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Jagdflieger Werner Mölders – Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus




Die Beschäftigung mit einem militärgeschichtlichen Thema ist für ein vorweihnachtliches Jahresabschlussessen einer Reservistenkameradschaft eher ungewöhnlich. Ob es an dem ungewöhnlichen Thema lag oder aber am Referenten, Brigadegeneral a.D. Dr. Hermann Hagena – jedenfalls hatten die Reservisten und Reservistinnen der RK Selztal am denkwürdigen Datum 12.12.2012 ein volles Haus und erlebten eine weit über die Person des Jagdflieger Werner Mölders hinausreichende lebhafte Diskussion.

Der Militärhistoriker Dr. Werner Hagena, promovierter Jurist und Starfighter-Pilot exakt in dem nach Mölders benannten Jagdgeschwader in Neuburg/Donau, hat sich über lange Zeit mit dem legendären Piloten und Namensgeber des Geschwaders Mölders beschäftigt und nach der „Entnamung“ des heutigen Jagdgeschwaders 74 mit großer Ausdauer für eine Rehabilitation von Mölders eingesetzt. Dabei ging und geht es dem heute 81jährigen Luftwaffen-Brigadegeneral außer Diensten und Autor einer Mölders-Biografie eher um eine „Reinigung“ von zu Unrecht erfolgten Anwürfen gegen Mölders, dessen 100.Geburtstag auf den 18. März 2013 fällt.

Wie alle erfolgreichen Jagdflieger war Werner Mölders, wie man heute formulieren würde, ein Medienstar mit hoher Präsenz in den Zeitungen und Wochenschauen. Als erster deutscher Soldat erhielt er 1941 nach über 100 Luftsiegen das Eichenlaub zum Ritterkreuz mit Schwertern und Brillanten. Andere Jagdflieger, die den schon mit 28 Jahren gefallenen Mölders überlebten, übertrafen ihn später nach der Zahl ihrer Luftsiege. Oberst Mölders, von seinen Untergebenen liebevoll „Vati“ genannt,  blieb jedoch nicht nur als erfolgreicher  Jagdpilot, sondern vor allem als verantwortungsvoller Vorgesetzter ein Vorbild bis heute. Wegen seiner ritterlichen Menschlichkeit wurde er auch von seinen Feinden geachtet.

Werner Mölders wurde am 18. März 1913 in Gelsenkirchen als Sohn eines Lehrers geboren und bewarb sich 1932 bei der Kriegsschule Dresden. Von 60 Bewerbern seines Jahrgangs wurden nur drei, darunter Mölders, eingestellt. Da es ihn aber zum Fliegen drängte, meldete er sich 1934 als Oberfähnrich, als Deutschland heimlich mit dem Wiederaufbau einer Luftwaffe begann. Mölders bekam aber Probleme bei der Fliegertauglichkeitsprüfung. Bei der Wiederholung der Prüfung meisterte Mölders auch den Drehstuhl (die heutige „Zentrifuge“), wurde aber auch noch später bei der Pilotenausbildung an der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Cottbus und an der Kampffliegerschule von den Symptomen geplagt. Erst nach der Sturzkampfausbildung in Schleißheim und der Versetzung zum Sturzkampfgeschwader "Immelmann" gelang es ihm, diese Schwäche zu überwinden.

