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Zur Bundeswehr, um zu sehen, wie es wirklich ist




Wotan Wilke Möhring ist derzeit einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler. Am 18. April startet sein neuer Kinofilm "Das Leben ist nichts für Feiglinge" und am 28. April wird er erstmals als Tatort-Kommissar zu sehen sein – zweimal pro Jahr. Im Interview spricht der 45 Jahre alte Leutnant der Reserve über seine Zeit bei der Fallschirmjägertruppe und seine Kindheit in einer Soldatenfamilie. Damals war er ein Querulant und ziemlich kontra – ein Punk.

Loyal: Herr Möhring, wie kommt ein Punk zur Bundeswehr?

Wotan Wilke Möhring: Ich wollte erst gar nicht zur Bundeswehr. Ich war ja der Querulant im Haus und letztlich wollte ich sogar verweigern. Ich hatte bei New York in einem Dorf für geistig Behinderte gearbeitet. Und so was wollte ich gerne machen, doch das ging nur über die Kirche, und die war mir damals noch suspekter. Ich war doch Punk – dem Gegenteil von Obrigkeit und Gehorsam und so. Zur Bundeswehr bin ich dann dennoch, weil ich mir das anschauen wollte. Viele andere haben nämlich nur über die Bundeswehr genörgelt, ohne dass sie die Truppe kannten. Ich kam dann zu den Fallschirmjägern und das war die beste Waffengattung. Ich hatte dort eine tolle Zeit, tolle Vorgesetzte, tolle Kameraden. Mit einigen habe ich heute noch Kontakt.

Loyal: Und dann wurden Sie gar Reserveoffizier.

Möhring: Ja. Ich war erst Grundwehrdienstleistender und habe dann auf zwei Jahre verlängert weil ich dort eine umfassendere Ausbildung machen konnte mit Leistungsabzeichen, Springercamps und vielem mehr. Ich war Reserveoffiziersanwärter bis zum Zugführer, der ich dann auch relativ früh geworden bin. Der damalige Zugführer hatte mir damals viel übergeben, anvertraut und mich als Fähnrich eingespannt. Ja, das war eine gute Zeit.

Loyal: Aber auch Ihr Vater war bei der Bundeswehr – zuletzt Oberst im Generalstab.

Möhring: Er war bei der Panzergrenadiertruppe. Ich bin also quasi mit dem Esbit-Kocher und mit EPA aufgewachsen. Wir haben schöne Familienurlaube in Wohnheimen des Bundeswehrsozialwerks gemacht. Als Kind bin ich aus dem Kindergarten ausgebüchst, um zu meinem Vater in die Kaserne zu laufen und ich fand es spannend, wenn mein Vater seine große olivfarbene Metallkiste für Manöver packte. Ich erinnere mich heute noch an den Geruch der Sachen. In unserer Großfamilie – ich habe drei Geschwister – ließ uns mein Vater zwar nicht antreten, doch die Struktur der Bundeswehr half ihm sicher dabei, unser Familienleben zu organisieren.

Loyal: Sie haben inzwischen selbst drei Kinder. Ihre zweite Tochter Henriette Marie ist im Januar in Köln geboren worden, wo sie mit ihrer Familie leben. Dazu noch herzlichen Glückwunsch. Was würden Sie sagen, wenn eines Ihrer Kinder mal sagt: Papa, ich geh zur Bundeswehr.

Möhring: Dann würde ich fragen, warum? Und wenn es ein gutes Argument wäre – denn ich will meine Kinder auch zur Freiheit und Selbstverantwortung erziehen oder zumindest dahin begleiten – dann ist ein solcher Berufswunsch durchaus legitim. Ich habe das schon anderen Leuten empfohlen, jungen Menschen, die nicht richtig wussten, was sie machen sollen, die auch ein bisschen eine hierarchische Umgebung brauchen, die sie unterstützt.

Loyal: Wer braucht so was?

