationen in Bonn, behandelte allgemein das Thema "Peacekeeping" und zeigte die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten der UN weltweit auf.

Den geschichtlichen Hintergrund zum Verständnis der Entwicklung des Konfliktherdes lieferte Prof. Dr. Oliver Jens Schmitt. Der Professor für osteuropäische Geschichte an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien referierte über den historisch gewachsenen Kern des Konfliktes und gab einen geschichtlichen Abriss über die zentralbalkanische Landschaft rund ums Kosovo. Im Vordergrund stand hierbei vor allem der wissenschaftliche Vergleich der historischen Argumentationen über die Besitzansprüche durch die jeweiligen Bevölkerungsgruppen.

Ihm folgend gab der Militärdekan des Evangelischen Militärpfarramtes Bonn, Peter Schmidt, im Rahmen des Seminars einen persönlichen Einblick in die gesammelten Erfahrungen während seiner Zeit als Seelsorger im Kosovo. Besonders beeindruckend waren hierbei die sehr persönlichen Eindrücke, die dem ethnisch-religiösen Konflikt im Kosovo neben der vorangegangen wissenschaftlichen Analyse eine sehr Menschliche gegenüberstellte.

Am Samstag beschäftigte sich das sicherheitspolitische Kosovo-Seminar mit dem Schwerpunkt Politik und Militär. Hans-Peter von Kirchbach, Generalinspekteur a. D. und Präsident der Johanniter Unfall-Hilfe, gab einen Einblick in die militärische Operationsführung des Kosovo-Krieges in der Anfangsphase um 1999.

Rainer Erdel, Stellvertreter des Präsidenten des Reservistenverbandes leistete in seinem Beitrag eine Übersicht über die derzeitige politische Lage und die gesellschaftspolitischen Perspektiven des Kosovo gerade auch im Hinblick auf Unterstützungsleistungen supranationaler Ebenen.

Der letzte Tag des Seminars stand ganz im Zeichen der aktuellen Lage im Kosovo. Der aus dem vorausgegangenen Kosovo-Kontingent 2010/11 zurückgekehrte Oberst Peter Paluch, von der 10. Panzerdivision, gab den Teilnehmern einen aktuellen Überblick über die Lage vor Ort und berichtete über die Erfahrungen die er als Chef des Kabinetts unter dem deutschen KFOR-Kommandeur Generalmajor Bühler im Kosovo gemacht hatte.

Zum Ende des Seminars folgte der Vortrag des Diplomaten Dr. Vilson Mirdita, Botschafter a. D. der Republik Kosovo in Berlin. Er referierte über die Möglichkeiten und Chancen auf dem Weg zur vollständigen Souveränität.

Das Seminar fasste somit alle sicherheitspolitisch relevanten Aspekte zur Thematik zusammen. Unterstützt wurde das Seminar mitunter durch die Publikation des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes "Wegweiser zur Geschichte – Kosovo" sowie das "Wörterbuch Sicherheitspolitik" und die Bundeswehr-Broschüre "Bundeswehr im Einsatz". Die Veranstaltung wurde zur optimalen Nutzung aller Ressourcen in Kooperation mit der Jakob-Kaiser-Stiftung unter Beteiligung der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt.


Andreas Ahammer und Christian Hetsch

Bild oben: Beim Herbert-Döllner-Seminar
zur Sicherheitspolitik ging es ums Kosovo
(Foto: Sören Peters).

Bild unten: General a. D. Hans-Peter Kirchbach,
ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr,
sprach über seine Erfahrungen während des
Kosovo-Krieges im Jahr 1999 (Foto: Sören Peters).

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