Als Jagdflieger in Spanien und an der Westfront

Im April 1938 übernahm Mölders von Adolf Galland die 3. Staffel der Jagdgruppe 88 der "Legion Condor", die mit veralteten Doppeldeckern vom Typ Heinkel He 51 zur Bekämpfung von Bodenzielen eingesetzt wurde. Nach der Umrüstung auf das moderne Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 gelang dem jungen Oberleutnant Mölders am 17. Juli der erste Luftsieg.  Mölders entwickelte zusammen mit Günther Lützow die taktische Formation des Schwarms (4 Flugzeuge) und der im Schwarm befindlichen eigenständigen Rotten (2 Flugzeuge), die auch im Überschallzeitalter sich in den Luftwaffen von Ost und West durchgesetzt hat. Am 31. Oktober 1938 erzielte er seinen 14. und letzten Abschuss in Spanien und kehrte als der Jagdflieger mit den meisten Abschüssen nach Deutschland zurück. An der Bombardierung von Guernica, die durch ein eindrucksvolles Bild von Picasso weltweit ins Bewusstsein gerückt wurde, war aber Mölders nicht beteiligt – zu diesem Zeitpunkt war er noch in Wiesbaden-Erbenheim stationiert und mit dem Aufbau einer Jagdstaffel beschäftigt. Erst ein Jahr nach Guernica wurde er zur Legion Condor versetzt

Am 15. März 1939 wurde Mölders als Hauptmann Chef der 1. Staffel des Jagdgeschwaders 53. Während die deutschen Truppen im September nach Polen einmarschierten befand sich Mölders mit seinem Geschwader an der Westgrenze des Reiches. Am 20. September 1939 gelang ihm sein erster Abschuss im 2. Weltkrieg, eine französische Curtis "Hawk". Am 28. Mai 1940 erreichte er als erster Luftwaffenpilot den 20. Abschuss und bekam dafür das Ritterkreuz verliehen.

Am 5. Juni 1940 musste Mölders aus seiner durch Beschuss beschädigten Bf 109 aussteigen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Wegen der Kapitulation Frankreichs dauerte diese aber nur wenige Wochen. Am Tag seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er zum Major befördert.

Der französische Zivilist Edmond Caron, der Mölders nach dessen Fallschirmlandung am Kopf verletzte, wurde von Landsleuten denunziert. Für ähnliche Fälle verhängten deutsche Militärgerichte in Frankreich die Todesstrafe. Caron wurde „nur“ zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Mölders setzte sich mehrfach (und erfolgreich) für diesen Soldaten ein und erreichte nach nur einem Jahr bei Göring seine Begnadigung. Ein Gutachten des militärgeschichtlichen Forschungsamtes, auf das später noch eingegangen wird, erklärte die Geschichte für eine Erfindung von Mölders‘ Bruders Victor, die auf jeden Fall nicht belegt sei. Mit Hilfe des Nationalarchivs und mit Unterstützung von französischen Freunden wurden die Belege  nach monatelanger Suche  im Provinzialarchiv von Brauvais aufgetrieben.

Kommodore des Jagdgeschwaders 51

Schon eine Woche später – am 20. Juli – übernahm Mölders als Kommodore das JG 51, das am Ärmelkanal die Hauptlast des Luftkriegs gegen England zu tragen hatte. Am 27. Juli flog er dort seinen ersten Einsatz und konnte sich nach einem Luftkampf mit dem Südafrikaner Adolph „Sailor“ Malan mit seiner beschädigten Maschine nur mit Mühe zur französischen Küste retten. Die Verletzungen bei der Notlandung brachten ihm vier Wochen Lazarett ein.

Schon am 29. September besiegte Mölders seinen 40. Gegner und erhielt als zweiter Soldat der Luftwaffe das Eichenlaub zum Eisernen Kreuz. Hinzu kam die Beförderung zum Oberstleutnant.

Am 26. Februar 1941 war seine Abschussliste auf 60 angestiegen. Kurze Zeit später verlegte das Geschwader an die Ostgrenze, um am Aufmarsch für den Überfall auf Russland teilzunehmen. Schon am ersten Tag der Offensive gelangen Mölders vier Luftsiege; am selben Tag wurden ihm die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen; sein Geschwader konnte kurz darauf den 1000. Abschuss melden. Allein am 30. Juni holte das JG 51 110 russische Flugzeuge vom Himmel, fünf davon gingen auf das Konto des Kommodore. Nach seinem 100. und dem 101. Luftsieg am 15. Juli 1941 erhielt Mölders als erster Soldat der Wehrmacht die Brillanten zum Ritterkreuz und wurde als 28jähriger zum Oberst befördert.