Möhring: Es gibt schon junge Menschen, die vor lauter Freiheit scheinbar nicht wissen, was sie machen sollen. Und wo niemand da ist, der ihnen sagt, was zu tun ist. Diese jungen Leute sind in einem solchen Verbund – wie ich ihn erlebt habe – sehr gut aufgehoben. Man wird dort wertgeschätzt für das, was man macht. Und das passt zu vielen Menschen. Das kann ich dann nur empfehlen. Bevor jemand gar nichts macht, oder nicht weiß, was er machen soll, dann kann er das ruhig ausprobieren.

Loyal: Gab Ihnen das alles eine Struktur nach Ihrer Punk-Zeit?

Möhring: Ich hatte auch davor schon Struktur. Ich musste zu Hause immer Rede und Antwort stehen.

Loyal: War Ihr Vater also streng zu Ihnen?

Möhring: Gerecht! Aber er überzeugte durch seine Vorbildhaltung. Das ist auch etwas, was ich mitgenommen habe von der Bundeswehr: Du kannst von deinen Kindern alles verlangen. Wenn du es selbst vorlebst wird das wahrgenommen und ist glaubhaft. So habe ich auch meine Führungsfunktion in der Bundeswehr wahrgenommen. Du musst alles vorleben, vormachen, dann wird es dir auch abgenommen. Und das ist auch beim Film so. Ein Film ist ähnlich organisiert. Da gibt es feste Positionen, und du musst immer wissen, was der andere macht. Du musst ständig einen Plan B haben. Du musst eine klare Auftragsstruktur haben. Deshalb ist beides schon irgendwie verwandt.

Loyal: Hat Ihnen die Zeit beim Bund für Ihre Filmrollen geholfen – zum Beispiel als Feldwebel Kolbe im Stauffenberg-Film "Operation Walküre"?

Möhring: Ja, manchmal schon. Man sieht bei militärischen Szenen schnell, wenn ein Komparse nicht gedient hat. Ein Gewehr wird eben nicht mit dem Lauf nach unten auf den Boden gestellt. Auch die generelle Grundhaltung, der Umgang mit Waffen oder die Befehlsstruktur sind einfacher zu spielen, wenn man selbst bei der Bundeswehr war.

Loyal: Bei der Bundeswehr schwört ein Soldat, treu und tapfer zu dienen. Gibt es da auch Zusammenhänge mit dem wahren Leben oder Ihren Filmen?

Möhring: In meinem neuen Film "Das Leben ist nichts für Feiglinge" geht es im Grunde ja auch um solche Dinge wie Mut und Ausdauer. Denn obwohl es dort um Tod geht, ist er ein sehr humorvoller, lebensbejahender Film. Es beginnt mit dem Unfalltod der Mutter. Vater und Tochter – die ein Grufti und in ihrer Welt verstrickt ist – vermissen die Frau und Mutter sehr. Es geht darum herauszufinden, was man an dem hat, der noch lebt. Es geht um das Wiederentdecken, denn die Tochter haut nach einem Streit mit dem Vater ab. Er reist ihr nach und sucht sie! Einerseits trauert er als Ehemann, andererseits will er Vorbild bleiben für das Kind. Sehr lustig, toller Humor aber auch sehr berührend. Kurz: ein toller Film.

Loyal: Am 28. April sehen wir Sie erstmals als Tatortkommissar Thorsten Falke aus Hamburg. Worum geht es in dem Tatort?

Möhring: Es kommt zu einem Brandanschlag auf ein Auto in Hamburg. Dabei stirbt ein Mensch. Gleichzeitig wird eine sehr persönliche Geschichte erzählt. Thorsten Falkes Kollege und guter Freund hat ihm zwar erzählt, dass er Vater wird, aber nicht gesagt, dass er deswegen in den Innendienst wechseln wird – also ein Vertrauensbruch. Dieses Private ist ein großer Teil in dieser ersten Folge. Dann wird Kommissar Falke eine Kollegin von der Brandbekämpfung zur Seite gestellt, die eher kopfanalytisch ist – Katharina Lorenz – meine Schauspielkollegin Petra Schmidt-Schaller. Die beiden scheinen grundverschieden zu sein und kommen zunächst nicht sonderlich gut miteinander aus.

Loyal: Die Tatortkommissare sind im deutschen Fernsehen eine feste Größe. Ist die neue Rolle deshalb für Sie etwas Besonderes?
 

Möhring: Ja, denn es gibt kein größeres Format im deutschen Fernsehen. Die Zuschauer finden den Tatort gut – erst dann kommt der Ermittler. Tatort ist eine Institution, ein Lagerfeuer der Deutschen, um das sie sich sonntags um 20.15 Uhr versammeln. Diese Tradition haben schon wir als Kinder und Jugendliche mitgekriegt. Es ist etwas Besonderes, dieser großen Gemeinde plötzlich gegenüberzustehen. Das ist eine Herausforderung. Und für mich persönlich ist es etwas Neues, dass ich zum ersten Mal nach einem Dreh nicht gehe, sondern dass ich der bin, der bleibt. Die Regisseure wechseln, die Kameraleute auch, aber ich werde bleiben. Das ist für mich sehr spannend.

Loyal: Wie lange werden Sie bleiben?

Möhring: Ich habe einen Vertrag über fünf Folgen. Der zweite Fall spielt auf der Insel Langeoog. Ab April drehen wir dort. Im Herbst wird der zweite Tatort dann ausgestrahlt. So ist das erst einmal geplant: zwei Folgen pro Jahr. Das ist auch für mich neu. Eine Geschichte wird nicht zu Ende erzählt sondern lediglich anerzählt. Ich muss kein Filmende sondern ein Episodenende erzählen und trotzdem spannend halten. Jeder muss hinterher wissen wollen: Wie geht es mit dem Ermittler weiter?

Loyal: Als Reservist haben Sie bisher noch keinen Reservedienst gemacht. Gibt es dafür einen Grund?

Möhring: Ich wurde von der Bundeswehr nie gefragt.

Loyal: Es gibt für die Soldaten in den Auslandseinsätzen eine funktionierende Truppenbetreuung. Dort fahren auch immer mal Schauspieler hin, so zum Beispiel vor kurzer Zeit Ihr Kollege Til Schweiger. Würden Sie das auch mal machen – so ganz ohne Gage und auf eigenes Risiko?

Möhring: Das kann ich mir schon vorstellen, wenn ich gefragt werde und es insgesamt passt. Wobei ich ungern kopieren würde, was Til gemacht hat. Wenn es zum Beispiel einen guten Film gibt der eine Aussage hat, eine Wirkung zur moralischen Unterstützung der Truppe, dann ja. Reines Entertainment würde ich so nicht machen wollen.

In der Loyal-Ausgabe April 2013 findet sich auf Seite 38 ein Porträt des Schauspielers Wotan Wilke Möhring.


Das Interview führte Detlef Struckhof

Bild oben: Szene aus dem Film "Das Leben ist nichts
für Feiglinge", der am Donnerstag, 18. April 2013, in den
Kinos anläuft. Markus Färber (Schauspieler: Wotan Wilke Möhring)
hört den Anrufbeantworter der Familie ab, um die Stimme
seiner verstorbenen Frau zu hören – im Hintergrund seine
Tochter Kim (Schauspielerin: Helen Woigk), (Foto: Bernd Spauke).

2. Bild: Schauspieler Wotan Wilke Möhring (Foto: Thomas Leidig).

3. Bild: Szene aus dem NDR-Tatort "Feuerteufel", der am Sonntag,
28. April 2013, ausgestrahlt wird. Ruben (David Berton) und
Falke (Wotan Wilke Möhring – rechts) im Verhörraum.
(Quelle: NDR, Foto: Christine Schröder).

Bild unten: Szene aus dem Kinofilm:
"Das Leben ist nichts für Feiglinge". Witwer Markus
(Schauspieler: Wotan Wilke Möhring – Mitte) mit Alex
(Schauspieler: Frederick Lau – links) und Tochter Kim
(Schauspielerin: Helen Woigk),
(Foto: RIVA Film, Georges Pauly).

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