Inspekteur der Jagdflieger

Nach seinem 115. Abschuss (mitgezählt sind die 14 Luftsiege in Spanien) erteilte ihm die Luftwaffenführung Feindflugverbot; man wollte nicht riskieren, seine wichtigen Erfahrungen zu verlieren. Mölders wurde zum Inspekteur der Jagdflieger ernannt. Seinen Schreibtisch sah Mölders dabei selten; meist flog er an der Ostfront von Verband zu Verband, um Probleme vor Ort zu lösen.

Nach dem Freitod seines Freundes Generaloberst Ernst Udet wurden die deutschen Jagdflieger zum Staatsbegräbnis nach Berlin befohlen. Mölders flog bei schlechtem Wetter in einer von einem anderen Piloten gesteuerten He 111 mit. In der Nähe von Breslau fiel ein Motor aus. Beim Versuch der Notlandung fiel auch der zweite Motor des Bombers aus. Beim Absturz starb Mölders durch Bruch der Wirbelsäule.

Fazit:

 

Mölders legendäre Luftsiege waren zweifellos nützlich für das Dritte Reich; ihm selbst kann man keine innere Nähe zu den Nationalsozialisten nachsagen. Er war gläubiger Christ und kümmerte sich – wie Hermann Hagena durch Originalbriefe von Mölders belegte – um seinen Klassenkameraden Georg Küch und seine jüdische Mutter. Mölders starb (1941) zu früh, um mit dem Widerstand deutscher Offiziere gegen Hitler in Kontakt zu kommen. Sein Grab auf dem Berliner Invalidenfriedhof wurde 1975 von der DDR eingeebnet und nach der Wiedervereinigung 1991 von seinem Schulkamerad Heribert Rosal, dem damaligen Domherrn am St. Hedwigsdom, neu gesegnet. Delegationen  der Luftstreitkräfte ehemaliger Kriegsgegner sowie Spaniens, Österreichs und Ungarns ehrten Mölders durch ihre Anwesenheit.  In seiner Gedenkansprache zitierte der Luftwaffengeneral Busch Bundespräsident Weizsäcker: Mölders überzeugte durch persönliches Beispiel…und wurde durch Persönlichkeit und Leistung zu einem soldatischen Vorbild.   Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.

Von 1973 bis 2005 trug das in Neuburg an der Donau stationierte Jagdgeschwader 74 der deutschen Bundeswehr den Traditionsnamen „Mölders“. Dann musste auf Weisung des Verteidigungsministers Struck das Geschwader die Ärmelstreifen abgeben. Grundlage dieser Entscheidung war eine von ganzen 29 Bundestagsabgeordneten der PDS und der Grünen Jahre zuvor getroffene Empfehlung und ein nach sechs Jahren (2004) nachgeschobenes Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, dem später von Dr. Hagena und anderen eine Reihe schwerer handwerklicher Fehler nachgewiesen werden konnten. Für einen Mitarbeiter des angesehenen Forschungsinstitutes erstaunlich, hatte der Gutachter zwar die „dünne Quellenlage“ beklagt, es aber nicht einmal für notwendig gehalten, die Untersuchungsberichte einer französisch-englischen Kommission über den Bombenkrieg der Legion Condor oder den von den Siegermächten des 2. Weltkrieges herausgegebenen Band „Deutschland und der spanische Bürgerkrieg 1936-1939“ der Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik in seiner Untersuchung zu berücksichtigen.

Ein nach Mölders benannter Lenkwaffenzerstörer der Bundesmarine liegt noch als Museumsschiff in Wilhelmshaven. Der 100. Geburtstag von Werner Mölders am 18. März 2013 wäre ein gutes Datum für eine – eigentlich längst fällige – Rehabilitation. 

 

 

Text: Michael Sauer
Bild: Thomas Brammer-Türck

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